Kinder-Interview mit einem Reiseblogger »Influencer sein ist ein Vollzeitjob«
Dein SPIEGEL: Du reist seit Jahren durch die ganze Welt. Hast du mitgezählt, in wie vielen Ländern du warst?
Haase: Ich glaube, mittlerweile sind es 68. Ich hatte früher das Ziel, jedes Land auf der Welt zu bereisen. Das wären etwa 200 Länder. Von dem Plan bin ich aber weg, weil ich meine Reisen mehr genießen möchte.
Dein SPIEGEL: Wo hat es dir am besten gefallen?
Haase: Schwierig. Ich habe Australien sehr gemocht. Vor allem wegen der vielfältigen Natur.
Dein SPIEGEL: Hattest du in Australien keine Angst vor gefährlichen Tieren?
Haase: Manchmal schon. Ich habe einmal in einer Unterkunft übernachtet, an deren Haustür das Netz einer Trichternetzspinne hing. Das ist eine der giftigsten Spinnen der Welt. In dem Moment hatte ich natürlich Angst. Ansonsten habe ich mich aber recht sicher gefühlt.
Dein SPIEGEL: War das die schlimmste Erfahrung, die du beim Reisen gemacht hast?
Haase: Nein. Die schlimmste Erfahrung war meine Reise nach Indien.
Dein SPIEGEL: Warum?
Haase: Ich habe in dem Land leider nicht so gute Erfahrungen gemacht. Ich bin zum Beispiel mit einem Zug in die Stadt Delhi gereist, und in meinem Abteil war alles voller Kakerlaken.
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Dein SPIEGEL: Kannst du sagen, wo die Menschen am freundlichsten sind?
Haase: Definitiv in Ländern wie Thailand oder Indonesien. Die Menschen dort sind sehr hilfsbereit. Ich habe in Thailand einmal einen Mann nach dem Weg gefragt, weil ich mich verlaufen hatte, und er hat mich durch die halbe Stadt begleitet, damit ich sicher ankomme. So was würde in Deutschland nicht passieren.
Dein SPIEGEL: Wie finanzierst du deine Reisen?
Haase: Ich arbeite unter anderem mit Reiseveranstaltern und Tourismusverbänden zusammen. Sie beauftragen mich, eine Reise durch ein Land oder eine Region zu machen und meine Erlebnisse auf meinem Instagram-Account zu teilen. Außerdem bewerbe ich verschiedene Produkte auf meinem Account.
Dein SPIEGEL: Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Haase: Meistens werde ich gebeten, bestimmte Aktivitäten zu unternehmen. Oft sind das Wanderungen, Städtetrips oder Ähnliches. Ein sehr toller Auftrag war die Übernachtung in einem Dorf der Massai, das sind die Ureinwohner Kenias. Dort habe ich viel über ihre Lebensweise gelernt. Etwa wie sie ihr Wasser aus Vulkangestein gewinnen. Das war unglaublich spannend.
Dein SPIEGEL: Viele Leute denken, dass Influencer wenig arbeiten und trotzdem viel Geld verdienen. Was sagst du dazu?
Haase: Influencer zu sein ist ein Vollzeitjob. Das sollte man nicht unterschätzen. Ich arbeite manchmal von sechs Uhr morgens bis spät in der Nacht. Neben den Aktivitäten, die ich unternehme, muss ich auch Bilder und Videos bearbeiten, E-Mails beantworten, mit meinen Followern schreiben und meine Reisen planen.
Abenteuer gehören zum Job: Bei einer Safari durch Kenia verbrachte Max die Nacht in einem Dorf der Ureinwohner des Landes und lernte ihre Kultur kennen
Foto: Max HaaseDein SPIEGEL: Wer viel mit dem Flugzeug unterwegs ist, steht wegen der Klimakrise oft in der Kritik. Zu Recht?
Haase: Jeder sollte seinen eigenen Weg finden, um etwas für die Umwelt zu tun. Ich versuche beispielsweise, Flüge innerhalb eines Landes zu vermeiden.
Dein SPIEGEL: Als Influencer bist du für viele ein Vorbild. Denkst du manchmal darüber nach, dass du deinen Einfluss für den Umweltschutz nutzen könntest?
Haase: Klar. Teilweise probiere ich es schon. Ich reise zum Beispiel oft mit einem Campingbus oder einem Segelboot und bemühe mich, Strom zu sparen oder ihn mit Solarenergie selbst zu erzeugen. Solche Erfahrungen teile ich auf meinem Account und versuche so, über nachhaltigere Reisemöglichkeiten aufzuklären.
Dein SPIEGEL: Wie wurdest du Reise-Influencer?
Haase: Das war reiner Zufall. Während meines Studiums bin ich nach Australien gereist und habe meine Erlebnisse für meine Familie auf Instagram geteilt. Plötzlich folgten mir immer mehr Menschen. Und weil ich beim Reisen so viel Spaß hatte, habe ich weitergemacht. Irgendwann bekam ich die ersten Kooperationsangebote. Mittlerweile habe ich das Glück, dass ich davon leben kann.
Dein SPIEGEL: Was sagt deine Familie zu deinem Beruf?
Haase: Am Anfang konnte sie sich nichts darunter vorstellen. Gerade meine Oma wusste überhaupt nicht, was ich mache. Seit ich ihr einen eigenen Instagram-Account eingerichtet habe, ist sie aber mein größter Fan.
Dein SPIEGEL: Wo fühlst du dich zu Hause?
Haase: Ich habe noch keinen Ort gefunden, an dem ich mich zu Hause fühle. Irgendwann möchte ich aber gern einen festen Wohnsitz haben. Am liebsten am Meer.
Dieses Interview erschien im »Dein SPIEGEL«-Sommerheft 2024.
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