Programmieren lernen für Kinder Willkommen im »Robolab«!
Lorenz möchte den Pinguin streicheln. Doch das Kajak treibt so schnell auf den Eisberg zu, dass der Zehnjährige sich gut festhalten muss. Jetzt bloß nicht das Gleichgewicht verlieren und ins Polarmeer fallen! Der Eisberg kommt gefährlich schnell näher, gleich wird das Kajak gegen ihn stoßen. Lorenz lässt die Paddel los, kneift die Augen zu …
… und setzt die VR-Brille ab. Plötzlich befindet er sich nicht mehr in der Antarktis, sondern in den Hamburger Bücherhallen, der größten Bibliothek der Stadt. Die Polarexpedition ist die Umgebung eines Spiels, das man mithilfe einer speziellen VR-Brille zocken kann. VR steht für virtuelle Realität, also so etwas wie eine vorgetäuschte Wirklichkeit. In der Brille befindet sich ein Bildschirm. So hat Lorenz das Gefühl, sich mitten im Game zu befinden. »Ich wusste natürlich, dass es nur ein Spiel ist. Aber alles wirkte so echt. Das Meer sah so tief aus, dass ich kurz Angst bekam«, sagt er.
Das Spiel mit der VR-Brille ist eine der Stationen der »Code Week«. So heißt das Event, das vor zwölf Jahren von der EU-Kommission ins Leben gerufen wurde. Seitdem wird die Code Week jedes Jahr von verschiedenen Stiftungen und Organisationen ehrenamtlich durchgeführt – hier in Hamburg, aber auch an vielen anderen Standorten in ganz Europa. Tausende Kinder und Jugendliche kommen heute in die Hamburger Bücherhallen, um an verschiedenen Stationen Werkzeuge auszuprobieren oder Programmieren zu lernen.
Lorenz ist einer von ihnen. Der Zehnjährige findet Technik super. In seiner Freizeit schraubt er am liebsten an ferngesteuerten Autos herum oder werkelt mit seinem Lötkolben. Außerdem interessiert sich der Fünftklässler für Roboter und würde gern Programmieren lernen. Doch das Unterrichtsfach Informatik wird an seiner Schule erst für höhere Klassen angeboten. Deshalb möchte Lorenz heute als Erstes zur »Robolab«-Station. Hier können Kinder selbstfahrende Roboter programmieren.
Zu Hause schraubt Lorenz am liebsten Spielzeugautos und Elektrozahnbürsten auseinander. Hier auf der Code Week bastelt er an einem Roboter herum.
Foto: Bettina Theuerkauf / DEIN SPIEGELKlingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach: Auf einem Tisch liegen Papier, Filzstifte und Mini-Roboter, die auf bunte Markierungen reagieren. Je nachdem, über welche Farbabfolge ein Roboter fährt, wird er schneller oder langsamer. Lorenz zeichnet zunächst die Rennstrecke vor, dann fügt er bunte Kästchen hinzu. Blau-Grün-Blau, das steht für Turbo-Gang. Er setzt den Roboter probeweise auf die Linie, das Spielzeug fährt über die farbigen Kästchen – und beschleunigt tatsächlich. »Klappt«, ruft Lorenz.
Woher weiß der Roboter ohne Fernsteuerung, was er tun soll? »Hier unten sind Sensoren eingebaut, also Signalstellen, die verschiedene Farben erkennen. Der Roboter übersetzt dann das Farbsignal in eine Anweisung«, erklärt der Fünftklässler.
Als Nächstes möchte Lorenz zur Computer-Station. Auf den Bildschirmen sind bunte Klötze zu sehen, außerdem der Schriftzug »Minecraft«. Der Zehnjährige kennt das Game bereits. »Das Coole daran: Man kann kreativ sein und alles machen, was man will«, sagt er. Heute geht es darum, anhand des Spiels Programmieren zu lernen. Die Aufgabe: Wolle sammeln, obwohl die Spielfigur weit vom Klötzchen-Schaf entfernt steht. Lorenz entscheidet sich für vier Befehle: zweimal »vorwärtsgehen«, einmal »drehen«, dann »Schaf scheren«. Es passiert – nichts.
Die einen mögen »Tatort«, die anderen »Drei Fragezeichen« oder Sherlock Holmes – fiktive Kriminalgeschichten sind bei jungen und älteren Menschen beliebt. Doch wie läuft die Jagd nach Verbrechern in Wirklichkeit ab? In der neuen Ausgabe von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder, geht es um die Arbeit von Kriminalkommissaren, Spurensicherinnen und Super Recognizern. Außerdem im Heft: Handball-Nationalspielerin Alina Grijseels spricht über die anstehende Weltmeisterschaft. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
Dass beim Tüfteln nicht alles auf Anhieb klappt, kennt Lorenz gut. Wenn er Zahnbürstenroboter baut oder kaputte Spielzeugautos reparieren will, geht oft etwas schief. »Man muss einfach so lange probieren, bis es funktioniert. Aus Fehlern lernt man«, sagt Lorenz. Jetzt konzentriert er sich erneut auf die »Minecraft«-Umgebung und lässt die Spielfigur ein drittes Mal vorwärtsgehen. Zack, erscheint auf dem Bildschirm eine Meldung: »Glückwunsch, du hast soeben fünf Zeilen Code geschrieben!« Denn: Coden bedeutet, einem Gerät Befehle zu geben, die es versteht. Bei richtigen Programmiersprachen bestehen solche Codes zwar oft aus scheinbar endlosen Kombinationen aus Nullen und Einsen. Doch das logische Prinzip dahinter ist dasselbe. So lassen sich Apps, Internetseiten und selbstfahrende Autos programmieren – oder eben Roboter und Videospiele.
An dieser Station lernt Lorenz Programmieren. Mithilfe von sogenannten Codes erteilt er dem Computer Befehle.
Foto: Bettina Theuerkauf / DEIN SPIEGEL»Es wäre cool, eines Tages mein eigenes Spiel zu programmieren«, sagt Lorenz. »Darin würde ich alle Elemente aus meinen Lieblingsspielen kombinieren: Autorennen fahren, auf Schnitzeljagd gehen und eigene Welten bauen.« Vielleicht ja auch eine Polarwelt, in der man Pinguine streicheln kann.
Ihr wollt auch Programmieren lernen, wisst aber nicht, welche Angebote es in eurer Nähe gibt? Die »Code Week« hat verschiedene »Regio-Hubs« in ganz Deutschland. Auf dieser Website findet ihr Standorte für kostenlose Mitmach-Projekte.
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