100 Jahre Sechstagerennen Fahren, feiern, umfallen
Rütt und Clark: Einer der großen Helden des Berliner Sechstagerennens war Walter Rütt. Insgesamt errang der deutsche Radrennfahrer 933 Siege, fünf davon beim Berliner Sechstagerennen. Auf dem Bild ist er (1) mit seinem damaligen Teamkollegen Jack Clark (2) nach seinem ersten Sieg bei den Berliner Sixdays 1910 zu sehen.
Am Start: Gespannt drängeln sich Fahrer und Betreuer an der Startlinie des 27. Berliner Sechstagerennens 1932 im Sportpalast. Die sogenannten Sixdays waren allerdings nicht nur bekannt für die aussergewöhnliche Leistung der Fahrer, sondern auch für das exzessive Treiben auf den Rängen. Diese Art der Massenunterhaltung war den Nazis ein Dorn im Auge. 1934 verboten sie die Sixdays.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 102-13120
Die Sixdays in New York: Der Madison Square Garden ist die Wiege des Sechstagerennens. Hier wurde 1898 auch die Regel erfunden, dass Sixdays in Zweier-Teams bestritten werden, die sich mit dem Fahren abwechseln. Nach dem Veranstaltungsort benannt heißt diese Spielart des Bahnrennens bis heute "Madison". Dieses Bild zeigt den Startschuss der New Yorker Sixdays 1932.
Sechs Tage im Zoo: In den ersten Jahren fand das Berliner Sechstagerennen noch in den Ausstellungshallen am Zoo statt, zog aber 1911 in den kurz zuvor gebauten Sportpalast um.
Sieger: Jack Clark und Fred Hill posieren 1913 als die stolzen Sieger des 6. Berliner Sechstagerennens.
Kronprinz Wilhelm von Preußen: Der Sohn Kaiser Wilhelms II. war ein großer Fan des Berliner Sechstagerennens. Bei den ersten Sixdays 1909 erschien er gleich dreimal - und machte den Event, der zuvor in Europa als Menschenschinderei galt gesellschaftsfähig.
Durststrecke: Der Blick auf die Rennbahn im Sportpalast während des 31. Berliner Sechstagerennens 1949. Es war das erste Rennen, das nach dem zweiten Weltkrieg ausgetragen wurde.
Das erste Rennen in Europa: Aus den USA waren Berichte über Sechstagerennen bekannt geworden, in denen von unmenschlichen Anstrengungen, Tobsuchtsanfällen der Fahrer und Todesfällen erzählt wurde. Das Rennen war der öffentlichen Meinung in Deutschland nach eine Menschenschinderei ohne sportlichen Wert. Trotzdem waren die Ränge voll als am 15. März 1909 15 Mannschaften zum ersten europäischen Sechstagerennen in den Berliner Ausstellungshallen am Zoo antraten. Das Rennen gewannen die Amerikaner Jimmy Moran (hier in der Zeichnung zu sehen) und Floyd Mac Farland.
Radzirkus heute: Beim 97. Berliner Sechstagerennen im Januar 2008 drehen die Fahrer ihre Runden durch das Velodrom. Heute sind Material und Betreuung weit besser als vor 100 Jahren, die Fahrer erreichen Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 50 Kilometern pro Stunde. Trotzdem wurde der Streckenrekord für Sechstagerennen, den Richard Huschke und sein Partner Franz Krupkat 1924 in Berlin aufstellten nie geschlagen - in 144 Stunden legten sie 4544,2 Kilometer zurück.
Schriftsteller Ernest Hemingway: Der amerikanische Autor war ein ausgesprochener Fan der Sixdays. Seinen Roman "In einem fremden Land" las er in einer Loge an der Ziellinie eines Sechstagerennens in Paris Korrektur. Immer wieder begann Hemingway auch, Geschichten über diese Extremform des Radsports zu schreiben. Doch er kam zu dem Schluss: "Ich werde nie eine schreiben können, die so gut ist wie das Rennen selbst."
Bei 50 Sachen aus dem Tritt: Gefährliche Stürze und Unfälle sind beim Sechstagerennen an der Tagesordnung - vor hundert Jahren genauso wie heute.
Rasender Reporter in der elliptischen Tretmühle: Der Reporter Egon Erwin Kisch war 1923 bei dem Berliner Sechstagerennen und verfasste anschließend eine mitreißende Reportage über die "elliptische Tretmühle". Für den "rasenden Reporter" war die Veranstaltung mit ihrem Treiben auf der Bahn und in den Rängen ein Sinnbild ihrer Zeit. Er schrieb: "Die Rennbahn mit ihren strampelnden Trikots ist Manometerskala einer Menschheit, die mit Wünschen nach äußerlichen Sensationen geheizt ist, mit dem ekstatischen Willen zum Protest gegen Zweckhaftigkeit und Mechanisierung."
Teufels-Spielzeug: Bis in die achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts hinein galt das kostspielige und schwierig zu fahrende Hochrad ausschließlich als Spielerei und Sportgerät für schräge Vögel und Reiche. Seinen Durchbruch feierte das Radeln erst zehn Jahre später, als das Niederrad und die Luftreifen erfunden waren. Viele Deutsche hielten das "Velociped" trotzdem auch Ende des 19. Jahrhunderts noch für eine Erfindung des Teufels.
Frühes Fahrradrennen im Madison Square Garden: Die ovale Holzbahn im Madison Square Garden ist die Geburtsstätte des Sechstagerennens. Bereits 1891 fanden hier die ersten Sixdays statt. Allerdings setzte sich damals noch ein Mann allein den Strapazen des 144-Stunden-Wettrennens aus.
Sieger und Verlierer: Die Champions des 2. Berliner Sechstagerennens von 1910 Walter Rütt und Jack Clark mit ihren Konkurrenten in den Hallen am Zoo.
Ausgelaugte Sieger: Eddie Madden und Alfred "Alf" Goullet siegen 1921 beim New Yorker Sechstagerennen im Madison Square Garden. Die Erschöpfung steht den Fahrern ins Gesicht geschrieben.