Wie Tobis Krell Checker Tobi wurde: Das Kinder-Interview - DER SPIEGEL
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Checker Tobi im Kinder-Interview »›Das verstehst du noch nicht‹ ist der schlimmste Satz der Welt«

Tobias Krell erklärt Kindern die Welt – im TV, in Zeitschriften, im Kino und in Podcasts. Hier erzählt er, wie er Checker Tobi wurde und welche Themen er in seinen Sendungen auslässt.
Redaktionelle Begleitung: Claudia Beckschebe • • aus DEIN SPIEGEL 10/2023

Dein SPIEGEL: Was war dein Traumberuf, als du so alt warst wie wir?

Krell: Ich wollte tatsächlich zum Fernsehen. Allerdings nicht vor die Kamera. Ich wollte Redakteur werden, am liebsten Sportredakteur, und dann Fußballspieler interviewen dürfen. Ich habe schon mit 15 mein erstes Praktikum beim Fernsehen ­gemacht. Vor der Kamera bin ich dann später durch Zufall gelandet.

Dein SPIEGEL: Du bist jetzt seit zehn Jahren Checker Tobi. Ab wann wusstest du, dass du diesen Job lange machen wirst?

Krell: Das wusste ich nie so richtig. Als ich anfing, dachte ich, ich mach das anderthalb Jahre. Aber dem TV-Sender, der mich und mein Team beauftragt, gefielen die Sendungen sehr, und so haben wir uns immer wieder für weitere Folgen verabredet. Es war nie mein Plan, Kinderfernsehen zu machen. Aber jetzt liebe ich es und würde es auch gern noch eine Weile weitermachen.

Dein SPIEGEL: Wie viele Leute sind »Checker Tobi?« Also: Wie viele arbeiten an deinen Sendungen?

Krell: Der engste Kreis besteht aus etwa sechs ­Redakteurinnen und Redakteuren. Dieses Team überlegt sich alles, recherchiert Infos, sucht Gesprächspartnerinnen, begleitet den Dreh. Danach kommt die Post­produktion. Die Sendungen werden geschnitten, und es gibt zum Beispiel Menschen, die Grafiken animieren. Natürlich reden auch Leute vom Sender mit – pro Folge können bis zu 20 Leute beteiligt sein.

Dein SPIEGEL: Was ist Demokratie?
Foto:

Dein SPIEGEL

Wie großartig sind Demokratien: Man kann in Freiheit leben, meist läuft die Wirtschaft besser als in anderen Staaten, die Kindersterblichkeit ist niedriger, und sie führen keine Kriege gegen andere Demokratien. Trotzdem nimmt die Zahl der demokratischen Länder weltweit seit einigen Jahren ab. Woran das liegt und wie wir die Demokratie stärken können, erklärt die neue Ausgabe von »Dein SPIEGEL«, dem Nachrichten-Magazin für Kinder. Außerdem im Heft: »Checker Tobi« erzählt, was kindgerechten Journalismus ausmacht. »Dein SPIEGEL« gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:

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Dein SPIEGEL: Wie entstehen die Themen und Ideen für die »Checker«-Reportagen?

Krell: Wir als Redaktionsteam sammeln ständig Ideen. Ich zum Beispiel habe eine Liste in meinem Handy. Fällt mir im Alltag ­irgendwas Spannendes ein, notiere ich das. Es kommen auch immer wieder Zuschauerkinder auf uns zu, die Themen vorschlagen oder sich etwas Bestimmtes wünschen. Und natürlich redet auch hier der Sender mit. In Konferenzen entscheiden wir uns dann gemeinsam für die Themen.

Dein SPIEGEL: Wie lange arbeitet ihr an einer Folge?

Krell: Für eine 25-minütige Sendung brauchen wir etwa sechs Wochen. Drei bis vier Wochen für Recherche und Dreh, weitere zwei Wochen für den Schnitt der Folge. Dann kommt die Ab­nahme. Das heißt, Leute vom Sender gucken drauf und sagen, ob sie etwas unverständlich finden oder irgendwo etwas verändert werden sollte. Dann wird überarbeitet. Und schließlich spreche ich noch meinen Off-Text drüber.

Tobi Krell arbeitet seit vielen Jahren als »Checker Tobi« vor der Kamera. Sein Job: Sachen herausfinden und erklären – und zwar so, dass es Spaß macht. Dafür schlüpft er in Kostüme, testet, kostet, fragt und … äh … checkt.

Tobi Krell arbeitet seit vielen Jahren als »Checker Tobi« vor der Kamera. Sein Job: Sachen herausfinden und erklären – und zwar so, dass es Spaß macht. Dafür schlüpft er in Kostüme, testet, kostet, fragt und … äh … checkt.

Foto: Hans-Florian Hopfner

Dein SPIEGEL: Worauf achtet ihr besonders, wenn es darum geht, Dinge für Kinder zu erklären?

Krell: Wir versuchen, nicht so lehrermäßig ­rüberzukommen und Kindern etwas »beibringen« zu wollen. Unsere Sendungen sollen unterhaltsam und witzig sein. Ich glaube, wenn etwas Spaß macht, versteht man mehr. Wenn ich jemanden für die Sendung interviewe, der etwas ­Kompliziertes erklären soll, frage ich so lange nach, bis ich denke: Jetzt versteht es jedes Kind.

Dein SPIEGEL: Gibt es gewisse Themen, die ihr nicht ­anpacken würdet? Wenn ja: warum?

Krell: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man Kindern alles erklären kann und auch erklären sollte, wenn sie fragen. Ich finde, die Antwort »Das verstehst du noch nicht« ist der schlimmste Satz der Welt. Das ist doch nur eine Ausrede für »Ich kann es nicht gut erklären«. Aber es gibt Themen, die auch für Erwachsene schwer verdaulich sind, weil sie sehr brutal oder so ungerecht sind, dass man es kaum aushält. Da sortieren wir vor – auch um besonders junge Kinder zu schützen.

Dein SPIEGEL: Wie unterscheidet sich die Arbeit an deinen Sendungen von der Arbeit an einem Kinofilm?

Krell: An einer Sendungsfolge arbeiten wir ein paar Wochen, an einem Kinofilm mehrere Jahre. Alles ist größer: die Planung, die Crew, das Budget. Allein das Geld für so einen Film einzusammeln dauert ein Jahr. Man muss mehrere Filmförderungen um Geld bitten, denn man braucht eine Menge davon, wenn man an so viele verschiedene Orte reist wie wir und immer so viele Leute dabeihat. Für den neuen Film waren wir in der Wüste der Mongolei, in Vietnam, im Regenwald in Brasilien – weite, teure Reisen.

Allein arbeitet Krell aber nicht: Die Filme und Folgen entstehen im Team.

Allein arbeitet Krell aber nicht: Die Filme und Folgen entstehen im Team.

Foto: Hans-Florian Hopfner

Dein SPIEGEL: Was war der schönste Ort, den du während des Drehs für den neuen Kinofilm kennengelernt hast?

Krell: Die unglaubliche Weite der Wüste Gobi in der Mongolei hat mich ­beeindruckt. Das war so atemberaubend. Wie ein anderer Planet. Da kann man 1000 Kilometer fahren und begegnet keinem Menschen.

Dein SPIEGEL: Und was war das aufregendste ­Erlebnis?

Krell: Der Besuch der größten Höhle der Welt, Hang Son Doon in Vietnam. Am Eingang dieser Höhle wehte uns ein kühler Dunst entgegen. Wir wussten, wir kommen da erst mal nicht mehr raus. Im Film sieht man davon nur ein paar Minuten, aber wir waren insgesamt drei Tage in dieser gigantischen Höhle.

Tobis neuer Kinofilm
Foto: mfa+ FilmDistribution

Eine Reise zu »fliegenden Flüssen« – das klingt geheimnisvoll und rätselhaft. Seit wann können Flüsse denn fliegen? Und wo sollen sie sein? Tobi und Weltumseglerin Marina, seine Freundin aus Kindheitstagen, begeben sich auf eine Schnitzeljagd um die ganze Welt, um diese Frage zu beantworten. Sie bereisen ferne Länder: Vietnam, die Mongolei, Brasilien, und treffen überall freundliche Menschen, die ihnen helfen, die Rätsel der Schnitzeljagd eines nach dem anderen zu lösen. »Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen« ist eine Mischung aus Abenteuerfilm und Dokumentation. Ab dem 5. Oktober gibt es den Film im Kino.

Dein SPIEGEL: Was war der größte Fail während der Arbeit am Film?

Krell: Als drei Crewmitglieder Corona bekamen. Ich war eines davon. Mitten in der Wüste Gobi in der Mongolei, ausgerechnet an einem so abgeschiedenen Ort. Wir mussten alles abbrechen, wieder 19 Stunden mit dem Auto zurück in die Stadt fahren und uns anderthalb Wochen in einem Quarantänehotel einquartieren. In einem kleinen Zimmer, wo man nicht lüften konnte. Der Rest unseres Teams reiste nach Deutschland ab. Wochen später, als wir wieder gesund waren, mussten wir alles von vorne organisieren.

Dein SPIEGEL: Du wirst bestimmt oft angesprochen auf der Straße. Wann ist das schön, und wann nervt es?

Krell: Wenn es Kinder sind, ist es immer schön. Die sind sie selbst: Manche sind schüchtern und trauen sich nicht so richtig, andere erzählen ­direkt von ihrem Schulalltag und ­haben das Gefühl, dass wir uns schon ewig kennen, obwohl ich nicht mal weiß, wie sie heißen. Erwachsene verhalten sich manchmal un­höflich. Es passiert wirklich, dass Leute mit dem Handy in der Hand fotografierend auf mich zurennen und rufen »Da musst du jetzt durch, ist für mein Kind!« Ich finde: Die sollten natürlich trotzdem freundlich fragen: »Darf ich kurz stören?«, und nicht so übergriffig sein.

Das Interview mit Tobias Krell führten die 11-jährigen Kinderreporterinnen Agartuu (links) und Helena (Mitte) in München. Die Freundinnen kennen sich schon seit dem Kindergarten. Sie besuchen beide das Josef-Effner-Gymnasium in Dachau in Bayern und gehen dort in die 6. Klasse. Agartuu spielt in ihrer Freizeit Fußball. Helena klettert und boxt.

Das Interview mit Tobias Krell führten die 11-jährigen Kinderreporterinnen Agartuu (links) und Helena (Mitte) in München. Die Freundinnen kennen sich schon seit dem Kindergarten. Sie besuchen beide das Josef-Effner-Gymnasium in Dachau in Bayern und gehen dort in die 6. Klasse. Agartuu spielt in ihrer Freizeit Fußball. Helena klettert und boxt.

Foto: Ulrike Frömel / Dein SPIEGEL

Dein SPIEGEL: Glaubst du, du musst dich privat ganz besonders gut benehmen, weil du für Kinder ein Vorbild bist?

Krell: Es ist schon wichtig, dass ich mich nicht danebenbenehme in der Öffentlichkeit. Ich bin aber auch nicht der Typ, der darauf große Lust hätte. Ich muss mich also nicht permanent zurückhalten und kontrollieren.

Dein SPIEGEL: Was würde zum Beispiel passieren, wenn man dich beim Schwarzfahren erwischen würde?

Krell: Ich fahre nicht schwarz. Aber wenn ich es täte, würde das Gleiche passieren wie bei anderen auch. Ein Kon­trolleur würde sagen: »Das geht so aber nicht.« Andere würden gucken und vielleicht tuscheln: »Aber das ist doch der Checker Tobi …« Das wäre wohl der einzige Unterschied. Dann müsste ich eine Strafe zahlen wie ­jeder andere Schwarzfahrer auch.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 10/2023.

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