Buchtipps für junge Leserinnen und Leser Familie, Feen und Feuerwanzen
Zwei Jungs, ein Problem
Antonia, 12, vom Leseklub »Die Bücherfresser« der Buchhandlung Buchpalast in München
Mischa ist in der Schule der Beste und trägt immer ein ordentliches Hemd, aber er hütet ein Geheimnis, das er nicht mal seinem Freund Nits anvertraut: Seine Familie ist so arm, dass sie sich keine neue Badehose für den Schwimmunterricht leisten kann. Nits lebt in einer wohlhabenden Familie, aber ist in der Schule weitaus schlechter als Mischa. Doch obwohl sie so verschieden sind, halten sie zusammen, als Mischa etwas Schreckliches passiert.
Die Geschichte ist aus Nits’ Sicht erzählt. In unterhaltsamem Ton klärt das Buch über das oft vergessene Thema Kinderarmut auf. Sehr interessant ist dabei Mischas jüngere Schwester, vor der die beiden Jungs die Situation vertuschen wollen. Außerdem werden die Emotionen der Charaktere eindrücklich vermittelt. Besonders die gereimten Verse am Anfang jeden Kapitels haben mir gefallen.
Stephanie Höfler: »Feuerwanzen lügen nicht«. Beltz & Gelberg; 15 Euro. Ab 11 Jahren.
Zehn Märchen, alles anders
Otto, 15, vom Jugendleseklub der Stadtbücherei Landshut
In zehn mal spannenden, mal lustigen Märchen widerlegt dieses Buch so ziemlich jedes Klischee, das es über Märchen gibt. Zehn Geschichten der Brüder Grimm werden komplett neu erzählt: Von einer sympathischen Hexe bis zu Rapunzel, die sich in dieser neuen Version selbst rettet, ist für jeden etwas dabei. Jedes der Märchen ist in einer anderen Textform verfasst, als Kurzgeschichte, Tagebucheintrag, Gedicht … Und dazu gibt es eine Extra-Erzählung: die Entstehungsgeschichte dieser Märchenversionen. Sie ist ein eigenes fantastisches Märchen aus der Zukunft. Sie handelt von einer hochtechnologisierten Menschheit, die Krieg und Streit überwunden hat und für die gebundene Bücher selten und wertvoll geworden sind.
Holly Jane Rahlens beweist mit »Future Fairy Tales«, dass Märchen auch heute noch relevant sind und dass die Entscheidung, was gut oder böse ist, ganz allein von der Perspektive der Leserin und des Lesers abhängt.
Holly-Jane Rahlens: »Future Fairy Tales«. Aus dem Englischen von Christiane Steen. Rotfuchs; 25 Euro. Ab 11 Jahren.
Dein SPIEGEL
Ein Instrument zu lernen ist mühsam. Warum tun Menschen sich das an? Darum geht es in der neuen Ausgabe des Kinder-Nachrichten-Magazins »Dein SPIEGEL«. Sängerin Zoe Wees spricht über ihre Songs, Redakteur Marco Wedig beschreibt, wie gut seiner Oma Schlager taten, als sie dement wurde. Außerdem im Heft: Ein Land kauft den Sport – warum Saudi-Arabien Milliarden ausgibt, um die besten Athleten der Welt zu verpflichten. »Dein SPIEGEL« gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
Ein Geist, ein Mensch und viel Liebe
Hadis, 16, vom Jugendleseklub der Stadtbücherei Landshut
In Yadriels Familie sind Traditionen wichtig. Die Frauen sind Heilerinnen, die Männer erhalten durch ein Ritual die Fähigkeit, Seelen ins Totenreich zu begleiten. Doch Yadriel ist trans, deshalb darf er an dem Ritual nicht teilnehmen. Daher versucht er es heimlich, gemeinsam mit seiner Cousine Maritza – und die beiden haben Erfolg. Als Yadriel dann versucht, Kontakt mit seinem verschwundenen Cousin aufzunehmen, beschwört er aus Versehen den Geist von Julian. Julian ist tot, hat aber keine Erinnerung mehr daran, wie er gestorben ist. Julians Geist weigert sich, sich ins Totenreich begleiten zu lassen, solange er nicht mehr über seinen Tod herausgefunden hat. Yadriel beschließt, ihm zu helfen.
Dieses Buch ist eine Mischung aus Gruselgeschichte, Krimi und Lovestory. Die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet, ebenso die Beziehung zwischen Yadriel und Julian und ihre Suche nach Antworten, die die beiden immer näher zusammenbringt.
Aiden Thomas: »Yadriel und Julian«. Aus dem Englischen von Stefanie Frida Lemke. Dragonfly; 18 Euro. Ab 14 Jahren.
Zwei gefährliche Drogen, ungezählte Probleme
Nils, 16, »EVAs Leseclub« in Grimma
Dieser Roman hat vier Hauptpersonen: die Geschwister Isaac und Ivy. Und Roxy und Addison, die keine normalen Menschen sind, sondern Drogen in Menschengestalt. Roxy und Addison haben eine Wette abgeschlossen, wer von den Geschwistern schneller abhängig wird: Isaac ist der Verantwortungsvolle der Geschwister, der gute Noten in der Schule schreibt und Fußball spielt. Ivy ist eine Außenseiterin. Beide kommen in Kontakt mit den Drogen – und was passiert dann?
»Roxy« ist ein einmaliges Leseerlebnis: Nicht nur die Spannung der Geschichte treibt zum Weiterlesen an, sondern auch die Beziehungen zwischen Menschen und Drogen, die ausführlich beschrieben werden, lassen einen nicht mehr los. Man will herausfinden, wer die Wette gewinnt. Nach dem Lesen ist jedem klar: Drogen können verlockend sein, aber ihre Folgen sind furchtbar.
Neal und Jarrod Shusterman: »Roxy. Ein kurzer Rausch, ein langer Schmerz«. Aus dem Englischen von Kristian Lutze und Pauline Kurbasik. Fischer Sauerländer; 16 Euro. Ab 14 Jahren.
Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 11/2023.
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