Zoe Wees: »Meine Songs sollen eine beste Freundin sein« - DER SPIEGEL
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Zoe Wees im Kinderinterview »Meine Songs sollen eine beste Freundin sein«

Zoe Wees ist eine weltweit erfolgreiche R&B-Sängerin und Songwriterin aus Hamburg. Mit den Kinderreporterinnen sprach sie über ihr Debütalbum, Hatekommentare und die Notwendigkeit öfter mal Nein zu sagen.
Redaktionelle Begleitung: Christoph Dallach • • aus DEIN SPIEGEL 11/2023

Dein SPIEGEL: Wie würdest du deine Kindheit in Hamburg beschreiben?

Zoe Wees: Eigentlich voll schön. Größtenteils konnte ich meine ­Kindheit genießen. Aber es war nicht immer alles leicht.

Dein SPIEGEL: Was war nicht leicht?

Zoe Wees: Wie die Menschen auf meine Hautfarbe reagiert haben. Ich und noch vier andere waren an meiner Schule die einzigen Schwarzen im ganzen Jahrgang. Das war früher schwieriger als heute.

Dein SPIEGEL: Du hast als Kind auch unter der Krankheit Rolando-Epilepsie gelitten, hattest Anfälle, bei denen du die Kontrolle über deinen Körper verloren hast. Nun bist du geheilt, aber in deinem Song »Control« ­erwähnst du, dass du noch immer Angst vor den Anfällen hast. Dürfen wir fragen, warum?

Zoe Wees: Of course, weil diese Krankheit nicht ohne ist und sehr doll wehtat. Das ist ein Gefühl von Betäubtsein, man spürt seine Zähne nicht. Es ist sehr unangenehm, wenn man seinen Körper für ein paar Minuten nicht mehr unter Kontrolle hat. Das alles hat mental Spuren bei mir hinterlassen.

Dein SPIEGEL: Hattest du auch in der Schule ­Anfälle?

Zoe Wees: Ja, ich hatte die Anfälle, seit ich acht war. Zum Glück gab es eine Lehrerin, die Kinder mit Epilepsie betreut hat. Sie wusste genau, wie man damit umgeht. Deshalb konnte ich ganz normal zur Schule gehen. Den Song »Control« habe ich dieser Lehrerin gewidmet.

Dein SPIEGEL: Habt ihr noch Kontakt?

Zoe Wees: Ja, wir schreiben und sehen uns manchmal. Und in Hamburg kommt sie auch zu den Konzerten.

Dein SPIEGEL: »Musik ist meine Rettung!«
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Dein SPIEGEL: Wann hast du gemerkt, dass du gern auf der Bühne stehst?

Zoe Wees: Ich habe immer bei Schulkonzerten mitgemacht, sang Songs von ­Rihanna oder Sia. Da dachte ich: It makes sense! Ich gehöre auf die Bühne! Dann hat mich nach einem Konzert ein Lehrer angesprochen und vorgeschlagen, mir dabei zu helfen, meine Stimme zu entwickeln.

Dein SPIEGEL: Und dann hast du entschieden, dass du Musikerin werden willst?

Zoe Wees: Ich habe mich schon immer für Musik interessiert, aber mit 14 wurde mir zum ersten Mal so richtig klar: Musik ist meine Rettung. Ich habe damals gecheckt, wie viel Spaß ich beim Singen habe – und dass ich das einfach machen muss.

Dein SPIEGEL: War der Musikunterricht an deiner Schule gut?

Zoe Wees: Es geht. Ich habe dort nicht viel gelernt, was ich für meine Karriere in der Popmusik gebrauchen konnte. Spaß gemacht hat er trotzdem, das waren immer die besten Stunden.

Dein SPIEGEL: Wie kommst du auf deine Songs?

Zoe Wees: Mich inspiriert alles, was ich sehe, höre und erlebe. Deswegen heißt mein neues Album »Therapy«. Weil die Arbeit daran für mich therapeutisch gewesen ist. Ich singe da über alle Themen, die ich in den vergangenen Jahren durchmachen musste. Das Schreiben dieser Songs hat mir sehr geholfen.

Dein SPIEGEL: Wie gehst du mit Hate-Kommen­taren um?

Zoe Wees: Manche Kommentare zu meinem Aussehen oder Gewicht fand ich sehr verletzend. Aber ich habe schnell gelernt, damit klarzukommen. Wenn ich heute abwertende Kommentare bekomme, blockiere ich die Person, von der sie stammen.

Dein SPIEGEL: Mit »Girls Like Us« hast du vielen jungen Frauen aus der Seele ­gesprochen. Hast du darauf viele Reaktionen bekommen?

Zoe Wees: Auf jeden Fall! Der Song hat sehr viele Menschen berührt, etwas in ihnen geweckt. Das war bei meinem ersten Song »Control« ähnlich, auch da waren die Lyrics für viele Hörerinnen und Hörer von großer Bedeutung. Das Schreiben dieser Songs hat mir auch selbst viel klargemacht, vor allem, dass ich wunderschön bin, genau so, wie ich bin. Und ich hoffe, dass das viele, die meine Songs hören, auch für sich erkennen.

Dein SPIEGEL: Ist das die Botschaft, die du mit ­deinen Songs vermitteln willst?

Zoe Wees: Meine Songs sollen eine beste Freundin sein. Ich kann natürlich nicht persönlich für Tausende von Menschen da sein, aber meine Musik kann das. Ich freue mich, wenn sie meine Songs hören, sich dabei wohlfühlen und weniger traurig oder ­allein sind. Man muss im Laufe des Lebens lernen, sich zu lieben.

Die Kinderreporterinnen Neele (links) und Merle (rechts) gehen in die 9. Klasse des Greselius-Gymnasiums Bramsche. Beide tanzen gern: K-Pop, Videoclip-Dancing, Hip-Hop und Contemporary. K-Pop ist Neeles Leidenschaft. Die Gruppe Stray Kids mag sie zum Beispiel sehr. Merle reitet neben dem Tanzen auch.

Die Kinderreporterinnen Neele (links) und Merle (rechts) gehen in die 9. Klasse des Greselius-Gymnasiums Bramsche. Beide tanzen gern: K-Pop, Videoclip-Dancing, Hip-Hop und Contemporary. K-Pop ist Neeles Leidenschaft. Die Gruppe Stray Kids mag sie zum Beispiel sehr. Merle reitet neben dem Tanzen auch.

Foto: bettina theuerkauf / Dein SPIEGEL

Dein SPIEGEL: Du hast mal gesagt, dass du lieber traurig bist als fröhlich. Warum?

Zoe Wees: Weil es mich mehr inspiriert, traurig als glücklich zu sein. Ich höre auch nur traurige Musik. Die ­melancholischen Songs von Billie Eilish oder Justin Bieber liebe ich. ­Glücklich zu sein ist für eine ­ge­wisse Zeit zwar auch schön, aber traurig zu sein ist für mich doch angenehmer. Damit komme ich ­einfach besser klar. Mich macht es vor allem happy, Leute mit meiner Musik stark zu machen.

Dein SPIEGEL: Was ist der Grund dafür, dass du manchmal Englisch und manchmal Deutsch sprichst?

Zoe Wees: Ich finde, dass viele Sachen auf Deutsch nicht so cool klingen wie auf Englisch. Es ist aber auch schwierig, da einen Mittelweg zu finden: Wenn ich auf meiner Instagram-Seite Deutsch spreche, bekomme ich Hate-Reaktionen von englischen Fans, wenn ich Englisch spreche, gibt es Hate von den deutschen. Aber meine Musik wird ja nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt gehört, das macht es wirklich kompliziert, jeder und jedem gerecht zu werden. Und Englisch versteht nun mal fast jeder Mensch, das lernen wir in der Schule.

Dein SPIEGEL: Welche Sprache sprichst du im ­Alltag?

Zoe Wees: Das kommt darauf an, mit wem ich spreche, aber mittlerweile oft Englisch.

Dein SPIEGEL: War es eigentlich stressig, so schnell berühmt zu werden?

Zoe Wees: Was heißt schon berühmt? Aber ja, es war anstrengend. Ich war gerade aus der Schule raus, wusste nicht, wie die Arbeitswelt funktioniert, wusste nicht mal, was ein ­Steuer­berater ist. Ich musste ganz schnell sehr viel lernen.

Dein SPIEGEL: Könntest du dir vorstellen, mal in die USA zu ziehen?

Zoe Wees: Früher ja, aber mittlerweile nicht mehr. Ich war schon überall, wo ich eigentlich mal hinziehen wollte, aber es hat mir an diesen Orten dann doch nicht so gefallen. Nur London ist so schön gewesen, wie ich es mir vorgestellt hatte, es war jedes Mal toll, dort zu sein. Los Angeles, wo ich auch mal hinziehen wollte, fand ich dagegen langweilig. Das ist nur aus der Ferne ein aufregender Ort.

Dein SPIEGEL: Gibt es Leute, die dich in deinem Leben besonders inspirieren?

Zoe Wees: Das sind größtenteils meine Freunde. Ich suche mir meine Freunde so aus, dass sie mich nicht runter-, sondern hochziehen. Meine älteste Freundin kenne ich, seitdem ich auf der Welt bin. Ihre Mama ist älter als meine und hat früher auf sie aufgepasst. Dann haben beide zeitnah Kinder bekommen, also meine Freundin und mich. Wir sind dann zusammen groß geworden.

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Dein SPIEGEL: Was hast du dir noch für deine ­Karriere vorgenommen?

Zoe Wees: Ich muss lernen, eine Balance zwischen der Arbeit und dem Privat­leben zu finden. Ich möchte in meinem Job erfolgreich sein, brauche aber auch genug Zeit für meine Freunde – und dafür, mich um mich selbst zu kümmern. Es ist nicht so leicht, in diesem Business auch mal Nein zu sagen, das muss ich noch lernen. Genauso wie etwas abzusagen, wenn es mir nicht gut geht. Denn manche Leute sehen nicht, wenn man nicht gut drauf ist.

Dein SPIEGEL: Was sind deine Hobbys neben der Musik?

Zoe Wees: Früher habe ich auch viel getanzt, Hip-Hop und solche Sachen. Und wieder aufgehört. Ich habe auch mal geboxt. Und wieder aufgehört. ­Irgendwann hatte ich nichts mehr. Es war eine verrückte Findungsphase. Zum Glück blieb die Musik.

Dieses Interview erschien in »Dein SPIEGEL« 11/2023.

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