100 Jahre Weimarer Republik - DER SPIEGEL
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Weimarer Republik Politik zwischen Ballett und Chor

Am 6. Februar 1919 tagte erstmals die deutsche Nationalversammlung - im beschaulichen Weimar statt in der Hauptstadt. Es war keine Flucht aus Berlin: Die Entscheidung für die thüringische Provinz hatte andere, gute Gründe.
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Eröffnung in Weimar: Am 6. Februar 1919 nahm die Verfassungsgebende Deutsche Nationalversammlung in Weimar ihre Arbeit auf. Kurz zuvor hatte sich das Weimarer Hoftheater in Deutsches Nationaltheater umbenannt. In der Bildmitte steht Friedrich Ebert, der Vorsitzende des Rates der Volksbeauftragten, am Rednerpult bei seiner Eröffnungsansprache. Für die Entscheidung, statt in der Hauptstadt in Weimar zu tagen, gab es gute Gründe.

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Revolution: Nach dem Sturz der Monarchie und der Ausrufung der Republik sollte eine demokratisch gewählte Nationalversammlung über die politische Zukunft entscheiden. Im Bild: Matrosen und Arbeiter am 9. November 1918 in Berlin auf der Straße "Unter den Linden" vor der sogenannten Kommode, in der heute die Juristische Fakultät der Universität ihren Sitz hat. Der Fahnenträger war der Kieler Matrose Johann Marx.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/ Photothek Willy Römer/ Gebrüder Haeckel
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Rosa Luxemburg: Die KPD-Gründerin (Aufnahme um 1918) setzte auf Gewalt statt auf Wahlen, sie agitierte für die proletarische Revolution und gegen die parlamentarische Demokratie. Über die Verfechter einer demokratisch gewählten Volksvertretung spottete sie am 20. November 1918 in der von ihr mitgegründeten Zeitung "Rote Fahne": "Das Geschlecht der (...) kleinbürgerlichen Illusionisten und Schwätzer von 1848 ist nicht ausgestorben."

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Spartakus-Aufstand: Anfang Januar 1919 versuchten Linksradikale in Berlin den gewaltsamen Aufstand. Besonders umkämpft war das Zeitungsviertel der Stadt. Diese Gewalt verstärkte in West- und Süddeutschland Vorbehalte gegen die Hauptstadt und eine Nationalversammlung in Berlin.

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Friedrich Ebert: Der Sozialdemokrat und führende Kopf der Übergangsregierung drängte auf die rasche Wahl einer Nationalversammlung, um den Zerfall Deutschlands zu verhindern. Nicht mit Gewalt, sondern mit dem Stimmzettel sollten die Deutschen aller Landesteile und aller politischen Lager über die Zukunft Deutschlands mitentscheiden.

Foto: imago/ United Archives International
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Zusammenhalt: Das Werbeplakat der Reichsregierung aus dem Januar 1919 zeigt, wie stark die Wahl der Nationalversammlung als Instrument für den politischen Zusammenhalt verstanden wurde.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/ Kunstbibliothek/ SMB
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Wahltag: Am 19. Januar 1919 wählten fast 37 Millionen Deutsche - darunter erstmals auch Frauen - ihre Volksvertretung. Weil es noch keine amtlichen Stimmzettel gab, sondern die Wähler diese selbst mitbringen mussten, verteilen Werber der Parteien Stimmzettel vor dem Wahllokal, so auch der Junge links im Bild vor einem Wahllokal in Berlin.

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Votum für Würzburg: Aus Sicht von Kurt Eisner, des neuen bayerischen Ministerpräsidenten, gingen die Veränderungen in Berlin viel zu langsam. Er wollte die politische Neuordnung selbst in die Hand nehmen und schürte in Bayern eine "Los von Berlin"-Stimmung. Eisner sprach sich dafür aus, die Nationalversammlung in Würzburg tagen lassen.

Foto: ullstein bild/ Roger-Viollet Albert Harlingue
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Curt Baake: Der Chef der Reichskanzlei hatte die Idee, die Nationalversammlung nach Weimar zu berufen - nicht nach Preußen und nicht nach Bayern. Der frühere Journalist und Theaterkritiker war in den Tagen der Revolution der engste Berater von Friedrich Ebert.

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Gruppenbild mit Dame: Anfang Februar 1919 reisten Volksvertreter aus allen Teilen Deutschlands zur Nationalversammlung nach Weimar. Das Bild zeigt SPD-Abgeordnete am Potsdamer Bahnhof, darunter eine der 37 Frauen, die erstmals in das deutsche Parlament gewählt worden waren.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/Kunstbibliothek/ SMB/ Photothek Willy Römer
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Herren und Damen: Der Weimarer Theatersaal wurde zum Plenarsaal der Nationalversammlung. Unten am Bildrand sitzt Marie Juchacz (3. von rechts). Die Sozialdemokratin war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament sprach. Als sie mit der Anrede "Meine Herren und Damen" begann, verzeichnete das Protokoll "Heiterkeit".

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Schutz: Damit die Volksvertreter in Weimar ungestört arbeiten konnten, sicherten Soldaten von einem Nachbargebäude aus den Eingang des Nationaltheaters. Auch 50 Berliner Polizisten in Zivil wurden auf Bitten der Landesregierung nach Thüringen entsandt.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/ Kunstbibliothek/ SMB/ Photothek Willy Römer Kunstbibliothek/ SMB/ Photo
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Demokratische Regierung: Die von Nationalversammlung gebildete neue Reichsregierung tagte erstmals am 13. Februar 1919 im Weimarer Schloss. Philipp Scheidemann (4. von links) wurde "Präsident des Reichsministeriums"; links stehend ist Hugo Preuß, Innenminister und Vater der Weimarer Verfassung, zu sehen.

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Weltstadt Weimar: Das Bild zeigt ausländische Journalisten auf den Stufen des Nationaltheaters im Sommer 1919. Die Nationalversammlung rückte Weimar erneut in den Blick der Welt. Nachdem das Parlament die neue Verfassung beschlossen hatte, druckte die "New York Times" den kompletten Text in englischer Übersetzung ab.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/ Kunstbibliothek/ SMB/ Photothek Willy Römer
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Kehraus: Am 21. August 1919 trat die Nationalversammlung ein letztes Mal im Weimarer Nationaltheater zusammen, um den zum Reichspräsidenten gewählten Friedrich Ebert auf die neue Verfassung zu vereidigen. Aus dem Fenster im Giebel des Hauses hängen die Farben der demokratischen Republik: Schwarz-Rot-Gold.

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Es lebe die Republik: Mit einem Hoch auf die Republik und die Verfassung verabschieden sich am 21. August 1919 die Abgeordneten der Nationalversammlung von den Einwohnern Weimars. Auf dem Balkon des Nationaltheaters stehen in der Mitte Reichspräsident Friedrich Ebert und Constantin Fehrenbach, der Präsident der Nationalversammlung.

Foto: Getty Images/ Universal History Archive
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