Hamburger Elbtunnel Das Rohr zur Welt
Durchbruch: Am 29. März 1911 wurde die erste der beiden Tunnelröhren durchbrochen. An den Landungsbrücken kam es anlässlich des historischen Ereignisses zu einem Festakt, bei dem Bürgermeister, Senatoren und Bürgerschaftsabgeordnete anwesend waren. Endgültig geöffnet wurde der Tunnel am 7. September 1911.
Licht nicht nur am Ende des Tunnels: Der alte Elbtunnel, hier um 1920, bezog seine Faszination auch immer aus dem einzigartigen Spiel der Glühbirnen. Um die Stromversorgung zu gewährleisten, wurden auf der Südseite eigens ein Kraftwerk und ein Batteriehaus errichtet. Das sollte den Tunnel unabhängig machen von möglichen Ausfällen des öffentlichen Stromnetzes.
Andrang: Radfahrer an einem Werktag morgens um 6.30 Uhr am Elbtunneleingang St. Pauli. Bei der Fertigstellung des Tunnels waren mehr als 50.000 Menschen im Hafen angestellt. Doch der Elbtunnel wurde nicht nur für den Arbeitsweg genutzt. Das Bauwerk war auch ein beliebtes Ziel für Familienausflüge und Touristen.
Wanderarbeiter: Beim Elbtunnelbau wurden insgesamt etwa 4400 Arbeiter eingesetzt. Die allermeisten davon waren allerdings keine Hamburger, sondern Wanderarbeiter aus Polen, Russland, Italien oder Skandinavien. Laut Buchautor Witthöft seien diese anspruchloser gewesen als die "gewerkschaftlich straff organisierten" Einheimischen.
Drucksache: Arbeiter im Westtunnel, im Hintergrund ist der Vortriebsschild zu sehen, der sich unter der Elbe voran schob. Druckluft sollte dafür sorgen, dass kein Wasser eindringen konnte. Der Druck betrug 2,4 Atü, die Männer wurden zuvor in Schleusen an die Bedingungen gewöhnt. Wenn der Vortriebsschild eine kleine Strecke zurückgelegt hatte, wurden direkt dahinter vernietete Eisenringe angebracht. Nieten hatten sich zuvor in Belastungstest gegenüber Schrauben als überlegen herausgestellt.
Querschnitt: Eine Postkarte aus den fünfziger Jahren zeigt den alten Elbtunnel im Querschnitt. In 24 Metern Tiefe zieht er sich von den Landungsbrücken bis nach Steinwerder. Ab 1959 erhöhten Rolltreppen in den Schächten die Kapazität des Tunnels um drei Viertel. 650.000 D-Mark kostete der Einbau. Schon bei der Planung des Elbtunnels 1906 seien Rolltreppen erwogen worden, schreibt Buchautor Witthöft. Doch Sicherheitsbedenken ließen die Idee scheitern. Ende des Jahrtausends wurden die verschlissenen Rolltreppen dann wieder durch Treppen ersetzt.
Kostenlos für Millionen: Der alte Elbtunnel, Mitte der dreißiger Jahre. Mehr als zwei Millionen Menschen jährlich nutzten den Tunnel seit der Fertigstellung - und das kostenlos. Dabei hätte nicht viel gefehlt, und auch Fußgänger hätten wie Autos (oder damals Pferdefuhrwerke) bezahlen müssen. Die ursprünglichen Planungen sahen eine Gebühr von drei Pfennigen vor - eine Menge Geld bei einem durchschnittlichen Hafenarbeiterlohn von 14 Mark pro Woche. Schließlich setzten sich die Sozialdemokraten in der Bürgerschaft durch.
Höchster Besuch: Kaiser Wilhelm II. zeigte laut Buchautor Witthöft "allerhöchstes Interesse" am Elbtunnel. Mitte Juni 1910 schaute der Monarch deshalb auch persönlich in Hamburg vorbei. In einer Röhre des Tunnels bekam er vor einer eigens aufgerollten Leinwand einen Lichtbildvortrag über die Baufortschritte zu sehen.
Tunnelwärter: "Der Betriebs- und Schaltvorgang eines Aufzuges ist dann folgender: Der Fahrkorb des Aufzuges steht z. B. eben und soll nach unten gefahren werden. Der Wärter steckt, nachdem er sämtliche Türen geschlossen hat, eine abnehmbare Kurbel auf den Fahrschalter und schließt durch Drehen die Kontakte desselben, dadurch wird der Umschalter des Kontrolleurs auf Niedergang gestellt und die Steuerapparate und Motore erhalten Strom. Der Fahrkorb setzt sich langsam in Bewegung."
(Aus einer Firmenschrift der Firma Otis von 1911. Das Unternehmen hatte die Aufzüge installiert.)
Der Kern der Sache: Für den Elbtunnel ließ Bauleiter Stockhausen auf den beiden Elbseite zunächst Schächte ausheben. Auf der Sankt-Pauli-Seite mussten die Arbeiter aufgrund der besonderen Bodenbeschaffenheit ein besonderes Verfahren anwenden. Es wurde ein Ring ausgehoben und mit Beton gefüllt - erst danach wurde der Erdkern ausgehoben.
Ein kleines Loch für den Tunnel, ein großes Loch für die Hamburger: Der Festakt am 29. März 1910 anlässlich des geplanten Durchbruchs war sorgsam vorbereitet. Mit Dynamitpistolen sollten nach und nach Löcher in die dünne Restwand geschossen und diese damit zum Einsturz gebracht werden. Zunächst bestand nur Horchkontakt, schließlich wurden...
...die ersten kleinen Löcher in die Wand gesprengt. Endlich, kurz nach 12 Uhr,...
...öffnete sich der Tunnel endgültig. Buchautor Witthöft zitiert in "Der Alte Elbtunnel - ein schönes Stück Hamburg" den "Hamburger Correspondent" zu dem historischen Moment: "Inzwischen hatten sich die Teilnehmer über die Treppe zur Schachtsohle begeben, um die vom jenseitigen Ufer der Elbe durch den Tunnel gekommenen Herren der Bauleitung zu begrüßen. Oberingenieur Beck hielt eine kurze Ansprache und dann vergrößerten die Arbeiter mit wuchtigen Schlägen die Öffnung. In diesen eigenartigen Rahmen trat dann Töchterchen Anna, das zur Erinnerung an die Mitwirkung an diesen denkwürdigen Augenblick einen großen Strauß Rosen erhielt."
Steinwerder: Die Einfahrthalle Steinwerder am 30. November 1911, dem Tag, an dem der Elbtunnel für den Fuhrverkehr geöffnet wurde. Die Halle auf der Südseite der Elbe wurde im Zweiten Weltkrieg bei Luftangriffen teilweise zerstört und das Kuppeldach danach durch ein Flachdach ersetzt.
Verschlungene Wege: Nur 1,40 Meter breit waren die Treppen in den Tunnelschächten, die die Fußgänger neben den Lastenaufzügen benutzen konnten. Ein Reporter des "Hamburger Fremdenblatts" schilderte 1911 seine Begehung des Schachtes vor der offiziellen Eröffnung: "Am Eingang zum Tunnel sind zwei Wärter in der schmucken graugrünen Uniform der Aufsichtsbeamten des Elbtunnels aufgestellt, die in strammer Haltung den Besuch (Mitglieder der Bürgerschaft mit ihren Damen) begrüßen. Einhundertdreiunddreißig Stufen geht es dann auf schön geschwungenen Treppen in die Tiefe. Eine herrliche Kühle umfängt uns. Die Menschen, die dort unten auf dem Grunde der Halle ihrer Arbeit nachgehen, erscheinen ordentlich klein, und erst wenn wir zu ihnen hinabgestiegen sind, wachsen sie zu ihrer natürlichen Größe auf."
Schnitt im Schacht: Ein Tunnelschacht des Elbtunnels. Gut zu erkennen sind die zwei Fahrkörbe und die Gegengewichte. Die Preise für die Benutzung des Tunnels richteten sich bei Lastwagen zunächst nach dem Gewicht. 4 Mark waren maximal zu zahlen, Hundehalter mussten für ihre Vierbeiner zehn Pfennig hinlegen.
Prämien für Druck: Um die Arbeiter für die schwere und gefährliche Arbeit mit der Druckluft zu gewinnen, zahlte der Auftraggeber jedem Mann 100 Mark "Druckluftprämie" pro Monat. Nach der Beinahekatastrophe im März 1909 erhöhte sich zudem das Gehalt für jeden Arbeiter auf das Doppelte - jedenfalls für die Männer, die nass wurden.
Der alte Elbtunnel in der neuen Zeit: Der Name alter Elbtunnel war 1975 als Abgrenzung zu einem weiteren Elbtunnel nötig geworden. Dieser wurde 1968 begonnen und ist drei Kilometer lang, ein Drittel der Strecke verläuft unter der Elbe. Der größte Unterschied zwischen den beiden Elbquerungen ist aber nicht die Länge: der neue Tunnel ist für Fußgänger gesperrt.
Glänzend: Ein Blick in den Alten Hamburger Elbtunnel. Die Luftfeuchtigkeit ist an den Wänden und auf dem Boden kondensiert und verleiht so den Lichtern des Tunnels einen zusätzlichen Reiz.
Golden: Der Alte Elbtunnel in Hamburg lockt wegen seiner besonderen Lichtverhältnisse viele Fotografen an - auch Jean-Pierre Seitz, der im November 2010 dieses Bild machte.