Modeillustrationen Mode ohne Topmodels
Gelb vor Gelb: Die Designerin Madeleine de Rauch war in den vierziger Jahren für ihre mondänen Abendkleider ebenso bekannt wie für ihre sportlichen Looks für jeden Tag. Ihre Entwürfe sehen auch heute noch erstaunlich modern aus, wie auf dieser Illustration von Darani, die 1949 in "L'Officiel" erschien.
Collection Rolf Heyne
"Le Bassin d'Argent": Diese Zeichnung eines Dinnerkleids aus schwarzem Satin mit jadegrünen, breiten Fransenbändern erschien im Februar 1920 in der "Gazette de bon ton". Sie stammt von dem Illustrator Benito, der auch zahlreiche Cover für die "Vogue" im Art-Deco-Stil gestaltete.
Für den Gala-Abend: Der französische Zeichner Leon Benigni gestaltete Modezeichnungen und Cover für "Vogue", "Harpers Bazaar" und verschiedene andere Zeitschriften. Hier zu sehen sind zwei Modelle mit Graufuchs, Silberfuchs und Hermelin vor einem typischen Art-Deco-Hintergrund aus der "Femina".
Segeltörn: Dieses Cover der "Femina" wurde von Jaques Demachy gestaltet, der während seiner langen Karriere auch für die "Gazette du bon ton", "Harpers Bazaar" und "Vogue" arbeitete.
Wohlbehütet: Der ungarische Marcel Vertès kam 1925 nach Paris, wo er schnell zu einem gefragten Künstler wurde, der nicht nur Zeitschriften und Bücher illustrierte, sondern später auch Kostüme und Bühnenbilder für Theater, Ballett und Film entwarf. Diese Vertès-Zeichnung einer Kappe der französischen Designerin Caroline Reboux aus Kornblumen und Stroh erschien im Juni 1938 in "Harpers Bazaar".
Aufeinander abgestimmt: Am Rande dieser Illustration von Marcel Vertès aus "Harpers Bazaar" wurde vermerkt, wie gut der Lippenstift und Nagellack der Firma Cyclax mit dem Namen "Brillant" zu dem gezeigten Hutband passen.
In einem Meer von Kleid: Die Künstlerin Ruth Freeman zeichnete für Zeitschriften wie "Vogue", "Good Housekeeping", "Harpers Bazaar" und "She", sie berichtete aber auch für Zeitungen über die Pariser Modenschauen und arbeitete in der Werbung. Diese bauschig-leichten Abendkleider nach einem Entwurf von Arthur Banks malte sie 1951 für Werbematerial des Kaufhauses Harrods.
Mädchen vor Fotomontage: Der japanische Künstler Junichi Nakahara verwendete 1960 für diese Zeichnung eines Mädchenkopfs typische Manga-Elemente - große Augen, kleine Nase, kleiner Mund. Nakahara war in den Fünfzigern und Sechzigern eine Sensation in Japan, da er die traditionelle mit der westlichen Ästhetik in seinen Modearbeiten kunstvoll miteinander kombinierte.
Fließende Linien: In den sechziger Jahren war eigentlich schon die Fotografie das gängige Mittel zur Illustration von Modemagazinen. Einige Redakteure bevorzugten jedoch weiterhin die besondere Aura von Zeichnungen. Für den "Observer" zeichnete die Künstlerin Bobby Hillson 1965 die Pariser Kollektion noch mit Kohle auf Papier.
Farbenprächtige Inspiration: Caroline Smith kombinierte 1965 in dieser Pop-Art-Zeichnung für "The Queen" ein Kostüm von Deliss mit der britischen Flagge, dem Symbol des "Swinging London", und einem miniberockten "Dolly Bird". Das Modepüppchen, dessen Gesicht mit Herzen bemalt wurde, nahm schon den Hippiestil vorweg.
Farbenfroh: Während der sechziger und siebziger Jahre erschienen viele Illustrationen von Caroline Smith in Magazinen wie "Vogue". Die Künstlerin änderte über die Jahre mehrmals ihren Stil, ihre klare Strichführung behielt sie aber immer bei - wie bei dieser Zeitung von 1970 für "Destiny".
Da ist Musik drin: Nicht für eine Modezeitschrift, sondern für den Flyer eines beliebten Londoner Clubs gestaltete Jason Brooks 1996 diese Illustration. Die Farbflächen wurden dafür mit Photoshop digital in die Linienführung eingefügt.
Rosendekolleté: Der in Tokio aufgewachsene Illustrator Pater Sato war in den achtziger und neunziger Jahren in Japan sehr erfolgreich. Seine Arbeiten wurden immer wieder in Europa, in den USA und in Japan ausgestellt und veröffentlicht.
Tony: Die Künstlerin Jo Brocklehurst wurde schon als die "inoffizielle Chronistin der Clubcultur" bezeichnet, da sie immer wieder Modelle in Clubs fand. Auch die Mitglieder einer Gruppe Hausbesetzer, die ihr gegenüber einzogen, saßen 1982 für sie Modell.
Eleganter Kopf: Robert Melendez war lange Zeit als Illustrator bei "Womens Wear Daily" fest angestellt. Für die Zeitschrift zeichnete er in den Achtzigern mit Kohle auf Pastellpapier dieses Klunkerhalsband mit Hochsteckfrisur. Die Zeichnung zierte dann 2006 das Cover eines Ausstellungskatalogs der Promi-Haarpflegemarke Bumble & Bumble in New York.
Izzy im Disco-Outfit: Jo Brocklehurst zeichnete Anfang der neunziger Jahre diese Rüstung namens "Way of the Wyrd", die Anthony Gregory aus einem Stahlgerüst gefertigt hatte. Getragen wurde sie über einem Lycra-Body auf dem "Rubber-Ball", einem jährlich stattfindenden Fest für Fetischkleidung im Londoner Hammersmith Palais.
Schwarz auf Rot: Der Grafiker David Dowton ist gegenwärtig einer der bekanntesten britischen Mode-Illustratoren. Seine Bilder sind eine Hommage an die großen Namen der Vergangenheit mit einer modernen Botschaft. Dieses Modell von Valentino malte er 1999 mit schwarzer Tusche und Ölpastell auf rotes Papier mit Acetatfolie.
Mode-Ikone: Kate Moss posierte 1999 in einem schmalen, schwarzen Etuikleid von Jean-Paul Gaultier für den Zeichner David Dowton.
Die Anfänge der deutschen VOGUE: Die Titelseite VOGUE Nr. 16 von 1928, Signiert von William Bolin (Lebensdaten unbekannt)
Als Francis Lew Wurzburg im April 1928 die Erstausgabe der deutschen VOGUE einführte, geschah das gegen den Rat der US-Chefredakteurin Edna Woolman Chase. Die Vorzeichen deuteten jedoch nicht unbedingt auf ein waghalsiges Experiment des deutschstämmigen Wurzburg hin. Die 1892 in New York gegründete VOGUE hatte zu diesem Zeitpunkt den Sprung nach Europa bereits geschafft. 1916 expandierte sie erfolgreich nach England, vier Jahre später auch nach Frankreich. Außerdem hatte der florierende Verlag in den Goldenen Zwanzigern die nötigen finanziellen Mittel, um einen deutschen Marktstart im großen Stil hinzulegen.
Trotz dieser strategischen Pluspunkte behielt die Vogue-Frontfrau Recht: Bereits nach 19 Monaten mit 34 Ausgaben erschien im Oktober 1929 die vorerst letzte VOGUE in Deutschland. Es gelang ihr nämlich nicht, dem erfolgreichen Ullstein-Verlag und seinem mondänen Gesellschaftsblatt "Die Dame" die Leserschaft und Inserenten abzuringen. Im Nachhinein betrachtet ein Segen für die Marke VOGUE, denn die Vergewaltigungen von Kunst und Kultur während des "Drittes Reiches" wurden ihr damit nicht mehr zugemutet. Erst 50 Jahre später, im August 1979, sollte wieder eine deutsche Ausgabe erscheinen. Zu der Zeit war sie bereits international die Grande Dame der Modemagazine - eine Markenikone.