100 Jahre "Prawda" - DER SPIEGEL
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100 Jahre "Prawda" Als Hitler Russlands Wahrheit druckte

Der Zar fürchtete sie, Lenin schrieb für sie und Stalin ließ ihre Macher erschießen: 1912 wurde die "Prawda" gegründet. Russlands älteste Zeitung sah Revolutionen kommen, Diktatoren gehen - und galt im Zweiten Weltkrieg sogar kurzfristig als Verbündete Hitlers.
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Provokante Schriften: Aus dem Exil, einem Dorf bei Krakau in Österreich-Ungarn, schickte Wladimir Iljitsch Uljanow - Lenin - der "Prawda"-Redaktion regelmäßig Manuskripte mit polemisch-provokanten Attacken gegen das herrschende System. Lenin war zeitweise Herausgeber der "Prawda". Die Aufnahme entstand circa 1920.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Gipfeltreffen: Die Titelseite einer "Prawda"-Ausgabe zeigt den Ministerpräsidenten der Sowjetunion von 1930 bis 1941, Wjatscheslaw Molotow, im November 1940 zusammen mit Adolf Hitler in der Berliner Reichskanzlei. Molotow, mit bürgerlichem Namen Wjatscheslaw Skrjabin, gründete die "Prawda" 1912 als junger Student. In späteren Jahren propagierte er in dem Blatt den Personenkult um Josef Stalin als dessen enger Vertrauter.

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Tod des sozialistischen "Führers": Der Tod Josef Stalins am 5. März 1953 wird auf dem Titelblatt der "Prawda" noch am selben Tag verkündet. Nach dem Tod des Diktators degeneriert das kampfeslustige Staatsorgan mehr und mehr zum bürokratischen Verlautbarungsblatt.

Foto: AFP
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Propagandafälschung: Die Titelseite der "Prawda"-Ausgabe vom 28. August 1941 ließ die Leser stutzen. In ihrer Zeitung lasen sie: "Werktätige aller Länder, vereinigt Euch zum Kampf gegen den Bolschewismus!" Die Bildunterschrift des Porträts Adolf Hitlers lautet: "Der oberste Führer der deutschen Armee, die siegreich auf ihrem Kreuzzug gegen den Weltfeind der Menschheit voranschreitet - gegen den Bolschewismus."

Die Deutschen-freundlichen Berichte erschienen jedoch nicht etwa in der echten "Prawda", sondern in einer von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken gefälschten Ausgabe, die die Wehrmacht kostenlos unter der russischen Bevölkerung verteilte.

Signatur im Bundesarchiv: RW 4/233K

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"Kecker Kavallerist": Die Karikatur in dieser gefälschten "Prawda"-Ausgabe vom 28. August 1941 mit der Überschrift "Ein kecker Kavallerist auf dem Meer" verspottet den sowjetischen Oberbefehlshaber der südlichen Front in der Ukraine, Marschall Semjon Budjonny.

In der Unterzeile heißt es: "Die geohrfeigten Armeen Marschall Budjonnys wurden ins Schwarze Meer geworfen." Der vierzeilige Reim darunter lautet in etwa: "Der ins Meer geworfene Truppenführer Budjonny hat als 'Schwadronswachtmeister' sein Pferd in einen Kahn verwandelt und dümpelt dahin, wie die Wellen nur wollen..."

Sigantur im Bundesarchiv: RW 4/233K

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Passierschein: In der von den Nationalsozialisten gefälschten "Prawda"-Ausgabe vom August 1941 mit einer Auflage von bis zu 25.700, die die Wehrmacht kostenlos unter der russischen Bevölkerung verteilte, fand sich auf der letzten Seite dieser zweisprachige Passierschein. In dem Aufruf darüber heißt es: "Rotarmisten! Mit diesem Passierschein werdet Ihr von den Deutschen freundlich empfangen!"

Und der Text in kleinerer Schrift: "Soldaten-Rotarmisten! Wenn Ihr Eure Heimat liebt und für Euch und Eure Angehörigen ein helles und glückliches Leben ohne die bolschewistische Knute wollt, werft Eure Waffe fort und lauft zu den Deutschen über! Reißt den beiliegenden Passierschein aus und bewahrt ihn auf. Mit einem einzigen Passierschein kann eine unbeschränkte Anzahl von Offizieren und Soldaten der Roten Arbeiter- und Bauern-Armee auf die Seite der deutschen Truppen übergehen!" Die Wehrmacht verteilte solche Passierscheine auch in Form von Flugblättern.

Signatur im Bundesarchiv: RW 4/233K

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Nikolai Bucharin: Das Porträt zeigt den "Prawda"-Herausgeber Nikolai Iwanowitsch Bucharin um 1920. Von 1917 bis 1929 war er in dieser Funktion tätig und leitete zudem die Redaktion auch als Chefredakteur. Stalin ließ den Oppositionellen 1938 nach einem Schauprozess erschießen.

Foto: Getty Images
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Regierungsspitze: Die Aufnahme vom 1. Mai 1934 zeigt von rechts den damaligen sowjetischen Ministerpräsidenten Wjatscheslaw Molotow, Josef Stalin, den Verteidigungsminister Kliment Woroschilow und den Volkskommissar für die Schwerindustrie, Grigori Ordschonikidse. Die Politiker winken von der Tribüne des Lenin-Mausoleums auf dem Roten Platz. Molotow und Stalin hatten bei der "Prawda" eine gemeinsame Vergangenheit - beide schrieben von Anfang an für die Zeitung.

Foto: AP
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Parteiblatt: Zwei ältere russische Herren lesen am Morgen des 29. Oktober 1962 in einem Moskauer Park eine Ausgabe der "Prawda". Die Überschriften berichten von geheimen Verhandlungen zwischen US-Präsident John F. Kennedy und dem sowjetischen Regierungschef Nikita Chruschtschow während der Kuba-Krise. Chruschtschow hat zu diesem Zeitpunkt eingewilligt, die Raketen auf der kubanischen Militärbasis entfernen zu lassen. Dieses Einlenken wird von der russischen Presse als überwältigender Beitrag der Sowjetunion zum Weltfrieden gefeiert.

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Karl Radek: Unter Stalin mussten die als oppositionell geltenden "Prawdisten" nicht selten um ihr Leben fürchten. Der russische Journalist Karl Radek, aufgenommen im März 1919, war ebenfalls für die "Prawda" tätig. Er wurde 1937 in einem Schauprozess verurteilt. Doch dem Anhänger Trotzkis blieb die Todesstrafe erspart. Er erhielt zehn Jahre Lagerhaft.

Foto: Getty Images
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Bucharin mit Lenins Schwester: Der russische Politiker und Journalist Bucharin, aufgenommen am 1. Mai 1924 neben Lenins Schwester Maria Uljanowa. Beide waren zu jener Zeit prominente Mitglieder der "Prawda"-Redaktion. Der Titel der Zeitung hat übrigens mehrere Bedeutungen. "Prawda" heißt "Wahrheit" oder auch "Gerechtigkeit".

Foto: Getty Images
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Verbrennung der "Prawda": Streikende Mitarbeiter der West-Berliner S-Bahn verbrennen am 22. Mai 1949 sowjetisch lizenzierte Berliner Zeitungen und Exemplare der "Prawda", die sie in einem Zug im britischen Sektor Berlins entdeckt hatten. Die Arbeiter wurden bisher in Ostmark entlohnt, was zu hohen Umtauschverlusten führte. Sie streikten für eine vollständige Bezahlung in Westmark.

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Soldaten beim Zeitunglesen: Soldaten der sowjetischen Besatzungstruppen in der Tschechoslowakei lesen im August 1968 die "Prawda"

Foto: AP
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Beliebte Tageszeitung: Am 11. Oktober 1983 lesen zwei junge Männer die neueste Ausgabe der "Prawda" an einem öffentlichen Aushang an einer Straße in Moskau

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Nicht länger offizielles Parteiorgan: Die Ausgabe der "Prawda" vom 23. August 1991 zeigt Michail Gorbatschow und Boris Jelzin auf der Titelseite. Die Zeitung war 78 Jahre lang das offizielle Veröffentlichungsorgan der kommunistischen Partei gewesen, bis der damalige Präsident Jelzin diesen Status mit dieser Ausgabe aufhob.

Foto: AFP
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