SpaceX-Berater im »Dein SPIEGEL«-Interview: »Wir wollen eine Stadt auf dem Mars bauen« - DER SPIEGEL
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SpaceX-Berater im Kinder-Interview »Wir wollen eine Stadt auf dem Mars bauen«

Hans Königsmann ist einer der erfahrensten SpaceX-Mitarbeiter. Mit den »Dein SPIEGEL«-Kinderreportern sprach er über Internet-Verbindungen aus dem All und die Besiedlung anderer Planeten.
Redaktionelle Begleitung: Marco Wedig •
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dein SPIEGEL: Was macht Ihren Job so interessant?

Königsmann: SpaceX ist die Privatfirma, die weltweit die meisten Raketen ins All schickt. Früher hat man jahrelang an so einem Projekt gearbeitet. Mittlerweile führen wir etwa alle zwei Wochen einen Start durch.

Dein SPIEGEL: Im Mai vorigen Jahres sind erstmals zwei Menschen mit einer »Dragon 2«-Kapsel von SpaceX zur Internationalen Raumstation geflogen. Was war das für ein Gefühl, als die Rakete gestartet ist?

Königsmann: Für mich ist der Start nur der erste Schritt. Ich warte auf den sogenannten Brennschluss der Rakete. Erst wenn die Triebwerke abgestellt sind und sich die Rakete im Weltraum befindet, kommt die Erleichterung. Dann zu sehen, wie die »Dragon 2«-Kapsel zur Raumstation flog, andockte und die Tür aufging – das war schon irre.

Hans Königsmann im Kontrollraum bei der Demo-2-Mission Ende Mai 2020. Der Raumfahrt-Ingenieur war bis vor Kurzem als Vizepräsident verantwortlich für die Flugsicherheit. Ende Januar gab er bekannt, dass er sich zurückziehen wolle. Nun berät er die Weltraumfirma als Senior Advisor.

Hans Königsmann im Kontrollraum bei der Demo-2-Mission Ende Mai 2020. Der Raumfahrt-Ingenieur war bis vor Kurzem als Vizepräsident verantwortlich für die Flugsicherheit. Ende Januar gab er bekannt, dass er sich zurückziehen wolle. Nun berät er die Weltraumfirma als Senior Advisor.

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SpaceX

Die »Dragon«-Kapsel dockt an der ISS an, der Internationalen Raumstation.

Die »Dragon«-Kapsel dockt an der ISS an, der Internationalen Raumstation.

Foto: NASA

Dein SPIEGEL: Wem gehört eigentlich der Weltraum?

Königsmann: Ich glaube, der Weltraum gehört uns allen. Und wir müssen uns da ein bisschen arrangieren, damit wir nicht aufeinanderfahren. Bisher hat das immer sehr gut funktioniert. Aber jetzt, da mehr und mehr Länder in den Weltraum fliegen wollen, müssen wir noch besser aufeinander achten.

Dein SPIEGEL: Kick it like Lina!
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Dein SPIEGEL: Kann eigentlich jeder einfach so eine Rakete in den Weltraum schießen?

Königsmann: Nein, man braucht eine Genehmigung. Hier in den USA gibt es eine Behörde, die den Luftverkehr regelt. Die prüft, dass man die Sicherheit für die Öffentlichkeit nicht gefährdet. Wenn alles stimmt, kriegt man die Lizenz für den Start.

Dein SPIEGEL: Können Sie sich einen klimafreundlicheren Raketenantrieb als die bisher genutzten Triebwerke vorstellen?

Königsmann: Im Prinzip, ja. Wasserstoff könnte zum Beispiel für einen saubereren Antrieb sorgen. Raketen bestehen größtenteils aus Treibstoff. Aber die Abgase aller weltweiten Raketenstarts sind nichts im Vergleich zum Ausstoß aller Autos und Kraftwerke. Ich sehe es auch ein bisschen so: Mein Chef, Elon Musk, arbeitet mit seiner Firma Tesla daran, dass weniger Abgase von Treibstoffen in die Luft gelangen. Insofern denke ich, dass wir unterm Strich etwas Gutes machen.

Dein SPIEGEL: Was genau ist das Starlink-Projekt?

Königsmann: Unser Ziel es ist, für die gesamte Weltbevölkerung Internet per Satellit anzubieten, vorwiegend jedoch in Gegenden, die bislang keinen guten Internet-Service haben. Wir hatten hier in den USA eine Gruppe von Indigenen, die nicht online waren, weil es bei ihnen kein Internet-Kabel gab. Jetzt können sie über unsere Satelliten Zoom oder Skype nutzen. Über 1000 Satelliten haben wir schon oben. Aber es sollen noch mehr werden. Denn bislang funktioniert das Netz noch nicht überall.

Frederik: In letzter Zeit sind kurz hintereinander einige Satelliten über unser Haus geflogen. Hat das mit Ihrem Starlink-Projekt zu tun?

Königsmann: Ja, genau. Starlink kann man für kurze Zeit sehen, wenn die Satelliten ausgesetzt werden. Aber auch nur dann, wenn die Sonne gerade untergegangen ist, es am Boden schon dunkel, aber oben noch hell ist – dann sieht man die Satelliten.

Dein SPIEGEL: Wir haben gelesen, dass Astronominnen und Astronomen von dem Projekt nicht so begeistert sind, weil die Satelliten die Messungen stören. Wie reagieren Sie auf diese Kritik?

Königsmann: Nachdem uns das Feedback erreichte, haben wir den Satelliten eine andere Farbe gegeben und Schutzschilde installiert. So spiegeln die Satelliten das Sonnenlicht nicht mehr.

SpaceX schickt Satelliten los, die für schnelles Internet auf der Erde sorgen sollen.

SpaceX schickt Satelliten los, die für schnelles Internet auf der Erde sorgen sollen.

Foto: Space X

Dein SPIEGEL: Wie lassen sich Zusammenstöße mit anderen Satelliten vermeiden?

Königsmann: Es gibt einen Katalog, in dem alle Satelliten drinstehen. Da schaut man nach und weiß: Für die nächsten 48 Stunden kann nichts passieren. Und wenn sich mal zwei zu nahe kommen, kann man entsprechend reagieren. Alle unsere Satelliten haben Triebwerke, um ausweichen zu können.

Dein SPIEGEL: Und wie wollen Sie verhindern, dass die Starlink-Satelliten nach Ablauf ihrer Lebensdauer zu Weltraumschrott werden?

Königsmann: Mit dem letzten Rest Treibstoff entfernt sich der Satellit aus der Umlaufbahn und verglüht in der Atmosphäre. Starlink-Satelliten fliegen in einer Höhe, in der die restliche Atmosphäre dafür sorgt, dass die Satelliten langsam, aber stetig absinken. So verglüht der Satellit auch im unwahrscheinlichen Fall, dass das Triebwerk ausfällt.

Hier sieht man eine »Starship«-Versuchsrakete im August 2020. Bei diesem Testflug handelte es sich um einen sogenannten Hop, dabei flog die Rakete nur etwa 150 Meter hoch.

Hier sieht man eine »Starship«-Versuchsrakete im August 2020. Bei diesem Testflug handelte es sich um einen sogenannten Hop, dabei flog die Rakete nur etwa 150 Meter hoch.

Foto: Space X

Dein SPIEGEL: Mithilfe Ihrer »Starship«-Rakete wollen Sie zum Mars fliegen. Wie weit sind Sie mit diesem Projekt?

Königsmann: Wir haben mit »Starship« erste Tests in 150 Meter Höhe gemacht, der letzte Flug ging 10 Kilometer hoch. Und dieses Jahr werden wir hoffentlich mit »Starship« in den Weltraum fliegen. Wenn wir das schaffen, ist die größte Hürde schon genommen. Dann wird es um die Frage gehen, wie wir das Raumschiff auftanken können.

Diese Simulation zeigt das »Starship« beim Tankmanöver. Der vordere Teil ist das Raumschiff, der hintere das Tankmodul.

Diese Simulation zeigt das »Starship« beim Tankmanöver. Der vordere Teil ist das Raumschiff, der hintere das Tankmodul.

Foto: SpaceX

Dein SPIEGEL: Im Dezember ist eine »Starship«-Versuchsrakete bei einem Test explodiert. Wie machen Sie nach solchen Rückschlägen weiter?

Königsmann: Na ja, die Tests sind ja dazu da, dass man etwas lernt. Der Flug selbst war auch sehr erfolgreich, die Landung war etwas hart und endete in einem Feuerball. Aber wir haben so viele Daten gesammelt, dass ich das nicht als Rückschlag, sondern als einen erfolgreichen Test sehe.

Dein SPIEGEL: Wie soll Ihrer Idee nach das Leben auf dem Mars gelingen?

Königsmann: »Starship« soll, in meiner Vision, etwa 100 Leute zum Mars fliegen. Dort wird dann die Infrastruktur aufgebaut. Wir brauchen Schutzräume, Luft, Nahrung, Energie, Heizmittel und Treibstoff, um wieder zurückfliegen zu können. Es wird ein Haufen Arbeit sein. Die ersten 100 Leute werden sich wahrscheinlich freuen, wenn die nächsten 100 kommen. Wir wollen eine Stadt auf dem Mars bauen, die sich langfristig erhalten kann.

Dein SPIEGEL: Zum Mars zu fliegen ist ja sehr teuer. Können sich das in der Zukunft nur reiche Menschen leisten?

Königsmann: Am Anfang wird es sicher eine Menge Geld kosten. Aber wir versuchen, die Raumfahrt billiger zu machen, zum Beispiel indem wir unsere Raketen wiederverwenden. Und wenn wir mehr und mehr Flüge anbieten, wird es insgesamt billiger – so wie das Reisen in einem Flugzeug auch mit der Zeit günstiger geworden ist. Wir stehen da aber noch ganz am Anfang.

Dein SPIEGEL: Würden Sie selbst auch zum Mars fliegen?

Königsmann: Ich habe mal gesagt, dass ich dafür eigentlich schon zu alt bin. Aber mal sehen – das hängt ein bisschen davon ab, wie wir vorankommen. Ich würde den Mars schon gern mal besuchen, aber lange leben möchte ich da nicht. Einfach nur mal um die Erde fliegen, das wäre auch schon was.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 02/2021.

Auf zum Mars!
Foto: Space X

Leben auf dem Roten Planeten – das war lange Zeit eine weit entfernte Zukunftsvision. Elon Musk, der Chef von SpaceX, sieht das anders. Er ist »sehr zuversichtlich«, dass die ersten Menschen im Jahr 2026 auf dem Mars landen könnten. Und das soll so klappen:

1. Zunächst braucht man ein Raumschiff, das die Menschen zum Mars bringt. Das »Starship« von SpaceX soll Platz für bis zu 100 Leute bieten.

2. Da diese Menschen wohl eine Weile auf dem Mars bleiben werden, nehmen sie allerlei Bauteile mit, um die erste Basis zu errichten. Mehr als 100 Tonnen Ladung soll das »Starship« aufnehmen können.

3. Diese riesige Last muss irgendwie ins Weltall gelangen. Dafür tüftelt SpaceX gerade am unteren Teil der Rakete. Dieser wird »Super Heavy« genannt. Zusammengesetzt werden »Starship« und »Super Heavy« die größte Rakete der Welt bilden.

4. Sobald es das Raketensystem ins Weltall geschafft hat, wird »Super Heavy« ausgeklinkt. Zurück auf der Erde angekommen, soll man sie wiederverwenden können.

5. Das »Starship«, das sich nun im Weltraum befindet, braucht noch Treibstoff für die sechs Monate lange Reise zum Mars. Dafür wird es von einem zweiten Raumschiff aufgetankt. Als Treibstoff wird eine Mischung aus Methan und Sauerstoff verwendet. Nun kann der lange Flug beginnen.

6. Sobald die Crew auf dem Mars gelandet ist, beginnt sie mit der Errichtung einer Basis, und zwar in der Nähe eines Wasservorkommens. Das Wasser soll einerseits zum Trinken und Bewässern von Pflanzen dienen. Andererseits will man daraus Sauerstoff gewinnen – zum Atmen und für den Rückflug. Zusammen mit dem Methan, das man aus der Atmosphäre des Mars gewinnen will, soll über die Zeit genügend Treibstoff für die Rückkehr zur Erde gesammelt werden. Das Raumschiff soll also wiederverwendet werden, was die Mission billiger machen könnte.

So stellt sich Elon Musk die Besiedlung des Mars vor. Ob das alles klappt, ist mehr als fraglich. Musk ist bekannt dafür, viel zu ehrgeizige Zeitpläne vorzustellen, die dann nicht eingehalten werden können. Manche Experten rechnen frühestens in zehn Jahren mit einer erfolgreichen Raumschiff-Landung auf dem Mars.

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