Fußballer Rocco Reitz im Kinder-Interview »Ich führe alle Zweikämpfe mit Vollgas«
Dein SPIEGEL: Mit 18 Jahren bist du Profi geworden. Was war das Erste, was du dir von deinem Gehalt gekauft hast?
Reitz: Eine richtig wertvolle Winterjacke, die ich immer haben wollte. Später habe ich mein Geld auch für blöde Dinge wie ein schnelles Auto ausgegeben. Das machen viele junge Leute, die auf einmal viel verdienen.
Dein SPIEGEL: Warum eigentlich?
Reitz: Weil man unerfahren im Umgang mit Geld ist. Als ich direkt nach der Schule Profi geworden bin, glaubte ich am Anfang, mit den älteren Spielern im Team mithalten zu müssen – und kaufte mir teure Dinge, die ich gar nicht brauchte. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das Quatsch ist.
Dein SPIEGEL: Wolltest du schon immer Fußballer werden?
Reitz: Ja, das war mein Traum, seitdem es für mich bei Gladbach losging.
Dein SPIEGEL: Du spielst hier, seit du sieben Jahre alt bist. Wie kam es dazu?
Reitz: Mein Vater und mein Onkel hatten mich über Ostern bei einem Fußballcamp angemeldet. Dort durfte ich nach kurzer Zeit sogar bei den älteren Jungs mitmachen. Wenig später kam die Einladung zu einem Probetraining. So fing alles an.
Dein SPIEGEL: Im Januar hast du deinen Vertrag bei Gladbach bis zum Jahr 2028 verlängert. Hast du jemals über einen Wechsel nachgedacht?
Reitz: Nein, dazu hatte ich bisher keinen Grund. Ich spiele seit fast 14 Jahren bei Gladbach und kenne hier alle möglichen Leute: die Fans, die Ordner, den Platzwart. Der Verein ist für mich wie ein zweites Zuhause.
Dein SPIEGEL: Im Dezember berichteten Medien, dass Manchester City an dir interessiert sei – eines der besten Teams der Welt. Wie hast du darauf reagiert?
Reitz: Ich habe in meiner Familiengruppe bei WhatsApp davon erfahren. Es hat mich nervös und stolz gemacht, dass mein Name mit so einem großen Verein in Verbindung gebracht wird. Aber ich weiß nicht, woher diese Gerüchte kommen und ob an ihnen überhaupt was dran ist.
Dein SPIEGEL: Könntest du ein Angebot von Manchester City ablehnen?
Reitz: Wir Profis spielen Fußball, um uns eines Tages auf der höchsten Ebene beweisen zu dürfen. Zu einem Weltklasse-Verein kann man also schwer Nein sagen. Aber Fakt ist, dass es zurzeit kein Angebot gibt. Und auch keine Gespräche.
Dein SPIEGEL
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Dein SPIEGEL: Der Nationaltorwart Marc-André ter Stegen startete seine Karriere ebenfalls bei Gladbach. Heute spielt er beim FC Barcelona. Hast du dir von ihm mal einen Tipp geholt?
Reitz: Nein, aber ich habe mit ihm über Gladbach gesprochen. Und darüber, wie er die Zukunft von Spielertypen wie mir bei diesem Verein einschätzt. Das war extrem interessant, weil Marc genau den Weg gegangen ist, von dem viele Profis träumen. Außerdem ist er supernett.
Dein SPIEGEL: Welcher Spieler ist dein Vorbild?
Reitz: Lionel Messi war schon immer mein Idol. Früher habe ich mir von ihm Tricks bei YouTube und TikTok angeschaut. Ansonsten würde ich noch Joshua Kimmich nennen. Er ist ein Weltklasse-Spieler, sehr diszipliniert, und er will immer gewinnen. Das bewundere ich.
Dein SPIEGEL: Kimmich ist der Kapitän der Nationalmannschaft. Sehen wir dich dort in Zukunft ebenfalls?
Reitz: Vor der Europameisterschaft durfte ich zwei Wochen beim Trainingslager der Natio mitmachen. Das Niveau war extrem hoch und das ganze Drumherum sehr beeindruckend. Wenn ich noch mal angefragt werde, sage ich bestimmt nicht Nein.
Dein SPIEGEL: Was muss ein Profi außer Fußball spielen noch können?
Reitz: Fußball wird immer schneller, aggressiver und athletischer. Deswegen müssen wir Profis gut auf unseren Körper achten, etwa auf erholsamen Schlaf und speziell auf uns angepasste Ernährungspläne. Es ist wichtig, auch neben dem Platz diszipliniert zu sein.
Dein SPIEGEL: Dein ehemaliger Mitspieler Tony Jantschke hat mal über dich gesagt, dass du auf dem Platz ziemlich nervig sein kannst.
Reitz: Das konnte er aber auch! Bei mir liegt das daran, dass ich bei jedem Training das Maximale rausholen will. Ich führe alle Zweikämpfe mit Vollgas. Da kann es schon mal passieren, dass ein Mitspieler wütend wird, weil ich ihn falsch getroffen habe. Und wenn mir auf dem Platz jemand gegen den Strich geht, kann ich unangenehm werden.
Dein SPIEGEL: Gibt es Mitspieler, die du gar nicht leiden kannst?
Reitz: Nein, so was kommt im Profifußball generell nur selten vor, weil das schlecht für die Stimmung im Team wäre. Dass man sich beim Training mal auf den Fuß tritt oder nervt, gehört dazu. Privat verstehen wir uns aber alle super.
Dein SPIEGEL: In der vergangenen Saison befand sich Gladbach im Abstiegskampf. Wie bist du mit dem Druck klargekommen?
Reitz: Das war eine schwierige Zeit. Auf dem Platz habe ich einfach versucht, immer mein Bestes zu geben. Wenn es trotzdem nicht gereicht hat, war es eben so. Privat habe ich mich bemüht, wenig über den Abstiegskampf nachzudenken. Um mich abzulenken, habe ich viel Zeit mit meiner Frau und meinen Freunden verbracht.
Dein SPIEGEL: Bist du vor Spielen aufgeregt?
Reitz: Nicht besonders. Und wenn doch, sage ich mir einfach: Du wolltest doch immer hierhin und im Stadion vor den Fans spielen – das war dein Traum. Also warum bist du jetzt nervös? Danach fällt es mir leichter, den Moment zu genießen und einfach Spaß zu haben.
Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 03/2025.
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