Bayer 04 Leverkusen: So arbeiten die Greenkeeper vom Bundesliga-Team - DER SPIEGEL
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Greenkeeper bei der Arbeit Grüner wird’s nicht

Georg Schmitz kümmert sich bei Bayer Leverkusen um den Rasen. Das klingt einfach, ist aber eine Wissenschaft für sich. Welche Hightech-Geräte zum Einsatz kommen, damit in der Bundesliga der Ball rollen kann.
Von Marco Wedig • • aus DEIN SPIEGEL 9/2023

Keine Fangesänge, keine Schiedsrichterpfiffe. Stattdessen: das Knattern eines Sprühfahrzeugs, das Flüssigdünger auf dem Feld verteilt. So klingt die Sommerpause in der BayArena, dem Stadion des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen. In diesen Tagen hat Georg Schmitz hier das Sagen. Am Spielfeldrand hat er ein Schild aufgestellt: »Achtung! Betreten des Rasens ist zum Schutz der jungen Einsaat strengstens verboten!!«

Es ist Mitte Juli. Vor gut vier Wochen haben Georg und sein Team das Grün komplett abgefräst, den Boden gelockert und neuen Rasen eingepflanzt. Die jungen Pflanzen sind anfällig für Krankheiten. »Guck mal hier«, sagt Georg und zeigt auf eine kahle Stelle im Rasen, die mit einem gelben Plastikfähnchen markiert ist. »Da war mal ein Pilz, der die Pflanzen angegriffen hat.« Damit keine weiteren Infektionen eingeschleppt werden, bittet Georg darum, vor Betreten des Rasens die Schuhe zu desinfizieren.

Seit 26 Jahren macht Georg diesen Job. Und – das ist ihm ganz wichtig – er macht ihn nicht allein. Zusammen mit 13 Kollegen bearbeitet er 70.000 Quadratmeter Rasenfläche, also sechs Spielfelder.

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Max Brunnert / Dein SPIEGEL

Georg nimmt jetzt einen Clegg-Hammer zur Hand. Er zieht das eingebaute Gewicht hoch und lässt es auf den Rasen fallen. Das Gerät misst, wie hart der Platz ist. »Der Sportler muss bei schnellen Richtungswechseln auf dem Standbein drehen können. Wenn die Oberfläche zu hart ist, rutscht er weg«, sagt Georg. Wenn man ihn so reden hört, verwundert es nicht, dass sein Platz regelmäßig unter die besten Deutschlands gewählt wird. Während die Fußballer von Bayer Leverkusen noch nie eine deutsche Meisterschaft gewonnen haben, holen Georg und sein Team regelmäßig Titel. Erst kürzlich wurden sie von der Deutschen Fußball Liga wieder mit dem »Pitch of the Year«-Award in der Saison 2022/23 ausgezeichnet.

Weitere Ehrungen hängen in seinem Büro. Daneben: ein Bild vom alten Ulrich-Haberland-Stadion. »Das war 1958, in dem Jahr wurde das Stadion mit einem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf eingeweiht.« Georg zeigt auf ein Haus neben dem Stadion. »Da hat mein Opa gewohnt. Er und mein Vater haben früher auch hier gearbeitet – als Platzwart. So nannte man das damals. Schon als Kind bin ich auf dem Rasenmäher-Anhänger mitgefahren.«

Seitdem hat sich viel getan. »Früher hast du alle drei Wochen so stark gedüngt, dass der Rasen wahnsinnig wuchs. Die Hauptaufgabe war dann das Mähen. Heute ist das ein Nebenaspekt. Die Ansprüche sind höher geworden. Dieser professionelle und schnelle Fußball, bei dem der Ball auf dem Halm gleiten und der Pass genau ankommen muss, braucht auch einen Hochleistungsrasen.«

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In Leverkusen verwenden sie seit einigen Jahren einen sogenannten ­Hybridrasen. Neben den natürlichen Gräsern sind alle zwei Zentimeter Kunststofffasern eingenäht. Der Vorteil: Es kommt zu weniger Trittschäden als bei Naturrasen, wie er bis zur letzten Saison zum Beispiel in der Münchner Allianz Arena verwendet wurde. Dort flogen bei intensiven Spielen schon mal größere Stücke aus dem Rasen. Die Bayern haben deswegen kürzlich ihren Greenkeeper gewechselt. Im ­Hybridrasen staut sich das Wasser auch nicht so stark wie im Naturrasen.

Apropos Wasser – davon braucht die Einsaat gerade sehr viel. Georg betont, dass sie hier kein Trinkwasser verwenden, sondern es aus einer eigenen Brunnenanlage pumpen. Das Regenwasser, das sich auf dem Stadiondach sammelt, wird wiederum zum Versickern in den Boden geleitet. »So haben wir hier quasi unseren eigenen kleinen Wasserkreislauf.«

Mehrfach täglich messen Georg und seine Leute mit Bodensensoren die Feuchtigkeit im Rasen. Gewässert wird nur dort, wo es nötig ist. Auch die Heizung, die unter dem Rasen liegt, springt im Winter nur bei Bedarf an. Wenn sie aufgrund der Daten vom Deutschen Wetterdienst merkt, dass es in den nächsten Tagen kühler wird, erhöht sie die Temperatur um zwei Grad, um den Boden frostfrei zu halten. Eigentlich sei so eine Rasenheizung tödlich, sagt Georg. »Die Bodenwärme kann der Rasen gar nicht vertragen, man geht da gegen den Rhythmus der Natur.« Aber Fußballfans wollen nun mal auch im Winter Spiele sehen. Dafür fahren die Greenkeeper ab Oktober regelmäßig mit tonnenschweren Lampen aufs Feld, um das abnehmende Tageslicht mit künstlicher Beleuchtung auszugleichen.

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Jetzt im Sommer liegen die Probleme woanders. Auch Greenkeeper merken die Klimakrise. »Dicke Schauer, die auf 40 Grad Hitze folgen – ideale Bedingungen für Pilzwachstum.« Georg bittet deswegen seinen Kollegen Dan, den Platz im Ulrich-Haberland-Sta­dion mit einem UVC-Gerät zu ­behandeln. Das hemmt das Pilzwachstum. Dann ist er auch schon wieder am Telefon, weil auf einem Trainingsplatz Wasser benötigt wird. Ein anderer Kollege kümmert sich.

Letztens sei er beim Lokalrivalen 1. FC Köln gewesen, erzählt Georg. Dort habe ihn der Kölner Trainer Steffen Baumgart auf die Platzverhältnisse in Leverkusen angesprochen: »Boah, geiler Rasen – wie machst du das?«, habe er gefragt. Da­rauf antwortete Georg nur: »Wir haben ein großes Team.«

BERUFS-INFO

Was ist das Schönste an dem Beruf?

»Ich mag es, im Team und mit der Natur zu arbeiten.«

Und was ist das Schlimmste?

»Der Job ist zeitaufwendig. Wir arbeiten oft am Wochenende. Nach dem Spiel arbeiten wir noch viele Stunden daran, den Platz wieder in Form zu bringen. Das gehört beim Fußball dazu. Dafür gibt es Ausgleichstage unter der Woche.«

Wie viele Greenkeeperinnen und Greenkeeper gibt es in Deutschland?

Laut Greenkeeper-Verband Deutschland arbeiten etwa 3500 auf Golfplätzen. In größeren Fußballstadien gibt es durchschnittlich acht bis zehn Greenkeeper und Platzarbeiter.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Greenkeeper ist kein Ausbildungsberuf. Es empfiehlt sich eine Ausbildung in einem sogenannten grünen Beruf, etwa als Landschaftsgärtner. So hat es Georg gemacht. Daran anschließend kann man eine Fortbildung zum Greenkeeper machen.

Wie viel verdient man?

Als Anfangsgehalt sind etwa 2500 Euro realistisch, je nach Vorkenntnissen.

Was muss man können?

  • Ein Gefühl für Pflanzen und Umwelt haben

  • Die Bedürfnisse der Fußballprofis kennen

  • Kritikfähig sein

Für wen ist das nichts?

  • Für Leute, die sich nicht gern die Hände schmutzig machen

  • Für diejenigen, die geregelte Arbeitszeiten haben möchten

  • Für Menschen, die nicht gern draußen sind

VORURTEILE-CHECK

Greenkeeper lieben den Geruch von frisch gemähtem Gras.

STIMMT: »Dieser Geruch ist dem jeden Rasierwassers vorzuziehen.«

Greenkeeper mögen keine Maulwürfe.

KOMMT DRAUF AN: »In der freien Natur sind sie sehr wichtig. Es müsste mehr Lebensräume für sie geben. Unsere Spielflächen haben wir aber mit einem Schutz gegen sie versehen.«

Als Bayer-04-Greenkeeper darf man nicht FC-Köln-Fan sein.

STIMMT NICHT: »Ich bin zwar ganz klar Leverkusen-Fan. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man diesen Job macht, wenn das Herz woanders schlägt. Aber theoretisch wäre das möglich.«

Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 9/2023.

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