Wenn schwule Paare Kinder kriegen Zwei Männer und zwei Babys
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Tobias Devooght, Vater:
»Wir sind seit vierzehn Jahren zusammen und seit sieben Jahren auch verheiratet. Mittlerweile gehören zwei Kinder zu uns. Wir sind Familie geworden und das ist die Summer, die jetzt vier Jahre alt ist und der Jaden, der gerade zwei geworden. Das ist das, was wir immer wollten. Und wir genießen das auch total mit den Kindern zusammen und die dann auch so zu sehen, dass das dann auch funktioniert. Das ist natürlich auch schön. Und wir einfach auch Spaß haben können, die Kinder auch ein bisschen aufgehen. Und jetzt wird schon wieder gefuscht hier.«
Dennis Devooght, Vater:
»Nein.«
Tobias Devooght, Vater:
»Doch.«
Dennis Devooght, Vater:
»Ich denke so ein bisschen, dass das schon das Beste in einem selbst hervorbringt. Wenn man jetzt so ein schönes, gemeinsames Zusammensein hat, ein Wir-Gefühl. Ich denke, das ist genau die Definition von Familie. Und noch in den Flitterwochen hat Tobias mir die Frage gestellt: Kannst du dir vorstellen, Kinder zu haben? Worauf ich erst mal gar nicht geantwortet habe, weil ich ein paar Jahre älter bin und das eine abwegige Idee war.«
Tobias Devooght, Vater:
»Ich habe das ganz frei gesagt, wie wir doch in vielen Themen auch offen einfach darüber sprechen und habe einfach geguckt, wie er reagiert. Die Reaktion war verhalten.«
Dennis Devooght, Vater:
»Ich bin in den Neunzigerjahren aufgewachsen. Ich kannte zum Beispiel noch den Paragrafen 175, auch wenn er nicht mehr praktiziert wurde, aber das war schon noch drin. Auch das Outing war schwierig auf dem Land, auch wenn das im Nachgang sich alles nicht so als schwierig herausgestellt hat.«
Bis 1994 waren sexuelle Handlungen zwischen Männern nach Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs in Deutschland strafbar.
Dennis Devooght, Vater:
»Aber Ehe für alle, heiraten, Partner und dann jetzt auch noch Kinder. Das war für mich einfach nicht auf dem Tableau.«
Tobias Devooght, Vater:
»Dann ist es heute kaum zu glauben, dass sie so groß ist.
Dennis Devooght:
»Ich bin sehr behütet aufgewachsen, aber die Gesellschaft und das Drumherum macht mit einem etwas. Man merkt ja schon, dass Menschen, die sich outen, dass das nicht gut funktioniert, dass die vom Hof gejagt werden, dass die angegriffen werden. Und dann habe ich ein bisschen den Vorteil gehabt, dass man es bei mir nicht so sieht. Und ich konnte mich besonders gut tarnen und verstecken. Und dann habe ich das auch gemacht. Das war einfach für mich leichter, so durchzukommen. Und dann ist man einfach pragmatisch und die Dinge, von denen man weiß, dass sie nicht funktionieren werden, weil sie nicht akzeptabel sind, werden weggeschoben, weil man denkt, damit kann man besser leben. Es gibt dann die Kämpfer, die dagegen angehen, die Revolutionäre. Ich war eher jemand, der versucht hat, nicht aufzufallen und so tut, als wäre ich es nicht. Und dann schiebt man das weg und dann findet das nicht mehr statt. Aber auch die Partnerschaft, die Ehe überhaupt, Familienleben in Deutschland, mit Kindern sowieso. Und dann ist das einfach nicht da.«
Tobias Devooght, Vater:
»Es ist für mich ein komisches Gefühl, weil ich natürlich damit gerechnet hatte, er stimmt direkt zu. Auf der anderen Seite habe ich verstanden, dass die Frage war, wie denn überhaupt? Und er sich sehr früh schon von dem Gedanken verabschiedet hatte, als schwuler Mann Familie zu haben, also eigene Kinder zu haben. Das habe ich dann immer mehr auch verstanden in den Gesprächen, warum die erste Reaktion sehr zögerlich war. Aber ja, insgesamt hat sich dann schon gezeigt, dass der Kinderwunsch bei meinem Mann jetzt schon auch doch tiefer verwurzelt war, als er vielleicht am Anfang gedacht hat.«
Dennis Devooght, Vater:
»Du lebst in so einem Kokon und. Und dann merkst du natürlich auch, dass alles andere sich weiterentwickelt hat, dass die Ehe offensichtlich möglich war. Deswegen waren wir in den Flitterwochen und hatten uns gerade verpartnert. Ehe für alle kam erst ein Jahr später. Aber du merkst halt, dass das, was du dir imprägniert hast, nicht mehr die Realität ist und dass die Gesellschaft moderner geworden ist, liberaler geworden und toleranter geworden ist. Dass vieles einfacher geworden ist. Und dann fängt man an, sich zu öffnen, aus dem Kokon herauszukommen. Und das ging es bei mir dann relativ schnell, dank seiner Hilfe auch, dass ich mir das sehr schnell vorstellen konnte.«
Tobias Devooght, Vater:
»Wie? Das war die große Frage, die mich auch längere Zeit beschäftigt hat. Also ich kannte aus dem Umfeld die Adoption, die Aufnahme von Pflegekindern. In mir machte sich immer mehr so ein Gefühl breit, dass ich eben ein leibliches, eigenes Kind haben möchte. Und dann hatten wir durch Zufall eine Reportage gesehen zum Thema Leihmutterschaft und dann war der Samen eingepflanzt.«
Die Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Erlaubt ist eine kommerzielle Leihmutterschaft aber zum Beispiel in den USA.
Tobias Devooght, Vater:
»Und dann haben wir gesagt oder ich habe mir erst mal gesagt, das könnte ein Weg sein, auch wenn er noch ganz vage dastand und man überhaupt nicht wusste, geht das überhaupt? Ich hatte das da auch noch nie gehört vorher. Das ist unsere Leihmutter Erica.«
Dennis Devooght, Vater:
»Mit Erica, Joe und ihren Kids sind wir in die Universal Studios gefahren, um dort mit ihnen einen Tag zu verbringen. Das war kurz vor Summers Entlassung gewesen.«
Tobias Devooght, Vater:
»Das ist Erica mit Joe. Da hatte sie Summer nochmal kurz im Arm, bevor wir abgereist sind. In der Entscheidung, diesen Weg zu gehen, war direkt klar, keiner von uns beiden möchte dem anderen den Wunsch verwehren, ein leibliches Kind zu haben. Das war, glaube ich, das Erste, was uns auch bestätigt hat: Wir werden zwei Kinder bekommen. Einmal, wo mein Mann eben der genetisch leibliche Papa ist und einmal, wo ich dann der Vater bin. «
Summer ist die genetische Tochter von Dennis.
Tobias Devooght, Vater:
»Kann der Papa nochmal etwas einschütten, bitte?«
Jaden ist der genetische Sohn von Tobias.
Tobias Devooght, Vater:
»Am Anfang, als sie ganz klein war, da hat man meinen Mann sehr deutlich gesehen. Jetzt verliert sich das so ein bisschen, aber ich vermute, dass er in Jaden auch mich sieht. Aber für uns spielt es insgesamt keine Rolle, ich liebe die Summer genauso wie den Jaden. Es sind unsere Kinder. Und jetzt, wo sie ein bisschen älter sind, dass sich auch die Mutter so ein bisschen widerspiegelt. In dem, wie sie vielleicht sind oder wie sie natürlich auch aussehen, es ist spannend zu beobachten. Wir haben ja die Entscheidung damals getroffen für eine Eizellspende. Und die auch nach Sympathie ein bisschen ausgesucht nach dem Äußeren, wie jeder andere Mensch auch jemanden kennenlernt, mit dem er vielleicht dann Kinder haben möchte. Und das ist auch jetzt auch spannend zu sehen, das Temperament, auch wenn man nicht weiß, wie viel kommt da jetzt rüber. Aber dass man da schon das Gefühl hat, ja, diese Person gehört dazu und wir sehen sie jetzt auch in unseren Kindern.«
Dennis Devooght, Vater:
»Wir gehen mit dem gesamten Thema sehr offen um, auch sehr pragmatisch. Wir sind jetzt auch nicht so dünnhäutig, wir können Kritik auch gut einstecken und wegstecken und gehen damit auch entsprechend pragmatisch um. Aber es ist schon da, dieses man wird zu dem Kindergeburtstag nicht eingeladen oder man ist vielleicht bei dem Halloween-Umzug nicht dabei. Und dann ist es im ersten Moment einem egal und man sagt sich, gut, dann halt nicht. Hat es einen Grund gegeben? Und dann denkt man sich aber schon: Ist es nicht vielleicht doch, weil wir anders sind? Wir haben ja die entsprechende Resilienz. Wir haben ja auch eine Story, dass wir uns geoutet haben, wir sind schon angeeckt, in der Schule oder im Studium oder wo auch immer im Leben. Bei den Kindern ist es ein anderes Thema. Und da sind wir aufmerksamer. Wir versuchen, es einzuordnen, zu erklären, dass vielleicht Menschen dann tatsächlich ein Problem haben mit uns. Was nicht bedeuten muss, dass sie ein Problem mit dir, also dem Kind, mit Summer oder Jaden hat. Und wir versuchen, ihnen die entsprechende Resilienz und die entsprechende Widerstandsfähigkeit mitzugeben und das immer wieder einzufordern und zu erklären. Und sie werden jetzt schon konfrontiert damit.
Birgit Großekathöfer, Reporterin:
»Wie?«
Dennis Devooght:
»Zum Beispiel, dass andere Kinder im Kindergarten sagen, du hast keine Mama. Ich habe aber die größte Sorge einfach vor diesen versteckten Anfeindungen. Ich muss sagen, ich habe sehr viele Freunde, die sehr konservativ sind, aber mit denen kann ich trotzdem abends dasitzen und reden, weil die haben eine klare Haltung und sagen, das lehne ich ab aus diesen und diesen Gründen. Und die haben andere Werte und andere Vorstellungen vom Leben. Aber da kann man diskutieren, da kann man ansetzen. Schwieriger sind all die Familien da draußen, die dann halt sagen: Nein, wir haben doch kein Problem mit ihnen! Das ist doch wunderbar, ist doch alles schön. Sie haben doch Kinder. Ist doch schön, dass sie ihren Traum leben. Und dann aber zu Hause sagen: Nee, da gehst du aber nicht hin. Ja, und dann ihrem Kind das sagen und dann irgendwann, wenn die Kinder älter sind, in andere Familien rein gehen oder sie wollen mal jemanden einladen und dann gibt es vielleicht Schranken und Hürden, die wir unseren Kindern ja mitgeben, ob sie das wollen oder nicht. Das ist schon etwas, damit muss man umgehen und versuchen, ihnen das zu erklären. «
»Wir sind beide Papa tatsächlich. Es gibt da keine Unterscheidung. Höchstens in der Lautstärke, wenn jemand gerufen wird.«
Tobias Devooght:
»Wir haben das wirklich gemacht. Wir sind jetzt Eltern und wir leben Familie wie jede Familie auch und genießen einfach die Zeit mit unseren Kindern. Wie sie sich entwickeln, was sie alles machen, was sie wieder Neues lernen. Und deshalb ist das für mich wunderschön.«