Servicetechniker für Windenergieanlagen: Bei diesem Job geht's hoch hinauf - DER SPIEGEL
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Beruf im Check Bei diesem Job geht’s hoch hinauf

Marco Ruhs ist Servicetechniker für Windenergieanlagen. Er sorgt dafür, dass Windräder sich weiterdrehen und so Energie erzeugen können.
Von Friederike Bieber • • aus DEIN SPIEGEL 2/2024

Der Wind bläst kräftig, als Marco Ruhs und sein Kollege am Fuß eines Windrads ankommen, das zu einem kleinen Windpark im südlichen Brandenburg gehört. Ruhs schaut nach oben, wo sich in 166 Meter Höhe drei gigantische Rotorblätter drehen. »Da müssen wir rauf«, sagt er.

Windenergieanlagen gehören in vielen Teilen Deutschlands zum Landschaftsbild. Sie sorgen dafür, dass auf eine klimafreundliche Art Strom gewonnen wird. Denn Wind gibt es fast immer und an vielen Orten, und bei der Umwandlung von Wind in Energie werden keine Abgase in die Luft gepustet.

Marco Ruhs und sein Kollege Tony Püschel gehören zu den Tausenden Servicetechnikern, die dafür sorgen, dass diese riesigen Energiehersteller reibungslos funktionieren. Die Techniker tauschen defekte Batterien aus, versor­gen Getriebe und Lager mit Schmierstoffen, ziehen Schrauben fest und überwachen die komplizierte Elektronik.

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Mein Beruf: Servicetechniker

Foto: Verena Brüning / Dein SPIEGEL

»Einmal im Jahr steht bei jeder Windenergieanlage eine Wartung an«, sagt Ruhs. »Die dauert etwa eine Woche. Aber auch bei Störungen, zum Beispiel einem plötzlichen Stillstand, müssen wir rausfahren, um die Proble­me zu finden und zu lösen.«

Heute muss Marco Ruhs kleine Wartungsarbeiten erledigen. Mit seinem Kollegen betritt er den Turm des Windrads. Der Turm ist unten so breit, dass ein schmaler Fahrstuhl, eine lange Metallleiter und eine elektronische Anlage Platz haben. Als Erstes schaltet Ruhs die Anlage ab. Die Rotorblätter verlangsamen sich, bis sie sich nur noch wie in Zeitlupe mit dem Wind bewegen.

Ruhs und Püschel besprechen ihren Arbeitsplan, dann holen sie das benötigte Werkzeug aus dem Auto und verstauen es in einer großen Tasche. Weil die Tasche nicht mit in den Fahrstuhl passt, wird sie später mit einem langen Drahtseil außen am Windrad hochgezogen – das nennt sich »kranen«.

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Foto: Dein SPIEGEL

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Doch zunächst geht es für Ruhs nach oben. Mit Sicherheitsschuhen, Handschuhen, Helm und einem Sicherheitsgurt betritt er den schmalen Fahrstuhl, der ihn in das Maschinenhaus bringen wird. Das ist der Raum, der sich direkt hinter den Rotorblättern befindet. Hier, in der sogenannten Gondel, befinden sich die Elektronik und die Mechanik, die den Wind zu Strom machen.

Weil die Servicetechniker in großer Höhe arbeiten, ist Sicherheit in diesem Job das Wichtigste. Ruhs sichert sich an der Decke des Fahrstuhls mit einem riesigen Karabinerhaken. Dann zuckelt er langsam nach oben, neun Minuten dauert die Fahrt auf 166 Meter. Sollte der Fahrstuhl ausfallen, müsste Ruhs die Strecke auf der Leiter zurücklegen – auch auf diesem Weg wäre er per Seil gesichert. »Wir Servicetechniker sind in jedem Moment sehr gut geschützt, deshalb macht mir die Höhe auch keine Angst«, sagt Ruhs. Kompliziert würde es nur, wenn man einen Techniker von oben bergen müsste, etwa weil er ohnmächtig geworden wäre. »Jemanden da wieder runterzubekommen, das ist eine richtige Herausforderung. Deshalb trainieren wir es regelmäßig.«

Berufsinfo

Was ist das Schönste an dem Beruf?

»Es ist eine vielseitige Arbeit. Wenn man will, kommt man viel in der Welt rum. Und meistens hat man eine schöne Aussicht.«

Und was ist das Schlimmste?

»Schlimm wäre ein Unfall auf einer Windenergieanlage, aber das ist mir zum Glück in neun Jahren im Beruf noch nie passiert.«

Wie viele Servicetechniker für Windenergieanlagen gibt es in Deutschland?

In Deutschland arbeiten fast 20.000 Menschen im Bereich »Betrieb und Wartung« für Windenergieanlagen.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Eine Ausbildung zum Mechatroniker dauert in der Regel 3,5 Jahre, kann aber verkürzt werden. Um anschließend an einer Windenergieanlage arbeiten zu dürfen, muss man zusätzlich einen Höhentauglichkeitstest machen.

Wie viel verdient man?

Das ist je nach Firma, Qualifikation und Erfahrung sehr unterschiedlich. Durchschnittlich verdienen Mechatroniker in Deutschland nach der Ausbildung zwischen 2500 und 3000 Euro brutto.

Was muss man können?

Man sollte sich für Technik interessieren, sich mit Elektronik auskennen und natürlich kein Problem mit der Höhe haben.

Für wen ist das eher nichts?

  • Für Leute, die nicht gut mit engen Räumen und Schmutz klarkommen

  • Für alle, die jeden Tag den gleichen Arbeitsablauf brauchen

  • Für Menschen, denen schon auf dem Balkon schwindelig wird

Oben angekommen, erklimmt Marco Ruhs die letzten Meter auf einer Leiter, öffnet eine Klappe und steht in der Gondel. Sie hat die Größe eines geräumigen Wohnzimmers, und weil hier Energie erzeugt wird, ist es hier richtig warm: Während es draußen gerade einmal 4 Grad sind, sind es hier 27. In der Mitte der Gondel ragt die riesige Turbine in den Raum. Zwei Klappen in der Decke führen aufs Dach, eine Luke öffnet sich nach unten und gibt den Blick in 166 Meter Tiefe frei. Hier lässt Ruhs nun ein Seil hinun­ter, an dem sein Kollege unten die riesige Werkzeugtasche befestigt. Während sie nach oben gekrant wird, schwankt sie im Wind hin und her.

Als die Werkzeugtasche und etwas später auch Kollege Tony Püschel oben angekommen sind, geht es an die Arbeit. Ruhs stellt die Rotorblätter fest, die nun ein V in der Luft bilden. Dann klettert er von hinten zwischen zwei Blättern hindurch an die Nabe, die sich vorn am Windrad befindet. Dort muss er heute eine Batterie befestigen.

Ruhs arbeitet seit neun Jahren als Servicetechniker für Windenergie­anlagen, zuvor war er Elektriker. Eini­ge seiner Kollegen sind ausgebildete Mechaniker. Heute bildet die Firma selbst Mechatroniker aus, diese Ausbildung verbindet beide Berufe. »Neue Kollegen und Auszubildende sind stets willkommen«, sagt Ruhs. Denn Windenergie wird immer beliebter, es gibt mehr Windräder, und deshalb braucht man auch mehr Leute, die sich um sie kümmern können.

Ruhs verklebt noch einen Kara­binerhaken mit einem Sicherungskleber und überprüft ein paar Dinge, dann geht es an den Abstieg. Klappen zu, Treppe runter, und wieder neun Minuten im Fahrstuhl. Unten angekommen, schaltet Ruhs die Windenergieanlage wieder an. Zusammen mit den fast 30.000 anderen in Deutschland produziert sie nun wieder Strom. »Es ist toll, Teil dieser Branche zu sein«, sagt Ruhs. »Überall entstehen neue Anlagen, die Technik entwickelt sich rasant. Und ich kann meinen Teil dazu beitragen.«

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 02/2024.

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