Haustier-Tod: Wie Kinder und Familien mit dem Verlust umgehen können - DER SPIEGEL
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Tipps gegen die Trauer Was tun, wenn das Haustier stirbt?

Für viele ist es die erste Erfahrung mit dem Thema Tod. DEIN SPIEGEL erklärt, wie sich der Verlust anfühlen kann, was Kinder berichten und was bei der Beerdigung von Hunden, Katzen oder Hamstern zu beachten ist.
Von Claudia Beckschebe • • aus DEIN SPIEGEL 9/2025

Am Anfang vom Ende steht oft der Schock: Das Haustier, mit dem man geschmust hat, um das man sich gekümmert, das man gefüttert und gepflegt hat, oft jahrelang, ist nicht mehr am Leben. Vielleicht war es schwer krank und wurde in der Tierarztpraxis eingeschläfert, oder man fand es eines Morgens leblos an seinem Platz.

Die Trauer über den Verlust des geliebten Tiers kann einen so überrollen, dass erst mal nichts mehr geht. Das kann man im ganzen Körper spüren. Der Brustkorb verengt sich, und ein Kloß bildet sich im Hals. Die Tränen fließen. Man ist verzweifelt, matt und vielleicht auch wütend. Das empfindet jeder ein bisschen anders.

Julian, 9 Jahre, über sein Kaninchen:

»Im November vergangenen Jahres habe ich meinen Kiki verloren. Kiki war mein Kaninchen. Er war erst zwei Jahre alt, ganz flauschig, mit Schlappohren und mein bester Freund. Er war immer putzmunter und so lieb, und plötzlich lag er eines Nachmittags tot in seinem Stall. Ich habe mich ganz arg erschrocken und war so traurig. Wir haben Kiki bei uns im Garten beerdigt. Da waren meine Eltern und meine Oma dabei.

Julian und Kiki

Julian und Kiki

Foto: Privat

Kikis Grab habe ich zusammen mit meinen Freunden Greta und Matti bepflanzt. Es ist schön, dass Kiki nun immer noch ein bisschen bei uns sein kann. Auch Molly, seine beste Hasenfreundin, kann so bei Kiki vorbeihoppeln. Jeden Tag, sobald ich von der Schule heimkomme, lasse sie aus dem Stall, damit sie Auslauf im Garten hat. Es ist immer jemand von unserer Familie dabei, damit kein Fuchs angeschlichen kommt und sie schnappt. Molly läuft wirklich jedes Mal zuerst zum Grab von Kiki, das finde ich erstaunlich. Wir haben sogar ein Foto davon gemacht.«

Um die Traurigkeit besser zu ertragen, hilft Kuscheln mit den Eltern. Um­armungen spenden Trost und Ruhe. Und es hilft auch, gemeinsam darüber zu reden, was jetzt zu tun ist. Wo soll das Tier seine letzte Ruhe finden, und wie wollen wir uns von ihm verabschieden?

Wer einen eigenen Garten oder ein Grundstück hat, darf sein Haustier dort beerdigen. Dabei muss man ein paar Regeln beachten. Ganz wichtig: Das Begraben im Wald oder in einem Park ist nicht erlaubt. Wer das trotzdem macht und erwischt wird, kann mit einem hohen Bußgeld von bis zu 15.000 Euro bestraft werden.

Wenn man keinen eigenen Garten hat, kann ein Tierfriedhof eine Alternative sein. Die Kosten für so ein Grab sind allerdings oft recht hoch.

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Außerdem gibt es die Möglichkeit, Tiere bestatten zu lassen. Sonja Hessel­mann arbeitet bei der Firma Rosengarten, die solche Tierbestattungen anbietet. Sie sagt: »Manche Tiere, wie Papageien und Schildkröten, können sehr alt werden, 60 bis 70 Jahre. Die Menschen, die so ein Tier verlieren, haben oft ihr ganzes Leben mit ihm verbracht, es vielleicht sogar geerbt. Das ist ein schwerer Verlust. Ich helfe beim Abschiednehmen.«

Tierbestattungsfirmen wie Rosengarten kümmern sich um die Einäscherung des Haustiers. Das bedeutet, dass das tote Tier verbrannt wird und die Asche in ein Gefäß, eine Urne, kommt. »Man kann die Urne bemalen oder mit kleinen Erinnerungsstücken bekleben. Viele Kinder geben ihrem Haustier auf die letzte Reise ein Foto oder einen Brief mit, das Lieblingsspielzeug des Tiers oder ein Leckerli«, sagt Hesselmann. »Wir bieten auch an, vor der Einäscherung einen Pfotenabdruck zu machen. Den kann man als Erinnerung behalten.«

Ava, 11 Jahre, über ihre Katze:

»Lieschen war schon in der Familie, bevor meine Schwester und ich auf die Welt kamen. Da war sie das Haustier meiner Eltern. Sie ist 16 Jahre alt geworden und Anfang dieses Jahres gestorben. Das kam nicht plötzlich. Sie war über ein Jahr sehr krank, sodass wir uns darauf vorbereiten konnten, dass sie stirbt. Lieschen hatte Krebs. Die Tierärztin hat die Tumore einige Monate mit Medikamenten behandelt, und eine Zeit lang wurde es auch wieder besser, aber schließlich nicht mehr. Sie hatte starke Schluckbeschwerden, konnte kaum trinken. Wir mussten ihr das Wasser mit einer Spritze in den Mund spritzen. Da haben wir uns dann schweren Herzens entschieden, sie einschläfern zu lassen. Die Tierärztin kam dafür zu uns nach Hause. ­Unsere ganze Familie war gemeinsam dabei, wir haben Lieschen gestreichelt. Es war schön zu sehen, dass sie noch mal ganz ruhig atmen konnte, bevor sie dann für immer eingeschlafen ist.

Ava und Lieschen

Ava und Lieschen

Foto: Privat

Wir haben eine Holzkiste für Lieschen mit Stoff ausgelegt, sie von außen mit Acrylfarbe bemalt und unsere Wünsche aufgeschrieben für Lieschen. Ich habe Erinnerungsbänder geknüpft. Eines habe ich Lieschen um die Pfote gelegt, das hat sie mit ins Grab bekommen. Die anderen tragen Mama, Papa, meine Schwester und ich um die Handgelenke.

Lieschens Tod ist jetzt einige Monate her. Ich glaube, meine Mama vermisst sie besonders. Bei ihr saß Lieschen gern auf der Schulter, wie ein Schal sah das aus. Wenn die Traurigkeit hochkommt, kuschle ich mit Irma, unserer anderen Katze. Die vermisst Lieschen auch, nachts schreit sie manchmal richtig. Sie bekommt jetzt aber besonders viele Schmuseeinheiten ab. Das ist bestimmt auch ganz schön für sie, vorher wurde sie ein bisschen we­niger beachtet, weil wir uns so intensiv um Lieschen kümmern mussten.«

Die Urne mit der Asche des Haustiers begraben manche Menschen im Garten, andere stellen sie daheim an einen hübschen Platz. Hesselmann sagt: »Ein schönes Abschiedsritual ist es auch, die Asche auf dem Weg zu verstreuen, der die liebste Gassiroute war, die man mit seinem Hund gegangen ist.«

Manchmal wenn man diese Route geht, kommt die Traurigkeit vielleicht wieder hoch. Trauer kann man sich wie ein Meer vorstellen: Man treibt auf ruhiger See dahin, und dann schwappen plötzlich wieder ganze Wellen von Traurigkeit über einen hinweg. Aber auch wenn es schwer ist, das in solchen Momenten zu glauben: Das Meer beruhigt sich wieder. Versprochen. Abschieds- und Bestattungsrituale können dabei helfen, den Verlust zu verarbeiten.

Wann geht die Trauer vorbei? Tierbestatterin Sonja Hesselmann sagt: »Das weiß man nie. Trauer ist oft langsam. Das passt nicht so recht in unsere schnelllebige Welt. Man darf sich selbst alle Zeit geben, die man braucht. Manch einer sagt sich: Ich hole mir nie wieder ein Tier. Das möchte ich nicht noch einmal durchmachen. Andere merken nach einer Weile: Jetzt ist wieder Platz für einen neuen Begleiter. Was sich richtig anfühlt, merkt man eines Tages von ganz allein.«

Dieser Artikel erschien in DEIN SPIEGEL 09/25.

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