100 Jahre britischer Geheimdienst - DER SPIEGEL
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MI5 und MI6 Wie die Briten zu Spionen wurden

Überall deutsche Agenten! Getarnt als Frisöre, Kellner, Brieftaubenzüchter! Eine landesweite Spionagehysterie suchte 1909 England heim - die Massenpanik wurde zur Geburtsstunde der beiden legendären britischen Geheimdienste MI5 und MI6. Von Carsten Volkery, London
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Der Kommandant: Mansfield Cumming war der erste MI6-Chef. Er startete die Tradition, Geheimdokumente mit einem "C" in grüner Tinte abzuzeichnen. Inzwischen steht "C" nicht mehr für Cumming, sondern für "Chief".

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MI6-Zentrale in London: Seit einigen Jahren setzen die Geheimdienste auf verstärkte Transparenz. Die Adresse des MI6 ist seit dem Einzug in das neue Hauptquartier an der Themse 1994 nicht mehr geheim, seit 2005 gibt es sogar eine Website. Die neue Offenheit soll bei der Rekrutierung von Nachwuchsagenten helfen.

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Saddams Schießübung: Zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte des MI6 gehört die Lüge über die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. Das Geheimdienstdossier bildete die Grundlage für den Irakkrieg. Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass es keine solchen Waffen gab.

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SS-Mann Schellenberg: Der spätere Chef von Sicherheitsdienst und Abwehr fügte dem MI6 1939 eine peinliche Schlappe bei. Unter dem vorwand eines Treffens mit niederländischen Widerstandskämpfern lockten Schellenbergs Leute am 9. November 1939 zwei britische Geheimdienstoffiziere nach Venlo an der deutsch-niederländischen Grenze und entführten sie. Der "Venlo-Zwischenfall" kostete den MI6 fast sein komplettes Spionagenetzwerk auf dem Kontinent. Die NS-Propaganda nutzte den Coup und präsentierte der Presse die beiden britischen Agenten als Drahtzieher des misslungenen Attentats auf Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller einen Tag zuvor. Die Aufnahme zeigt Schellenberg als Gefangener der Amerikaner nach Kriegsende 1945.

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Harold Philby: Während des Kalten Krieges mussten MI5 und MI6 mehrere peinliche Schlappen gegen die Sowjetunion einstecken. Der berühmteste Doppelagent war Harold A. R. Philby, Spitzname Kim, Mitglied des Spionagerings Cambridge Five. Die fünf Topspione schafften es, in Schlüsselpositionen der britischen Geheimdienste aufzusteigen und jahrelang Staatsgeheimnisse an Moskau weiterzugeben.

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Terror in London: Trotz der zusätzlichen Mittel konnte der MI5 die islamistischen Anschläge von März 2005 nicht verhindern. Es hagelte Kritik, als bekannt wurde, dass die Anführer der Terrorzelle bereits seit 2004 im Visier des Geheimdiensts waren.

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Binyam Mohamed: Entlassene Guantanamo-Häftlinge wie der Äthiopier Binyam Mohamed (Bild) werfen dem MI5 vor, mittelalterliche Foltermethoden in Marokko und anderen Ländern gebilligt und davon profitiert zu haben.

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Eddie Chapman: Ende der dreißiger Jahre wurde Chapman in Großbritannien als Kleinkrimineller zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Er floh und geriet auf den besetzten Kanalinseln in die Hände der Deutschen. Von seiner Wut auf die Briten überzeugt, heuerten ihn die Nazis als Spion an. Doch Chapman stellte sich schnurstracks dem MI5, für den er nun wiederum die Deutschen ausspionieren sollte. So wurde er zu Agent "Zigzag" (Zickzack"), einem der wichtigsten britischen Doppelagenten im Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg kehrte er zurück nach London und schrieb mehrere Bücher über sein Leben als Spion.

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Zentrale des MI5: Nach dem Ende des Kalten Krieges waren die Budgets von MI5 und MI6 radikal gestrichen worden - Geheimdienste galten als Geldverschwendung. Die Terroranschläge von New York 2001 und London 2005 kehrten den Trend wieder um: Hatte der MI5 vor 2001 noch 1800 Mitarbeiter, so steigt die Zahl bis 2011 auf 4100. Das Bild zeigt das Londoner Hauptquartier des britischen Inlandsgeheimdienstes.

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"Atomspion" Fuchs: Der deutsch-britische Atomphysiker Klaus Fuchs war die Top-Quelle des sowjetischen Geheimdienstes KGB im "Manhattan Project", dem amerikanischen Programm zum Bau der Atombombe. Dass Fuch den Posten in Los Alamos bekam, war der vielleicht folgenschwerste Fehler der britischen Spionageabwehr. Erst nach dem Krieg, als es MI6 und dem US-Geheimdienst gelungen war, sowjetische Codes zu knacken, wurde Fuchs als Agent enttarnt und 1950 zu 14 Jahren gefängnis verurteilt. 1959 wurde Fuchs begnadigt und in die DDR abgeschoben. Er starb 1988 in Dresden.

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Agent 007: Er hat mehr für den Weltruf des MI6 getan als jeder andere Agent - James Bond, alias 007, der Romanheld des Autors Ian Fleming. Vieles bei Bond ist frei erfunden, eine Lizenz zum Töten gibt es weder bei MI5 noch bei MI6.

Foto: B0193 Bert Reisfeld / dpa
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George Blake: Der in Rotterdam geborene George Blake war während des Zweiten Weltkriegs im niederländischen Widerstand aktiv gewesen und hatte zugleich für für verdeckte Operationen der Briten gearbeitet. Nach dem Krieg ging er für den MI6 in Osteuropa, wo er Agenten für die Briten anwarb. Während des Koreakriegs geriet er in nordkoreanische Gefangenschaft und konvertierte in dieser Zeit zum Kommunismus. Nach seiner Entlassung schickte der MI6 Blake nach Berlin, wo der Doppelagent jahrelang geheime Aktionen, Agenten und andere Details an die Sowjets verriet. Nachdem er schließlich enttarnt wurde, wurde er 1961 zu 42 Jahren Haft verurteilt.

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Der Pass: Unter dem Decknamen "George Wood" lieferte der deutsche Konsulatssekretär Fritz Kolbe im Zweiten Weltkrieg unzählige hochgeheime Dokumente aus dem Auswärtigen Amt mitten im Herzen Nazi-Reichs an die Amerikaner. Der Nazi-Gegner Kolbe hatte sich zunächst den Briten angeboten, doch die hatten ihn als "Schwindler" vor die Tür gesetzt.

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MI5-Chefin Rimington: Sie war die erste Frau an der Spitze eines britischen Geheimdiensts. Rimington leitete den MI5 von 1992 bis 1996. Nach ihrem Rückzug schrieb Rimington eine Autobiografie und mehrere Spionage-Thriller. Sie warf der Labour-Regierung vor, die britische Bevölkerung in einem "Zustand der Angst" halten zu wollen. Rimington war das Vorbild für die Besetzung der Rolle des Geheimdienstchefs "M" mit einer Frau, der Schauspielerin Judi Dench, in insgesamt sechs James-Bond-Filmen.

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MI6-Chef Sawers: Pannen sind eine Konstante in der hundertjährigen Geschichte der beiden Dienste MI5 und MI6. Den jüngsten Anlass zum Spott gab John Sawers, ab September 2009 Generaldirektor des MI6 - auf der Facebook-Seite seiner Frau war er in Badehose zu sehen.

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