Arbeit einer Hundetrainerin Der Job mit dem Wau-Faktor
Eine Gruppe Hundewelpen läuft über eine Wiese in Hamburg. Die Welpen beschnuppern einander und toben durch das Gras. Eine kleine Pudelhündin läuft vor den anderen weg zu ihrer Halterin. »Ihr ist das Spielen zu wild geworden«, erklärt Antje Thiele. »Aber sie hat gelernt, dass sie bei ihrer Halterin in Sicherheit ist. Das ist gut.«
Antje Thiele, 44, ist Hundetrainerin bei der Hundeschule »Hansehund«. An diesem Tag leitet sie eine Welpengruppe. Zu Beginn können die Halterinnen und Halter Fragen stellen. Sie möchten zum Beispiel wissen, ab wann sie mit den Welpen das Alleine-Bleiben üben sollen. Die Antwort: so früh wie möglich. »Fangt mit kleinen Schritten an. Wenn ihr die Tür schließt, sobald ihr ins Bad geht, lernen die Hunde, dass es normal ist, dass zu Hause mal Türen zu sind.« Während der Fragerunde sind die Welpen angeleint. Auch dabei lernen sie etwas: abzuwarten, bis sie spielen dürfen.
Dein SPIEGEL
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Obwohl ihr Beruf Hundetrainerin heißt, arbeite sie mehr mit den Menschen als mit den Hunden, sagt Antje. Sie erklärt ihnen das Verhalten ihrer Tiere, zum Beispiel wieso ihr Hund andere Hunde ankläfft. Und sie zeigt Übungen, um ihm dieses Verhalten abzutrainieren.
»Es ist so, als würde ich zwischen Hund und Halter übersetzen«, sagt die 44-Jährige. »Wenn die Besitzer nicht verstehen, was ich meine, funktioniert auch das Training nicht gut.« Deswegen ist es für ihre Arbeit entscheidend, dass Antje verständlich erklären kann.
Als Nächstes üben die Welpen, zu ihren Halterinnen und Haltern zu kommen, wenn sie gerufen werden. Bolle, ein Border-Collie, ist als Erster dran. Antje nimmt Bolle zu sich, während seine Halterin aus einiger Entfernung seinen Namen ruft. Bolle rennt los … und biegt in eine andere Richtung ab. »Das ist normal, hier gibt es viel Ablenkung«, sagt Antje. Der zweite Versuch klappt. Zur Belohnung bekommt Bolle ein Leckerli. Den anderen Welpen fällt es leichter, direkt zu ihren Menschen zu laufen.
Beim Spielen lernen Welpen, wie sie miteinander umgehen. Zum Beispiel, dass sie andere Hunde in Ruhe lassen, wenn diese keine Lust mehr haben zu toben.
Foto: Ulrike Schacht / Dein SPIEGELNeben der Welpengruppe leitet Antje noch eine Gruppe für Junghunde. Außerdem einen Trick-Kurs, bei dem die Hunde lernen, Slalom zu laufen und Männchen zu machen, und sie gibt Einzelstunden. Aber sie arbeitet nicht nur mit Hunden und Menschen. Antje leitet die Hundeschule gemeinsam mit einer Kollegin, sie muss also vieles organisieren: E-Mails beantworten, die Gruppentreffen planen, Rechnungen schreiben. Ein Büro hat sie dafür nicht, sie erledigt diese Dinge von zu Hause aus oder im Auto. Mit dem Auto fährt sie von Park zu Park, um dort ihre Kurse zu geben. Manchmal macht sie auch Hausbesuche. »Mir gefällt es, dass ich viel unterwegs bin. Wir arbeiten bei jedem Wetter, es sei denn, es stürmt«, sagt Antje.
Im Rucksack hat Antje Wasser, Leckerlis und, falls nötig, Regenklamotten
Foto: Ulrike Schacht / Dein SPIEGELZwei Tage nach dem Treffen der Welpengruppe steht Antje im Hamburger Stadtpark. Es regnet in Strömen. Hier ist sie mit Anna und Tobias verabredet. Sie haben eine Einzelstunde für ihre Mischlingshündin Milka gebucht. »Milka orientiert sich nicht gut an ihren Menschen, und im Park ist ihr die Suche nach etwas Fressbarem wichtiger, dann geht sie einfach los«, sagt Antje. Und sie weiß, woran das liegt: »Anna und Tobias erlauben Milka zu viel und verwöhnen sie sehr. Milka findet das toll, aber so richtig ernst nimmt sie ihre Menschen deswegen nicht.«
Im Regen und bei Kälte draußen zu sein gehört zu Antjes Job – genauso wie Termine am Wochenende
Foto: Anna Tarrin / Dein SPIEGELDie Hündin soll lernen, dass Anna und Tobias die Regeln vorgeben, und nicht umgekehrt. Antje zeigt Tobias und Anna eine Übung, mit deren Hilfe Milka lernen soll, sich an den Menschen zu orientieren: Die beiden gehen ein Stück mit Milka und wechseln dann die Richtung. Milka soll ihnen bei den Richtungswechseln folgen. Die Übung klappt: Die Hündin konzentriert sich auf Anna und Tobias.
Beim Einzeltraining arbeiten Anna und Tobias mit ihrer Hündin Milka daran, dass sie beim Spaziergang besser auf die beiden achtet. Macht Milka etwas richtig, wird sie mit einem Leckerli belohnt.
Foto: Anna Tarrin / Dein SPIEGELInzwischen ist der Regen noch stärker geworden. Antje muss die Stunde abbrechen. »Milka ist kalt, dann bringt das Training nichts.« Bis zum nächsten Mal sollen die drei die Richtungswechsel beim Spazierengehen üben. »Das Wichtigste ist, die Sachen aus dem Training zu Hause umzusetzen«, sagt Antje. »Nur dann kann sich etwas verändern.«
BERUFSINFO
Was ist das Schönste an dem Beruf?
»Das Gefühl, ein Teil davon zu sein, wenn sich die Beziehung zwischen Hund und Mensch verbessert.«
Und was ist das Schlimmste?
»Im Winter bei zwei Grad und ohne eine Toilette in der Nähe im Park zu arbeiten.«
Wie viele Hundetrainer gibt es in Deutschland?
Schätzungsweise 6000.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Eine offizielle Ausbildung gibt es nicht, man kann Kurse belegen oder ein Fernstudium machen. Das dauert zwei bis drei Jahre. Wer sich selbstständig machen möchte, muss dafür bei der Landestierärztekammer oder dem Veterinäramt eine Prüfung ablegen.
Wie viel verdient man?
Bei Selbstständigen hängt das Gehalt davon ab, wie viele Kurse sie geben. Als Angestellte verdient man zwischen 2000 und 2800 Euro brutto.
Was muss man können?
Anderen gut zuhören
Sich auf unterschiedliche Menschen und Hunde einstellen
Ein großes Wissen über das Verhalten von Hunden haben und den Umgang mit ihnen beherrschen
Für wen ist das nichts?
Für Leute, die …
… lieber drinnen als draußen sind
… nicht am Wochenende arbeiten möchten
VORURTEILE-CHECK
Hundetrainer arbeiten nur mit aggressiven Hunden.
Stimmt eher nicht: »Manchmal arbeite ich auch mit aggressiven Hunden. Der Großteil meiner Arbeit liegt aber in der Erziehung von Welpen und jungen Hunden.«
Hundetrainer mögen keine Katzen.
Stimmt nicht: »Ich liebe Katzen und bin sogar mit ihnen aufgewachsen.«
Hundetrainer haben mit der Erziehung ihrer eigenen Hunde keine Probleme.
Stimmt teilweise: »Als Hundetrainerin erkennt man Probleme sicher schneller. Aber wir machen natürlich auch Fehler.«
Dieser Artikel erschien in »Dein SPIEGEL« 11/2023.
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