Finneas O’Connell über das Schreiben von Songs für seine Schwester Billie Eilish - DER SPIEGEL
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Musiker Finneas O’Connell »Ich streite oft mit Billie darüber, ob ein Song gut ist«

Finneas O’Connell ist zusammen mit seiner jüngeren Schwester Billie Eilish berühmt geworden. Früher sind die beiden gemeinsam auf Tour gegangen, heute sind sie allein unterwegs. Hier erzählt der Musiker, wie es ist, für seine Schwester Songs zu schreiben.
Ein Interview von: Christoph Dallach • • aus DEIN SPIEGEL 2/2025

Dein SPIEGEL: Du warst 17, Billie war 13 Jahre alt, als ihr euren ersten erfolgreichen Song veröffentlicht habt: »Ocean Eyes«. Wie stressig war es, plötzlich berühmt zu sein?

O’Connell: Auf einmal war alles so schnell. Alles, was wir uns jemals gewünscht hatten, ging plötzlich in Erfüllung. Über Nacht schienen wir uns in die Beatles verwandelt zu haben. Große Firmen wollten mit uns ins Geschäft kommen, was sehr aufregend war. Ich musste viele wichtige Entscheidungen treffen. Mein Gehirn funktionierte plötzlich ganz anders, auch meine Ideen veränderten sich. Ich musste Verantwortung übernehmen.

Billie Eilish und Finneas O’Connell bei einem Festival-Auftritt in Las Vegas

Billie Eilish und Finneas O’Connell bei einem Festival-Auftritt in Las Vegas

Foto: Alive Coverage / ddp

Dein SPIEGEL: Eure Eltern haben Billie und dir damals bei Konzerten geholfen. Hat das auch mal genervt, dass sie dabei waren?

O’Connell: Ganz ehrlich, das war das Beste, was uns passieren konnte. Ich liebe meine Familie! Wir vier zusammen auf Tour, das war die schönste Zeit in meinem Leben. Jetzt sind wir leider alle getrennt unterwegs.

Dein SPIEGEL: Wie fühlt sich das an?

O’Connell: Ich vermisse Billie bereits sehr. Aber wenn es passt, komme ich zu ihren Shows, die immer toll sind. Und ich bin dann so stolz auf sie – und auf unsere Musik. Manchmal komme ich auch für ein, zwei Songs als Gast auf die Bühne.

Dein SPIEGEL: Du wirst wahrscheinlich nicht so oft erkannt wie deine Schwester. Ist das ein Vorteil?

O’Connell: Ja, das ist sogar ein großer Vorteil. Kein Mensch interessiert sich dafür, was ich anziehe. So viele Leute wollen darüber urteilen, ob sich jemand angemessen kleidet oder nicht: »Das steht dir aber gar nicht …!« Furchtbar.

Dein SPIEGEL: Du arbeitest nicht nur mit deiner Schwester, sondern auch mit Stars wie Justin Bieber oder Selena Gomez. Arbeitest du für jeden anders?

O’Connell: Ich erledige die Aufträge so, wie sie kommen. Wenn die Aufgabe ist, einen Song für Justin Bieber zu schreiben, sprechen wir erst mal gemeinsam darüber, wie der aussehen könnte. Wenn ich wiederum allein am Klavier sitze, warte ich ab, was passiert. Wenn es persönlich wird, ist das ein Song für mich. Wenn Billie vorbeikommt und mir erzählt, was sie gerade beschäftigt, entsteht daraus ein Song für sie.

DEIN SPIEGEL: Retter in der Not
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Dein SPIEGEL: Streitest du dich manchmal mit Billie, ob ein Song gut ist oder nicht?

O’Connell: Ja, wir streiten. Billie hat einen klugen Blick auf Musik und immer eine starke Meinung. Besonders bei ihrer neuen Platte hatten wir oft Streit. Wir wussten wirklich nicht, ob die Songs gut sind. Aber der Streit ist hilfreich, weil wir beide wollen, dass etwas besser wird.

Dein SPIEGEL: Du wirst vermutlich mit Anfragen überhäuft. Wie gut bist du darin, Nein zu sagen?

O’Connell: Mittlerweile ziemlich gut. Aber das musste ich lernen. Zu Beginn unserer Karriere habe ich zu allem Ja gesagt, einfach weil ich so aufgeregt war, überhaupt diese Angebote zu bekommen. Damit geht ja immer der Gedanke einher, nie wieder so ein tolles Angebot zu kriegen. Aber irgendwann begreifst du, dass es ständig neue Anfragen geben wird, und beginnst auszuwählen. Aber ich bin immer noch für jedes Angebot dankbar.

Dein SPIEGEL: Wie oft fällt dir nichts ein?

O’Connell: Ständig! Das gehört einfach zum Job. Und dann wiederum klappt ein Song in wenigen Stunden. So läuft das eben. Ich habe gelernt, dass man Inspiration nicht erzwingen kann und nicht so streng mit mir zu sein. Wobei es sich immer schlecht anfühlt, wenn nichts läuft.

Für ihren Song zum Film »Barbie« wurden die Geschwister mit einem Oscar ausgezeichnet

Für ihren Song zum Film »Barbie« wurden die Geschwister mit einem Oscar ausgezeichnet

Foto: Robert Gauthier / Los Angeles Times / Getty Images

Dein SPIEGEL: War es besonders aufregend, einen Song für den James-Bond-Film »No Time to Die« zu schreiben?

O’Connell: Oh mein Gott, das war sehr aufregend. Und für mich ein Traum. Zur Vorbereitung haben Billie und ich alle Filme mit Daniel Craig als James Bond angeschaut. Den Song habe ich dann an einem Tag geschrieben.

Dein SPIEGEL: Du hast schon viele Musikpreise gewonnen: zehn Grammys und zwei Oscars. Wo bewahrst du die auf?

O’Connell: Die standen alle auf einem Regal in meinem Wohnzimmer, aber irgendwann ging mir auf, dass das doch sehr angeberisch ist. Seitdem habe ich einen dezenteren Platz für sie gefunden. Den möchte ich aber für mich behalten.

Finneas O’Connell und seine Hündin Peaches in einem Musikstudio in Los Angeles, USA. Gerade ist Finneas’ zweites Soloalbum »For Cryin’ Out Loud« erschienen.

Finneas O’Connell und seine Hündin Peaches in einem Musikstudio in Los Angeles, USA. Gerade ist Finneas’ zweites Soloalbum »For Cryin’ Out Loud« erschienen.

Foto: Chantal Anderson / The New York Times / Redux / laif

Dein SPIEGEL: Du hast viel Geld verdient. Was ist der größte Luxus, den du dir geleistet hast?

O’Connell: Ich habe darauf geachtet, dass ich keinen überflüssigen Quatsch kaufe. Aber ich habe mir ein Haus geleistet, was für mich ein riesiger Luxus ist. Ein eigenes Zuhause zu haben, ist großartig, ich habe sogar ein Zimmer, in dem ich Musik machen kann. Und Geld hilft mir bei einer traurigen Sache: Ich kann den Tierarzt für meinen kranken Hund bezahlen. Als Billie und ich noch Kinder waren, hatten wir viele Haustiere, aber wenig Geld. Ich hatte immer Angst, dass wir uns keinen Tierarzt leisten können, wenn eines dieser Tiere mal krank wird. Mein Hund muss demnächst operiert werden, und dass ich mir keine Gedanken darüber machen muss, ob ich das bezahlen kann, ist ein wunderbarer Luxus.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 2/2025.

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