"100 Tage Amazonien" Menschen am Fluss
Leben unterm Regenbogen: Für sein Buch "100 Tage Amazonien" ist der deutsche Fotograf York Hovest monatelang durch Peru, Brasilien, Venezuela und Ecuador gereist und hat die am Ufer des Amazonas lebenden Menschen getroffen.
Hovest hat die Stämme bei ihren Ritualen und im Alltag beobachtet. Mit den Kindern des Matsé-Volks sprang er zusammen in den Amazonas. Sie nutzen "das kühlende Wasser auch gerne als Spielplatz", und nicht nur, um sich morgens zu waschen, schreibt Hovest in seinem Buch.
York Hovest hat Menschen porträtiert, die noch nie eine Kamera gesehen haben. "Ein sensibles Thema", sagt der in München lebende Fotograf. "So ein Bild entsteht bei mir immer aus einer gewissen Vertrautheit heraus. Ich habe tagelang mit den Menschen im Dorf verbracht, bevor es zu solchen Aufnahmen kam."
"Die meisten Indigenen waren fasziniert von meiner Kameraausrüstung oder Dingen wie einem Reißverschluss", sagt Hovest. "Die Kinder waren besonders neugierig und gingen oft ohne Scheu auf mich zu."
Der Fokus lag bei seiner Fotoreise auf den Menschen am Amazonas. Doch die Schönheit der Natur hat auch ihren Platz in Hovests Buch. Wo Frischwasser aus dem Erdreich sprudelt, gibt es kristallklare Gewässer wie dieses hier - mitten im brasilianischen Regenwald.
Während seines Aufenthalts bei den Urvölkern legte auch der Fotograf seine Kleidung ab - bis auf die Badehose. "Es klingt vielleicht komisch", sagt Hovest, "aber nur so hab ich keine Scham verspürt. Es ist beklemmend, unter hundert Nackten der einzige Mensch mit Kleidung zu sein."
Bandagen an - und los! Wenn die Mehinako das Pequi-Fest feiern, bemalen sich die Männer mit Farbe, die sie aus den roten Urucu-Samen gewinnen. Der Champion des Huku-Huka-Kampfes trägt einen ausgestopften Vogel als Trophäe am hinteren Teil seiner Hüftketten, schreibt Hovest in seinem Buch.
Karibik? Thailand? Nein, diese weißen Strände befinden sich direkt im Dschungel, in Alter do Chão.
Sojafelder aus der Luft: Bilder wie diese zeigen, welchen Schaden der Regenwald in Brasilien bereits genommen hat. Nur wenige Flugminuten von hier lebt das Volk der Xinguano im Dschungel. "Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich Mensch und Maschine dort gegenüber stehen", sagt York Hovest.
York Hovest will mit seinem Bildband zeigen, was Menschen dem Regenwald bisher angetan haben. Doch bei Anblicken wie diesem konnte er auch immer wieder die Schönheit Südamerikas genießen.
Hovest traf Völker wie die Yekuana in Venezuela. Diese Mädchen zeigten ihm stolz ihre von Hand gefertigten Körbe. "Traditionell werden sie mit einer Bandage vor der Stirn gehalten. Auf diese Art können sie schwere Lasten tragen und haben dennoch beide Hände im Wald frei", erklärt er.
Die senkrechte Wand des Sarisariñama-Tepui in Nähe des Dorfes Kanaracuni ist eins der Lieblingsmotive des Fotografen.
Hovest stieg mit einem Yanomami-Jäger auf den Tafelberg, wo dieser mit Pfeil und Bogen Vögel erlegte.
York Hovest kam bei seiner Reise durch Südamerika ganz nah an die Menschen heran und machte dabei intime Porträts wie dieses von einem Ye'kuana-Mädchen, das das Gesicht seines Bruders mit einem klebrigen Harz schminkt.
Knallgrün auf Lavaschwarz: Die Landschaften im Amazonasgebiet sind spektakulär. Hier stehen Plamen in den Spalten des vulkanischen Gesteins dicht an dicht.
Auf Wasserwegen drang Hovest immer weiter in den Dschungel vor, so auch in Ecuador. Oft dauerte es wochenlang, bis er Indigene traf.
In Ecuador fotografierte der 38-jährige Fotograf aus München diese Achuar-Mutter, die sich mit Federohrringen schmückt.
Eine Familie der Waorani nahm Hovest mit in den Regenwald, wo die Frauen Körbe aus Palmwedeln flochten und darin Früchte sammelten.