Jugendfeuerwehr - eine Zwölfjährige erzählt: »Ich kann Feuer löschen« - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 3 / 5

Als Zwölfjährige bei der Jugendfeuerwehr »Ich kann Feuer löschen«

Mila ist bei der Jugendfeuerwehr Ellerbek. Hier spricht sie über unlösbare Knoten und davon, wie man eine Hecke löscht, die gar nicht brennt.
Protokoll: Emma Dübner • • aus DEIN SPIEGEL 10/2024

Im Feuerwehrauto gibt es eine strenge Sitzordnung. Vorn an der Tür sitzt immer der Angriffstrupp, das sind die Leute, die schnell rausspringen müssen, um als Erste am Einsatzort zu sein. Außerdem gibt es noch den Gruppenführer, Maschinisten, Melder, Wassertrupp und Schlauchtrupp. Auch unser Maskottchen »Tiger« hat immer einen Platz: vorn in der Fahrerkabine.

Im Feuerwehrauto ist ein großer Wassertank, darin sind 2500 Liter Löschwasser. Das klingt nach viel, aber es reicht gerade so, um einen Heckenbrand zu löschen. Wenn wir mehr Wasser brauchen, nutzen wir Hydranten. Das sind Wasserzapfstellen, die meistens unter der Erde eingebaut sind. Von oben sehen sie aus wie kleine Kanaldeckel. Zur Not entnehmen wir Wasser aus einem offenen Gewässer, See oder Fluss. Dafür müssen wir mehrere Schläuche aneinanderkoppeln und in ein Gewässer verlegen, damit wird dann das Wasser angesaugt. Wie das genau geht, haben wir bei einer Übung gelernt.

Wir, das sind 20 Kinder und Jugendliche von der Jugendfeuerwehr Ellerbek. Wir treffen uns alle zwei Wochen, immer donnerstags, für zwei Stunden. Meistens sind wir in der Feuerwache, wo die Feuerwehrautos stehen. Die restliche Zeit sind wir im Feuerwehrhaus, da gibt es Sitzplätze und kühle Getränke.

Bei echten Einsätzen darf die Jugendfeuerwehr noch nicht mitfahren. Stattdessen übt sie auf dem Hof der Feuerwache Ellerbek.

Bei echten Einsätzen darf die Jugendfeuerwehr noch nicht mitfahren. Stattdessen übt sie auf dem Hof der Feuerwache Ellerbek.

Foto: Maria Feck / Dein SPIEGEL

Bei unseren Treffen lernen wir unter anderem, wie man verschiedene Arten von Feuer löscht. Zum Beispiel wird uns gesagt: »Die Hecke auf dem Hof brennt!« Die Hecke brennt dann nicht wirklich, aber wir tun so, als ob, und überlegen, wie wir handeln würden. Das könnte so sein: Ich bin Gruppenführerin und gebe den anderen den Befehl: »Angriffstrupp zur Brand­bekämpfung mit dem ersten C-Strahl-Rohr über den Hof vor!« Es ist ein bisschen kompliziert, sich solche Abläufe und Sätze zu merken, aber die anderen helfen mir dabei. Wir öffnen dann die Seitenklappen vom Feuerwehrauto, rollen unterschiedliche Schläuche heraus und schließen sie an eine Pumpe an. Danach heißt es: »Erstes Rohr, Wasser marsch!« Und das Wasser wird aufgedreht. Immer zwei Leute halten einen Schlauch vorn fest, weil das Wasser ordentlich Rückstoß hat. So löschen wir die Hecke – jedenfalls würden wir sie so löschen, wenn sie wirklich in Brand geraten wäre. Je nachdem auf welcher Position man steht, hat man eine andere Aufgabe. Wir wechseln die Positionen regel­mäßig durch.

Dein SPIEGEL: Macht KI die Schule besser?
Foto: DER SPIEGEL - generiert mit Midjourney

Einige Schulen in Deutschland haben langsames Internet und alte Computer. Andere arbeiten mit Highspeed. In der neuen Ausgabe von »Dein SPIEGEL«, dem Nachrichten-Magazin für Kinder, geht es darum, wie künstliche Intelligenz den Unterricht verändert und was Schüler beim Nutzen von KI-Programmen beachten sollten. Außerdem: Fachleute zeigen, wie sie in Süddeutschland Bartgeier auswildern. »Dein SPIEGEL« gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:

Bei meine-zeitschrift.de bestellen 

Bei Amazon bestellen 

Manchmal üben wir auch mit echtem Feuer. Einmal wurde extra eine Mülltonne für uns angezündet, die wir löschen sollten. Bei echten Einsätzen dürfen wir noch nicht mitfahren. Ich bekomme trotzdem viel von meinem Papa mit, er ist bei der freiwilligen Feuerwehr bei uns im Ort. Wenn die Leitstelle einen Notruf entgegennimmt, leitet sie ihn an die Feuerwehr in Ellerbek weiter. Dann piept das Funkgerät von meinem Papa.

Bei der Jugendfeuerwehr geht es aber nicht nur darum, Brände bekämpfen zu können. Wir lernen auch Erste Hilfe und verschiedene Knoten. Ich kann zum Beispiel den doppelten Ankerknoten. Das ist ein Knoten, der von allein nicht wieder aufgeht. Deswegen darf man den nicht an Menschen und anderen Lebewesen anwenden. Damit kann man aber schwere oder scharfe Sachen hochheben, so wie eine Axt.

Unterricht in Erster Hilfe: Mila zeigt die stabile Seitenlage.

Unterricht in Erster Hilfe: Mila zeigt die stabile Seitenlage.

Foto: Maria Feck / Dein SPIEGEL

Sicherheit ist sehr wichtig bei der Feuerwehr. Wir müssen immer unsere Jacke anziehen und unseren Helm aufsetzen – egal wie heiß es ist. Manchmal schwitzt man ordentlich darin. Besonders wichtig ist der Helm, damit wir unseren Kopf nicht verletzen. Das kann schnell passieren, zum Beispiel wenn wir den Schlauch aus dem Auto heben. Der fällt einem manchmal entgegen und könnte auf dem Kopf landen. Unter dem Helm muss man die Haare zusammenbinden – das ist wichtig, damit man nirgendwo hängen bleibt. Unsere Schuhe haben eine dicke Stahlkappe, für den Fall, dass uns schwere Sachen auf den Fuß fallen. Wir können uns gegenseitig sogar auf die Füße treten, und man merkt gar nichts davon.

Neben den normalen Feuerwehrtreffen machen wir viele gemeinsame Sachen am Wochenende: Märsche, Pfingstzeltlager, Kreisjugendfeuerwehrtag oder Ausfahrten in den Hansa-Park, das ist ein Freizeitpark in Schleswig-Holstein. Im Dorf helfen wir bei Festen und grillen Würstchen. Und Wettbewerbe gibt es auch, so wie Abwurf­ballturniere. Letztens haben wir bei einem Turnier sogar einen Pokal gewonnen. Mein aufregendstes Erlebnis war aber bei einem Nachtmarsch in einem Zeltlager. Wir mussten ohne Hilfsmittel, nur mit Karte und Taschen­lampe, den Weg finden und haben uns dabei verlaufen. Am Ende waren wir dann mehr als drei Stunden unterwegs – statt einer Stunde wie geplant.

Ab und zu gibt es auch Prüfungen bei der Feuerwehr. Die heißen »Jugend­flammen«. Da wird das Grundwissen abgefragt: der Ablauf, wenn es brennt, außerdem Stiche, Knoten und Erste Hilfe – darin bin ich besonders gut. Geprüft wird auch, ob wir den Notruf richtig machen. Wichtig sind die W-Fragen: Wo? Wer ruft an? Wie viele Verletzte? Welche Art von Verletzung? Warten auf Rückfragen.

Die erste Jugendflamme habe ich schon bestanden. Jetzt übe ich für die nächste Prüfung und das nächste Abzeichen. Das ist wichtig, wenn man später in die richtige Feuerwehr will. Dann muss man nicht mehr alle Workshops mitmachen, weil man das alles schon in der Jugendfeuerwehr gelernt hat. Mit 10 Jahren darf man in die Jugendfeuerwehr, mit 18 Jahren kann man zur freiwilligen Feuerwehr wechseln. Wer da mitmacht, muss immer einsatzbereit sein. Manchmal auch nachts oder bei der Arbeit – so wie mein Papa. Ich kann mir gut vorstellen, später mal in der freiwilligen Feuerwehr zu sein. Auch wenn ich ein bisschen Angst vor Feuer habe. Aber die darf man haben – Feuer ist nicht ohne. Jeder kann bei der Jugendfeuerwehr mitmachen. Egal wie mutig man ist.

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 10/2024.

DEIN SPIEGEL – das Nachrichten-Magazin für Kinder
Foto:

DEIN SPIEGEL

Liebe Eltern,

Kinder wollen die Welt verstehen. Sie interessieren sich für Natur, Menschen und Technik. Sie stellen Fragen. Und sie geben sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Darum gibt der SPIEGEL für junge Leserinnen und Leser ab acht Jahren ein eigenes Nachrichtenmagazin heraus.

DEIN SPIEGEL erscheint jeden Monat neu und bietet spannende, verständlich geschriebene Geschichten aus aller Welt, Interviews und News aus Politik und Gesellschaft. Für noch mehr Spaß sorgen Comics, Rätsel und kreative Ideen zum Mitmachen.

Zur Ausgabe
Artikel 3 / 5