YouTuber Julien Bam im Kinder-Interview: Ein guter Filmemacher ist auch ein guter Problemlöser - DER SPIEGEL
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Julien Bam im Kinder-Interview »Ein guter Filmemacher ist auch ein guter Problemlöser«

Julien Bam ist einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands. Elisa und Linett, beide 14 Jahre alt, haben mit ihm übers Filmemachen und Synchronsprechen geredet.
Redaktionelle Begleitung: Pelle Kohrs • • aus DEIN SPIEGEL 1/2025

Dein SPIEGEL: Im Internet steht, dass du YouTuber, Influencer, Synchronsprecher, Sänger, Tänzer, Podcaster, Schauspieler und Videoproduzent bist. Zählst du das alles auf, wenn du dich jemandem vorstellst?

Bam: Nein, ich sage einfach, dass ich Julien heiße und Film­produzent bin. Ich weiß gar nicht, wer all diese Einträge über mich ins Internet stellt. Ich selbst stecke da nicht hinter, obwohl ich online schon viel über mich verraten habe.

Dein SPIEGEL: Wie kam es dazu, dass du mit YouTube angefangen hast?

Bam: Als mein Bruder und ich in eurem Alter waren, hatten wir eine alte, große Kamera. Damit sind wir durch die Gegend gelaufen, um Videos zu drehen. Irgendwann bekamen wir Lust, aufwendigere Filme zu produzieren. Aber dafür reichte das Geld nicht. Also erstellte ich mir stattdessen einen YouTube-Kanal und lud dort Videos hoch, in denen ich einfach in die Kamera quatschte. So fing alles an.

Dein SPIEGEL: Heute hast du mehrere YouTube-Kanäle. Auf deinem größten veröffentlichst du Kurzfilme.

Bam: Genau, mittlerweile machen mein Bruder und ich das, was wir immer wollten: aufwendige Filme drehen, in denen mein Team und ich mit vielen tollen Leuten zusammenarbeiten dürfen.

Linett und Elisa kommen aus Berlin und gehen in dieselbe Klasse eines Gymnasiums. Zum Interview trafen sie Julien Bam in einem Synchronstudio. Der YouTuber spricht die Hauptfigur in dem Film »Sonic the Hedgehog 3«.

Linett und Elisa kommen aus Berlin und gehen in dieselbe Klasse eines Gymnasiums. Zum Interview trafen sie Julien Bam in einem Synchronstudio. Der YouTuber spricht die Hauptfigur in dem Film »Sonic the Hedgehog 3«.

Foto: Sebastian Gabsch / Paramount Pictures Germany

Dein SPIEGEL: Wie viel Arbeit steckt dahinter?

Bam: Eine Menge. Früher haben wir meine Videos zu fünft gemacht, heute sind an den Filmen etwa 120 Menschen beteiligt. Dazu gehören Darstellerinnen, Kostümbildner, Kameraleute, Cutter, Technikerinnen und so weiter. Das kostet natürlich alles viel Geld: In den Filmen, die allein im vergangenen Jahr auf meinem Hauptkanal hochgeladen wurden, stecken 930.000 Euro.

Dein SPIEGEL: Wer bezahlt das?

Bam: Ich. Und am Ende kommt dabei kein Gewinn rum. Im Gegenteil, ich zahle sogar noch darauf. Das Filmemachen ist quasi ein sehr teures Hobby von mir. Mein Geld verdiene ich mit anderen Dingen, etwa mit meiner Kla­mottenmarke, meinen anderen YouTube-Kanälen oder dem Podcast von Rezo und mir.

Dein SPIEGEL: Was gefällt dir so gut am Filmemachen?

Bam: Stellt euch vor, dass ihr eine Idee habt, die euch nicht mehr aus dem Kopf geht. Ihr denkt die ganze Zeit über sie nach. Monatelang sitzt ihr am Schreibtisch und plant, wie sich die Idee in die Tat umsetzen lässt. Und am Ende ist alles genau so, wie ihr es euch immer vorgestellt habt. So fühlt es sich an, einen Film zu drehen. Das ist unbezahlbar.

Dein SPIEGEL: Geht dabei auch mal was schief?

Bam: Klar, ständig. Es läuft nie alles so wie geplant: Auf einmal gibt es Regen, jemand ist krank geworden, ein Gerät ist kaputtgegangen, oder etwas wurde vergessen. Man muss sich dann schnell Alternativen überlegen. Ein guter Filmemacher ist auch ein guter Problemlöser.

Dein SPIEGEL: Stehst du lieber vor oder hinter der Kamera?

Bam: Definitiv dahinter. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mich für immer dorthin zurückziehen. Es macht mir mehr Spaß, einen Film zu inszenieren, als darin zu sehen zu sein.

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Foto: Dein SPIEGEL

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Dein SPIEGEL: Wie kommst du damit zurecht, wenn Leute dich kritisieren?

Bam: Früher habe ich mir das stark zu Herzen genommen, heute kann ich besser damit umgehen. Kritik kann ja berechtigt sein. Wenn es aber nur darum geht, dass Leute auf mich als Person keine Lust haben, versuche ich, das zu ignorieren.

Dein SPIEGEL: Du bist auch als Synchronsprecher tätig. Wie kam es dazu?

Bam: Durch die Arbeit an unseren Filmen bin ich zum ersten Mal damit in Berührung gekommen. Danach wollte ich unbedingt auch mal an einem Kinofilm als Synchronsprecher mitwirken. Als mir die Rolle für »Sonic« angeboten wurde, musste ich nicht lang überlegen.

Dein SPIEGEL: Was gefällt dir am Synchron­sprechen?

Bam: Dass ich dadurch eine Menge über Sprache und Emotionen gelernt habe. Es ist crazy, wie viele Auswirkungen derselbe Satz haben kann, je nachdem, wie man ihn betont. Außerdem konnte ich meine Aussprache verbessern. Ich lernte zum Beispiel, dass das Wort »König« nicht wie »Könik« ausgesprochen wird, sondern wie »Könich«. Mit so etwas tue ich mich schwer.

Dein SPIEGEL: Wieso?

Bam: Das liegt unter anderem daran, dass ich nicht nur mit Deutsch auf­gewachsen bin, sondern auch mit Chinesisch und Englisch. Meine Mutter kommt aus Singapur, wo Chinesisch gesprochen wird. Außerdem habe ich als Kind gelispelt. Mit der Zeit wurde es besser, aber manchmal kommt es noch hervor.

Dein SPIEGEL: Kannst du uns etwas über dich verraten, das noch niemand weiß?

Bam: Ja, eine Sache fällt mir ein: Seit zwei Jahren hänge ich mich jeden Morgen zum Strecken an eine Klimmzug­stange. Ich habe die Hoffnung, dass ich dadurch noch ein bis zwei Zentimeter wachse. Mittlerweile kann ich sagen: Das funktioniert nicht.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 1/2025.

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