125 Jahre "Diercke-Atlas" - DER SPIEGEL
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125 Jahre "Diercke-Atlas" Die Welt in deiner Hand

Daran haben Schüler schwer zu tragen: Der "Diercke-Weltatlas" bringt seit dem Jahr 1883 die große, weite Welt in Klassenzimmer und Kinderköpfe. Für SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Hans Michael Kloth war der großformatige Klassiker kein schlichtes Schulbuch - sondern ein bebilderter Abenteuerroman.
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Das Deutsche Reich: Die Welt, wie Carl Diercke sie kannte und wie er sie in seinem ersten Atlas 1883 seinen Schülern zeigte, war noch eine ganz andere als heute. Deutschland war ein von Preußen dominiertes Kaiserreich und existierte als Nationalstaat gerade einmal zwölf Jahre.

Foto: Westermann
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Vor dem Krieg: Das Deutsche Reich wie es 1922 in einer Festschrift des Westermann-Verlags dargestellt wurde. Als Folge des verlorenen Ersten Weltkriegs war Deutschland inzwischen Republik und hatte im Osten wie im Westen Gebiete verloren.

Foto: Westermann
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Europa im Krieg: Während des Zweiten Weltkriegs mussten die Atlanten öfter neu gedruckt werden. Diese Europakarte stammt aus dem Diercke-Atlas, der im Herbst 1942 an Schulen ausgegeben wurde und zeigt die zu dem Zeitpunkt anerkannte Grenze des Deutschen Reiches. Die eroberten und besetzten Gebiete wie Skandinavien, Frankreich und die Benelux-Länder zählen nicht dazu, weil sie - anders als etwa die schon 1938 annektierten Teile der zerschlagenen Tschechoslowakei - nur unter Verwaltung durch NS-Deutschland standen, aber nicht formell in das "Dritte Reich" eingegliedert waren.

Foto: Westermann
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Bunt gemustertes Deutschland: Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland auch im Diercke-Atlas erheblich geschrumpft. Die ehemaligen Ostgebiete wurden jedoch als "unter polnischer Verwaltung" und "unter sowjetischer Verwaltung" stehend ausgewiesen. Die Besatzungszonen der vier alliierten Besatzungsmächte sind nicht eingezeichnet - die Briten hatten dies dem Westermann-Verlag offiziell untersagt.

Foto: Westermann
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Zwei Deutschlands: Im Diercke-Atlas von 1985 ist die Welt noch in Ost und West geteilt, und auch Deutschland gibt es zweimal - im Westen die Bundesrepublik und im Osten die Deutsche Demokratische Republik.

Foto: Westermann
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Carl Diercke: Der 1842 geborene Lehrer aus Kyritz in der Ostprignitz brachte 1883 zusammen mit dem Leipziger Kartografen Eduard Gaebler den ersten "Schul-Atlas über alle Teile der Erde" heraus. Zehn Jahre später wurde Diercke Herausgeber des gesamten Atlanten- und Kartenprogramms des Westermann-Verlages, eine Position die er bis zu seinem Tod 1913 behielt.

Foto: Familie Dierck Willemer
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Der Erste: 1883 veröffentlichte der Lehrer Carl Diercke gemeinsam mit dem Kartografen Eduard Gaebler den ersten seiner berühmt gewordenen Atlanten. Bis heute fahren Kinder in den Nachfolgern dieses Werks während der Schulstunde mit ihrem Finger über die Karten und träumen von exotischen Orten.

Foto: Westermann
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Nachkriegswelt: Diese Ausgabe des Diercke-Atlas wurde 1948 von den britischen und amerikanischen Besatzungsbehörden für den Gebrauch an deutschen Schulen zugelassen.

Foto: Westermann
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Neue Weltordnung: Seit den fünfziger bis in die achtziger Jahre hinein erschien der Diercke-Atlas in einem braunen Einband mit goldenen Prägedrucklettern. Generationen von bundesdeutschen Schülern bezogen ihr Geografiekenntnisse aus so einem Diercke.

Foto: Westermann
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Der Neue: Freundlich und bunt kommt der Diercke-Atlas inzwischen daher - und auch zwischen den Buchdeckeln hat sich in den vergangenen 125 Jahren viel geändert.

Foto: Westermann
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Im Schatten der Sonne: Bis heute kann der geneigte Schüler in seinem Diercke-Atlas mehr lernen als nur Länder, Grenzen und Hauptstädte. Bereits in der 1948 erschienenen Auflage wurden auch die Grundlagen der Astronomie vermittelt, wie etwa die Entstehung einer Mond- und Sonnenfinsternis.

Foto: Westermann
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Die Winde der Welt: Auch über die Entstehung von Wetterphänomen kann man im Diercke-Atlas kundig machen.

Foto: Westermann
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Diercke Weltatlas von 1974: Die entscheidende Neuauflage von 1974, die einen Bruch mit der "revanchistischen" Version meiner eigenen Schulzeit (Jg. 1953) darstellte.

Foto: Matthias Reichert
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Screenshot vom Diercke Globus mit physischer Karte: Die Jubiläumsausgabe aus diesem Jahr beinhaltet jetzt auch einen sogenannten Online Schlüssel, mit dem man z. B. diesen schönen Online Globus benutzen kann. Davon waren meine Schüler absolut begeistert. Nicht nur, dass man sich hier alle Atlaskarten angezeigen lassen kann, der eigentliche "Aha-Effekt" ist der, dass man auch eine Reliefdarstellung mit unterschiedlichen Überhöhungsstufen anschalten kann. Dreht man dann die Kugel um den Mittelpunkt, so erlangen die Schüler ein ganz neues räumliches Verständnis. Nicht nur das der Atlas meine Erwartungen bestätigte, mit dieser Onlineanbindung übertraf er sie noch. Für den Unterricht ist die Mischung aus Atlas und Globus unschlagbar.

Foto: Stefan Esser/www.diercke.de
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?