Nachwuchs-Buchblogger Til: »Ich bin Bookstagramer« - DER SPIEGEL
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Junger Buchblogger »Ich bin Bookstagramer«

Til liebt Bücher und schreibt darüber auf Instagram. Der 13-Jährige bekommt Post von Verlagen und hat sogar seine Lieblingsautorin getroffen.
Protokoll: Christine Frischke • • aus DEIN SPIEGEL 1/2024

»Ich habe bestimmt schon mehr als 400 Bücher gelesen. Am liebsten mag ich Fantasy-Geschichten oder Bücher mit historischem Hintergrund. Die ›Woodwalkers‹-Reihe von Katja Brandis gehört zu meinen Lieblingsbüchern genauso wie die Graphic Novel ›Bloody Mary‹ über das Leben der englischen Königin Mary Tudor. Ich lese in jeder freien Minute, morgens, nachmittags und abends. In der Schule haben wir eine Lesestunde, das ist für mich die beste Unterrichtsstunde der Woche.

Besonders viel lese ich, seit ich darüber auf Instagram schreibe. Pro Woche schaffe ich zwei bis vier neue Bücher. Mein Benutzername ist ›til_reads_‹, also ›Til liest‹. In meinen Posts erzähle ich, worum es in dem Buch geht und wie es mir gefallen hat. Für den Inhalt vergebe ich bis zu fünf Sterne. Ein Fünf-Sterne-Buch muss spannend sein, es sollte von Freundschaft handeln, und die Geschichte darf sich nicht ständig wiederholen. Vor allem darf es keine Vorurteile oder Klischees enthalten.

Meine Lehrerin sagt, man soll ein Buch mindestens bis zur 70. Seite lesen und dann aufhören, wenn es einem nicht gefällt. Aber ich lese jedes Buch zu Ende. Manchmal wird es erst in der Mitte oder am Ende richtig gut. Das möchte ich nicht verpassen.

Wenn mir ein Buch nicht gefällt, stelle ich es trotzdem auf Instagram vor. Ich versuche, meine Kritik nett zu formulieren und freundlich zu bleiben. Schließlich handelt es sich um meine persönliche Meinung.

Zum Lese-Fan bin ich zu Beginn der Corona-Pandemie geworden. Ich saß die ganze Zeit zu Hause, Schule fand nur am Bildschirm statt. Angefangen habe ich mit ›Harry Potter‹. Schnell war ich mit allen Bänden durch und habe dann noch einige Hintergrundbücher gelesen. Auf Instagram bin ich auf ›lesehexemimi‹ gestoßen, eine bekannte Buchbloggerin. Ich fand die Idee toll, auf Instagram über Bücher zu schreiben und so andere Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Vor allem Jungs in meinem Alter lesen oft nicht gern. Das möchte ich ändern.

Dein SPIEGEL: Was essen wir morgen?
Foto: Dein SPIEGEL

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Voriges Jahr im April habe ich meinen ersten Beitrag gepostet, über das Buch ›Not All Heroes Wear Capes‹ von Ben Brooks. Meine Mama hat mir geholfen, den Account einzurichten. Sie liest meine Beiträge vorab und korrigiert Fehler. Für eine Buchbesprechung brauche ich etwa eine halbe Stunde.

Die Fotos machen wir am Wochenende. Ich unternehme viele Ausflüge mit meiner Familie. Man sieht mich beim Lesen im Schlossmuseum in Eutin, am Strand an der Ostsee oder im Wald zwischen Bäumen. Wenn möglich, achte ich darauf, dass der Fotohintergrund zum Buchcover passt. Bei einer Geschichte über eine Pop-Band sitze ich zum Beispiel vor einem Klavier. Für ein Buch, in dem es um Schafe geht, habe ich mich zwischen Schafe gesetzt.

In anderthalb Jahren habe ich so über 1500 Follower gewonnen. Sie lesen, was ich über die Bücher schreibe, und kommentieren meine Beiträge. Bisher habe ich nur positives Feedback bekommen. Auch Verlage sind auf mich aufmerksam geworden. Sie fragen über Instagram an, ob ich eines ihrer Bücher besprechen möchte. Als das erste Buchpaket bei mir zu Hause ankam, war ich richtig auf­geregt. Ich leihe mir aber auch Bücher aus oder schaue mir die Neuerscheinungen in der Buchhandlung in meiner Heimatstadt an. Momentan stapeln sich bei mir zu Hause etwa 20 Bücher, die ich noch lesen möchte.

Über die Community ›Young Bookstagram‹ bin ich mit anderen jungen Buchbloggern vernetzt. Vor etwa ei­nem Jahr haben wir zusammen den Oetinger-Verlag in Hamburg besucht und uns die verschiedenen Abteilungen angeschaut. Am spannendsten fand ich die Gestaltung der Cover und das Lektorat, wo neue Buchmanuskripte geprüft werden. Lektor ist mein Traumberuf.

Bei Oetinger habe ich auch eine meiner Lieblings-Autorinnen getroffen, Kirsten Boie. Sie ist total nett und schreibt mir Kommentare auf Instagram, wenn ich eines ihrer Bücher vorstelle. Irgendwann möchte ich auch mal ein Buch schreiben. Ein paar Kurzgeschichten habe ich schon verfasst.

In unserer Schulbibliothek gibt es eine Abteilung für Jungen und eine für Mädchen. Manchmal haben Buchhandlungen auch so eine Trennung. Das finde ich doof. Jungs sollten sich nicht rechtfertigen müssen, wenn sie ein Pferdebuch lesen. Mädchen dürfen auch Fußballgeschichten mögen. Bücher sind für alle da.«

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Dieses Protokoll erschien in »Dein SPIEGEL« 1/2024.

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