Padel-Tennis: Profi erklärt den Trendsport - DER SPIEGEL
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Trendsport Padel Wie Tennis, nur anders

Ein Netz, zwei Spielhälften, vier Wände – Padel-Tennis zählt zu den weltweit am schnellsten wachsenden Sportarten. Auch in Deutschland wird sie immer beliebter. Profi Johannes Lindmeyer erklärt, woran das liegt.
Von Pelle Kohrs • • aus DEIN SPIEGEL 11/2024

Als Erstes fällt die blaue Farbe auf. Schon von Weitem ist zu sehen, wie sie durch dichte Büsche und grüne Baumkronen schimmert. Das macht den Padel-Platz zu einem guten Treffpunkt. Johannes steht bereits vor der knallblauen Anlage und wartet. In seiner rechten Hand hält er einen Schläger, in der linken einen gelben Tennisball. »Kann es losgehen?«, fragt er und grinst.

Johannes ist Profi im Padel-Tennis. Das ist eine Sportart, die zum Teil wie normales Tennis funktioniert und gleichzeitig ganz anders ist. Der wohl wichtigste Unterschied: Beim Padel gibt es kein Seitenaus. Stattdessen ist das gesamte Spielfeld von bis zu vier Meter hohen Wänden umgeben, die aus Gitter-Elementen und Glasscheiben bestehen. Wenn der Ball im Feld aufsetzt und anschließend an eine Wand prallt, darf er danach direkt weitergespielt werden. Das führt zu besonders langen Ballwechseln. »Und zu jeder Menge Action«, sagt Johannes.

Beim Spielen wird sofort klar, was der Profi damit meint: Es bleibt kaum ein Moment zum Nachdenken, wenn der Ball hinter einem an die Rückwand springt. In welchem Winkel wird er wohl abprallen? Wo sollte man stehen, um ihn gut treffen zu können? Und wann schlägt man den Ball lieber volley zurück?

Viele Fragen, wenig Zeit – Padel ist ein schneller Sport. Aber trotzdem einfach zu lernen. Das geht schon mit dem Aufschlag los: Man spielt ihn nicht wie beim Tennis über dem Kopf, sondern von unten nach oben. Generell ist nur wenig Kraft nötig, um den Ball übers Netz zu befördern. Und nach ein paar Minuten Eingewöhnung klappt auch das Zusammenspiel mit den Wänden gut.

»Padel gilt als sehr einsteigerfreundlich«, sagt Johannes. Der Sport eignet sich für Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene. »Und auch für alle, die noch nie Tennis oder Ähn­liches gespielt haben.«

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Schwieriger ist es, im Padel richtig gut zu werden. Gegen Johannes hat man als Anfänger nur eine Chance, wenn der 31-Jährige das zulässt. Bittet man den Profi hingegen, Profi-Dinge zu machen, fliegen einem die Bälle um die Ohren: scharf, blitzschnell und unerreichbar.

»Ich habe schon als kleines Kind mit dem Tennisspielen angefangen«, erzählt Johannes während einer kurzen Trinkpause. »Als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal Padel ausprobiert habe, war ich sofort begeistert.« Von da an trainierte er regelmäßig, nahm an Turnieren teil und spielte sich bis an die Spitze der nationalen Rangliste.

Fünf Anfänger-Tipps vom Profi

1. Greife den Schläger fest. »Lockere Schläge aus dem Handgelenk sind beim Padel selten. Besser ist es, den Schläger immer fest im Griff zu haben. Halte ihn dafür so, als würdest du mit seiner Kante einen Nagel in die Wand schlagen wollen.«

2. Halte den Ball im Spiel. »Gehe am Anfang keine großen Risiken ein. Versuche also nicht, den Ball ständig scharf übers Netz oder eng vor die Wände des Gegners zu spielen, sondern halte ihn erst mal in der Mitte des Felds.«

3. Nutze die Wände. »Padel ist schnell und anstrengend. Du kannst das Spiel entschleunigen, indem du den Ball an die Wand prallen lässt. Die Faustregel: Lasse den Ball immer dann an dir vorbei, wenn er hinter deiner Aufschlaglinie aufkommt.«

4. Achte auf dein Stellungsspiel. »Während eines Ballwechsels sollte dein Ziel sein, dich direkt vor dem Netz zu positionieren. Von dort aus kannst du die Bälle direkt aus der Luft und über Kopf zurückspielen – und den Gegner dadurch unter Druck setzen.«

5. Führe den »Lob« aus. »So nennt sich der Schlag, bei dem man den Ball im hohen Bogen über den Gegner hinwegspielt. Ähnlich wie ein Lupfer beim Fußball. Das zwingt den Gegner, sich vom Netz in den hinteren Spielfeldbereich zurückzuziehen.«

Im Profi-Bereich wird Padel-Tennis immer im Doppel gespielt, also zwei gegen zwei. Johannes’ Spielpartner heißt Matthias Wunner, ist 31 Jahre alt und kommt aus Wuppertal. In den letzten drei Jahren sind die beiden mit ihrem Verein, dem TC Weiden, dreimal Deutscher Meister geworden. Außerdem bestreitet das Duo Länderspiele für die Nationalmannschaft und ist schon bei Europameisterschaften sowie einer Weltmeisterschaft angetreten.

Besonders viel Geld verdienen Johannes und Matthias mit Padel allerdings nicht. Dafür ist die Sportart in Deutschland noch zu klein. »Wir haben einige Sponsoren, aber es ist noch nicht so, dass wir allein vom Spielen leben können«, erklärt Johannes.

Zwei Profis im Einsatz: Johannes und sein Spielpartner Matthias während eines Trainingsspiels.

Zwei Profis im Einsatz: Johannes und sein Spielpartner Matthias während eines Trainingsspiels.

Foto: David Klammer / Dein SPIEGEL

Viel Aufwand haben die Profis trotzdem. Vier- bis fünfmal pro Woche trainieren sie bei ihrem Verein in Köln. Am Wochenende reisen sie für Bundesliga-Partien quer durchs Land und zu größeren Turnieren auch mal bis nach Spanien, Belgien oder in die Niederlande.

»Das geht nur, weil wir Jobs haben, die mit unserem Sport vereinbar sind«, sagt Johannes. Er arbeitet für ein Unternehmen, das in Deutschland Padel-Plätze baut, die es in Hallen wie auch draußen gibt. Mittlerweile sind hierzulande mehr als 500 Spielfelder errichtet worden, vor fünf Jahren waren es gerade einmal 50. »Es ist toll mitzuerleben, wie der Sport immer beliebter wird.«

Doch warum sind die meisten Plätze eigentlich blau? »Gute Frage«, sagt Johannes und lacht. »Das hat sich irgendwie so durchgesetzt.« Rote, grüne und schwarze Plätze gebe es aber ebenfalls. »Hauptsache, der Ball ist gut zu erkennen.«

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