125 Jahre Lippenstift - DER SPIEGEL
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Rote Lippen ...soll man küssen

Verführer, Scheidungsgrund, Grünspan-Giftspritze: Alle bösen Nachreden konnten dem Lippenstift nichts anhaben. Katja Iken und Gesche Sager blicken auf 125 Jahre rote Lippen - und all die Frauen, die für die Farbe auf dem Mund ihr Leben lassen mussten.
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"Zauberstab des Eros": Selten nahm der Lippenstift phallischere Dimensionen an als bei diesem "Lipteese" des Nacktmodels Dita Von Teese am 30. Juli 2007 in Sydney. Sein Spitzname "Zauberstab des Eros" stammt übrigens von der französischen Schauspielerin Sarah Bernardt.

Foto: Kristian Dowling/ Getty Images
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Bleichgesicht: "Lippen sind nicht dazu geschaffen, beige zu sein. Es sei denn, man ist halbtot und liegt im Krankenhaus", sagte Estée Lauder einst und sprach den Frauen aus der Seele. Eigentlich schade, dass die Männer noch immer meist bleichlippig durch die Welt gehen. Jude Law könnte sich ruhig ein Beispiel an seiner Schauspielerkollegin Cameron Diaz nehmen (Foto von 2006).

Foto: REUTERS
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Kussmund: "Achtung, ich bin da", will Sängerin Christina Aguilera den Fotografen bei ihrer Ankunft auf einer Party in Beverly Hills 2007 bedeuten. Obwohl die Farbpalette heutzutage Hunderte von Nuancen umfasst, greifen die Frauen überwiegend zum Klassiker Tiefrot, um Grandezza, Selbstbewusstsein und Sinnlichkeit zu vermitteln.

Foto: REUTERS
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Gute-Laune-Macher: "On a bad day there is always lipstick", lautet der berühmte Werbeslogan der Kosmetikfirma Revlon (Aufnahme von 2007).

Foto: AP
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Romy-Rot: Vermutlich startete auch Romy Schneider ihre Schminkexperimente wie 90 Prozent aller Frauen mithilfe des mütterlichen Farbtopfes. Während sie in frühen Jahren eher helle Töne bevorzugte (das Foto zeigt sie als 16-Jährige), wurde später der schokobraune Lippenstift zum Markenzeichen der Schauspielerin.

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Kussabdruck: Männer mit Lippenstift auf der Backe kriegen manchmal große Probleme - und sehen immer ulkig damit aus. Weshalb der kanadische Ex-Premier Paul Martin (hier noch im Amt 2004) sich flugs eine Serviette greift und den Kussabdruck abwischt.

Foto: ? Reuters Photographer / Reuters/ REUTERS
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Den Göttern ähnlich: Die Ägypter pinselten sich die Lippen an, um so den Göttern ähnlicher zu werden, im antiken Griechenland waren es zunächst vor allem die Hetären, gebildete Prostituierte, die Rouge auflegten, um so ihren Berufsstand weithin sichtbar zu machen. Die Aufnahme zeigt ein Freskofragment aus der Zeit um 1400 v.Chr. und stammt aus dem Palast von Knossos auf Kreta.

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Männer-Make-Up: Während in Ägypten und beispielsweise im Barock auch die Herren herzhaft zur Schminke griffen, war dies danach eher verpönt. Heutzutage jedoch gilt es zunehmend als schick, wenn der "neue Mann" sich ein wenig Farbe ins Gesicht zaubert - etwa mit dem Männer-Make-Up von Gaultier. Das Foto zeigt den mexikanischen Komiker Eugenio Derbez, der sich vor seiner Show "Latinologues" die Lippen nachzieht (Aufnahme von 2005).

Foto: AP
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Rot für die Genossinnen: "Hält", versprechen die Marketing-Experten des DDR-Lippenstiftes der Marke Reichawa auf dieser Werbetafel von 1955.

Signatur im Bundesarchiv: Plak 103-015-017

Foto: Das Bundesarchiv/Vorwerk
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Der Stift im Test: Wie viele Küsse muss eine Frau verteilen, bevor sie ihren Lippenstift endgültig losgeworden ist? Diese und viele anderen Fragen klärten die Mitarbeiterinnen der "US Testing Company" 1955.

Foto: Getty Images
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Kussecht: Dieses französische Plakat von 1955 wirbt für den kussechten Lippenstift. Erfunden hat ihn die die US-amerikanische Kosmetikfirma Maybelline.

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Pinselstrich: Der phallisch aufragende Lippenstift, der seit den Fünfzigerjahren in einer herausdrehbaren Hülle steckt, bekommt zunehmend Konkurrenz von dem Pinsel. Vor allem professionelle Visagisten benutzen ihn, um die Farbe möglichst präzise aufzutragen. Das Foto zeigt ein Model auf der "New York Fashion Week" von 2007.

Foto: REUTERS
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Schmink-König: Ray Judd and Max Factor im Jahr 1932 beim Bestaunen ihrer Lippenstift-Kreationen im kalifornischen Hollywood. Für seine Verdienste im Schmink-Business erhielt Firmengründer Factor, der den Begriff "Make-up" prägte, einen Stern auf dem "Hollywood Walk of Fame".

Foto: Getty Images
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Manche mögen's rot: Einer Umfrage im Auftrag des Cora-Verlags zufolge stehen nur 18,8 Prozent der deutschen Männer auf rote Lippen - im Gegensatz zu 31,6 Prozent der Australier. Dagegen bevorzugen die japanischen Männer Rosa als Lippenstift-Farbe. Das Model aus St. Petersburg bevorzugt ein diskretes orangerot (Foto von 2007).

Foto: REUTERS
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Diven-Utensil: Die Berliner Schauspielerin Dagmar Altrichter beim Nachziehen ihres Lippenstiftes im Jahr 1941. Zwar galt die Schminkerei bei den Nationalsozialisten als unnötiger Tand - vor allem im Filmbusiness wurde dennoch ausgiebig in den Farbtopf gegriffen.

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Todeskuss: Eine Lippenstift-Pistole des sowjetischen Geheimdienstes KGB aus der Zeit um 1965. Die mit einem einzigen Schuss versehene Waffe, genannt "Todeskuss", war ein beliebtes Accessoire der weiblichen Spione im Kalten Krieg.

Foto: REUTERS
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Emanzipiertes Rot: Anfang des 20. Jahrhunderts befreite sich der Lippenstift zunehmend von seinem Schmuddelimage und galt fortan als Symbol von Emanzipation und Selbstbewusstsein. Das Foto zeigt den Entwurf eines Notenheft-Titels zum Slowfox "Das ist der rote Lippenstift" (Musik von Willy Engel-Berger) und stammt von 1927.

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Farbige Klassiker: Lippenstiftherstellung im VEB Berlin-Kosmetik 1957. In der DDR hießen die Lippenstift-Klassiker "Billy", "Sküs" und "Indra".

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Lipstick on your face: Die Lippenstift-Trägerinnen Vicky Keator (li.) und Sue Glad verzieren 1956 in New York ein gigantisches Poster von Präsident Dwight D. Eisenhower.

Foto: AP
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Obacht: Rote Lippen versprühen längst nicht nur Erotik und Sinnlichkeit, Emanzipation und gute Laune, sondern jagen dem Gegenüber manchmal auch eine gehörige Portion Angst ein. Das Foto zeigt ein Outfit des Modelabels Morrigan Hel von 2006.

Foto: Getty Images
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Zum Küssen sind sie da: "Rote Lippen sind erotisch, provokant und niemals unschuldig", sagte Monica Bellucci kürzlich - und sprach eine alte Wahrheit gelassen aus.

Foto: AP
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Konkurrentinnen: Um im holsteinischen Neumünster im April 1970 zur "Nadelprinzessin" gekürt zu werden, bedurfte es nicht nur eines eleganten selbst geschneiderten Kleides, auch das Make-up musste stimmen.

Foto: Arno Freudenhammer/Neumünster-Fotos.de
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?