100 Jahre Carrera-Bahn und Co. Formel 1 auf dem Fußboden
Kurvenstar: Die Flitzer auf der Carrera Universal der sechziger Jahre rasten schlitzgesteuert und im Maßstab 1:32 durch die Kurven. Der Strom für den Elektromotor, der sich in der Kunststoffkarosserie versteckte, kam von Schleifkontakten in der Bahn.
Die Rennwelt in klein: Die Carrera Avus der Firma Neuhierl aus Fürth war die erste deutsche "Slot-Racing"-Bahn. Drei Stromleiter in der Fahrbahn ermöglichten es, dass zwei Fahrzeuge im Maßstab 1:32 unabhängig voneinander in einer Spur fahren konnten. Zudem war die Bahn nicht nur mit vielen kleinen Details wie winkenden Fans, Reportern und Mechanikern an der Strecke, sondern auch mit einem mechanischen Rundenzähler ausgestattet.
Autobahn noch ohne Stau: Eine Illustration von 1937 zeigt die von Tipp & Co. hergestellte "Reichsautobahn", über die passend zur Modelleisenbahn Spur 0 die Wagen noch ganz ohne Tempolimit rasen konnten
Rennauto auf Schienen: Passend zur Modelleisenbahn Spur1 entstand 1934 Deutschlands erste elektrische Spielzeug-Autobahn. Die Strom- und Spurführung wurde durch eine zweigeteilte Mittelschiene in der Fahrbahn übernommen. Fahrbahn und Fahrzeugkarosserie waren noch liebevoll aus Stahlblech gefertigt.
Einmal Rennfahrer sein! Die Verpackung der Carrera Servo von 1963 weckte die Vorfreude der kleinen Autofans auf das, was sich darin versteckt hatte: die Bahn, zwei Rennwagen und zwei Joysticks
Fußboden-Rennen: Mit nur einem Hauch Vorsprung erreicht die Nummer 15 vor der 13 die Zieleinfahrt der Carrera Avus. Die Fans jubeln, während die Fernsehkameras auf den Sieger gerichtet sind. So oder so ähnlich endeten in den sechziger Jahren die spannenden Wettkämpfe kleiner Rennfahrer im Kinderzimmer.
Kurzer Boxenstopp: 1985 war das Rennen für Carrera nach 25 Jahren gelaufen. Die Firma meldete Konkurs an. Die Produktion ging allerdings mit reduzierter Bandbreite weiter, und so stehen auch heute noch frisch produzierte Carrera-Bahnen in deutschen Kinderzimmern.
Das große Rennen: Carrera-Autos flitzen über die damals längste Carrera-Bahn Deutschlands in Kaarst. Auf der 60 Meter langen sechsspurigen Bahn können die zwischen 150 bis 300 Euro teuren "Slot Cars" auf Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h beschleunigen.
Stahlblechpiloten: Zwei kleine Rennfahrer steuerten 1912 die Wagen über die erste elektrische Spielzeug-Autorennbahn der Welt, die von der US-Firma Lionel hergestellt wurde. Die Strom- und Spurführung wurden durch eine isolierte Mittelschiene in der Fahrbahn übernommen. Fahrbahn und Fahrzeugkarosserie dieses Replikats von 1991 sind - wie auch beim Original - aus Stahlblech.
Gib Gummi: Die erste Carrera Universal entstand 1963 im Maßstab 1:32. Die sportlichen Minirennwagen waren mit einer Kunststoffkarosserie, einem Chassis mit Stromführung von den Schleifkontakten sowie einem Elektromotor als Antrieb ausgestattet.
Melkus statt Porsche: Auch in der Planwirtschaft der DDR wurde 1970 daran gedacht, Rennauto-Freunde mit dem richtigen Spielzeug auszustatten. Als Vorbild für die Fahrzeuge wählte das Pressformwerk Dresden (Prefo) den Melkus-Sportwagen und den Melkus-Wartburg-Rennwagen, die im Maßstab 1:32 über die Bahn rasten.
Baufahrzeuge statt Rennwagen: Für kleine (und große) Bauarbeiter fertigte Carrera im Maßstab 1:32 1972 seine "Transpo"-Fahrzeuge, die mit der Modelleisenbahn Spur1 von Märklin kombiniert werden konnten
Das "Minimobil" von Arnold: Die kleinen Flitzer im Maßstab 1:65 waren als Verkehrsergänzung für die Modelleisenbahn der Spur H0 gedacht. Angetrieben wurden sie durch eine im Innern der Fahrbahn rotierende Spiralfeder, die durch einen am Fahrbahnrand angebrachten Motor per Zahnrad in Bewegung gebracht wurde.
Wie auf Papier fuhren die Modellautos der Firma Bub. Die Konstruktion passte zur Modelleisenbahn Spur0 und war die weltweit erste nach dem schlitzgesteuerten Prinzip. Die blechernen Fahrbahnhälften waren auf Pappe montiert. Darüber schossen die aus Bakelit gefertigten Fahrzeugkarosserien.
Hans Schimpf-Reinhardt ist der Leiter des Stadtarchivs in Balingen und begeisterter Sammler der frühen Autorennbahnen. Er hat zu Ehren ihres 100. Geburtstags eine kleine, aber feine Ausstellung zusammengetragen.
Wettfahrt: Auch die Franzosen wollten im Kinderzimmer-Rennsport mitmischen. So baute die Firma Roussy 1937 seine "Auto-Route" passend zur Modelleisenbahn Spur1. Die Flitzer aus einem Metallguss-Gehäuse nahmen den Strom über die Stoßstange und Schleifkontakt auf der kupfernen Fahrbahn von der Leitung am Fahrbahnrand auf. Durch einen permanenten leichten Lenkeinschlag der Vorderräder nach rechts wurden sie in der Bahn gehalten. Das Konzept war allerdings nicht sehr erfolgreich, denn die beiden Wagen mussten wegen des Konstruktionsprinzips in entgegengesetzte Richtungen fahren.
Unter Strom: In den dreißiger Jahren stellte Tipp & Co. passend zur Modelleisenbahn Spur0 diese Rennstrecke "Reichsautobahn" her. Über die isolierte Mittelschiene wurden die Stahlblechwagen mit Strom versorgt, während die Spurführung über die Ränder in der Fahrbahnrinne erfolgte, durch welche ebenfalls Strom geleitet wurde.
Tuning: Ein Mini-Porsche wird von seinem Fahrer für die Rennstrecke feinjustiert
Rennmetropole im Rhein-Kreis Neuss: Zur Hochzeit der Slot-Car-Begeisterung wurden auf der Bahn in Kaarst internationale Rennen ausgefahren
Liebe zum Detail: Ein Carrera-Modelauto rast an einer aufwendig gestalteten Kulisse vorbei
Optimierte Renner: Wenn sich Profis mit den Carrera-Flitzern auseinandersetzen, bleibt von den Autos meistens nur die Verkleidung erhalten. Technik und Fahrwerk werden optimiert und sogar die Reifen speziell zurechtgeschliffen.
Im Rampenlicht: In dieser Szene aus der englischen TV-Serie "Die Zwei" mit Tony Curtis (links) hatte auch die Mini-Rennbahn einen großen Auftritt