150 Jahre Telefon - DER SPIEGEL
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Das erste Telefon Bei Anruf ausgelacht

So eine irrwitzige Konstruktion! Aus einer Geige, einer Stricknadel und der Blase eines Hasen bastelte der Deutsche Philipp Reis 1861 das erste Telefon der Welt. Die Presse jubelte, doch die Wissenschaft belächelte den genialen Tüftler. Dann verdiente ein Schotte mit der Idee Millionen.
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Tele-Adel: Was heute ein unverzichtbares Kommunikationsmittel für jedermann ist, war anfangs noch ein Luxus-Gut, das sich eher nur die Oberschicht leisten konnte - hier ein besonders prunkvoller Fernsprech-Tischapparat aus dem Jahre 1893.

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"Das Pferd frisst keinen Gurkensalat": Um diesen merkwürdigen Satz ranken sich heute Legenden. Er fiel nicht, wie vielfach geschrieben, als Reis am 26. Oktober 1861 sein Telefon offiziell in Frankfurt präsentierte. Und es war auch nicht Reis selbst, der ihn sagte.

Stattdessen stammt der Ausspruch schon aus dem Jahr 1860, als Reis einigen interessierten Laien sein Telefon vorführen wollte. Die Zuschauer waren misstrauisch und verlangten von Reis' Assistenten Philipp Schmidt, möglichst sinnfreie Sätze in den Apparat zu sprechen, die Reis dann am anderen Ende der Leitung wiederholen sollte. Damit wollte das Publikum sichergehen, dass sich die beiden Männer nicht vorher abgesprochen hatten. Also sagte Schmidt: "Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" - und entlarvte damit die Schwäche der neuen Technik. Denn Reis verstand lediglich: "Das Pferd frisst."

Johann Philipp Reis mit einem Telefon in der Hand nach einer Radierung von J.D. Cooper, die anhand einer Fotografie mittels Selbstauslöser durch Reis im Jahre 1862 entstand.

Foto: dpa
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Der Reis'sche Fernsprechapparat: Reis baute insgesamt zehn verschiedene Prototypen, die alle nach demselben Prinzip funktionierten (hier ein Modell aus dem Jahr 1863). Sie bestanden jeweils aus einem Sender (hier rechts), den er dem menschliche Ohr nachempfunden hatte und einem Empfänger, in dem ein um eine Stricknadel gewickelter Kupferdraht in einem Resonanzkörper steckte. Sprach nun jemand in den Sender...

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...geriet die mit einem Platinstreifen versehene Membran im Inneren in Schwingungen, drückte gegen einen Metallstift und schloss damit den Stromkreis. Der Strom erreichte über den Kupferdraht die Stricknadel aus Eisen; im Empfänger baute sich nun ein Magnetfeld auf, das die Nadel zum Zittern brachte. Dabei entstanden zarte Töne, die durch den Resonanzkörper hörbar wurden.

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In die Röhre sprechen: Schon früh beschäftigten sich die Telefonbauer auch mit ausgefallenen Designs für ihre Fernsprechapparate. Hier telefoniert eine Frau um 1909 mit einem sogenannten Schlauchtelefon.

Foto: Getty Images
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Erste Wahl: 1919 präsentierte der Hersteller Siemens-Halske das erste Telefon mit einer Wählscheibe. Nun mussten Gespräche nicht mehr über eine zentrale Stelle vermittelt werden. Zudem war mit dem ZB/SA 19 genannten Apparat das lästige Kurbeln per Hand überflüssig geworden: Das Telefon wurde mit einer Zentralbatterie betrieben.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Hermann Buresch
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Zukünftige "Klingelfee": Um die Jahrhundertwende war der Beruf der Telefonistin unter jungen, unverheirateten Frauen aus gutem Hause sehr beliebt. Das "Fräulein vom Amt" war gut angesehen und das Gehalt reichte aus, um eine alleinstehende Frau zu versorgen. Wer die Voraussetzungen gute Schulbildung, hervorragende Umgangsformen und möglichst auch Fremdsprachenkenntnisse erfüllte, konnte sich an einer posteigenen Schule ausbilden lassen. Hier übt eine Schülerin der Postschule für Telefonisten im britischen Salford im Februar 1937 gerade an einer riesigen Wählscheibe.

Foto: Getty Images
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Telefonwerbung: Vermutlich schon 1862 hatte Alexander Graham Bell ein frühes Modell von Reis' Telefon kennengelernt. Am 14. Februar 1876 meldete Bell in den USA sein Patent für ein weiterentwickeltes Telefon an. Der Entwurf wies zwar etliche Mängel auf und der Apparat hätte wohl gar nicht funktioniert - doch Bell hatte das Wettrennen um die Patentvergabe gegen seinen Konkurrenten Elisha Gray gewonnen. Mit diesem Startvorteil konnte sich der schottischstämmige Erfinder schnell ein mächtiges Wirtschaftsimperium aufbauen.

Hier spricht ein Schauspieler, der Bell spielt, in den zwanziger Jahren in einem Werbefilm in einen Telefonapparat.

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Würdigung zum Kleben: Zu Ehren von Philipp Reis veröffentlichte die Deutsche Bundespost 1961 eine Gedenk-Briefmarke zum 100. Jubiläum seiner Erfindung des Telefons.

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Statussymbol: Ein Luxus-Fernsprech-Tischapparat aus dem Jahre 1900 - zu dieser Zeit konnte das deutsche Telefonbuch mit rund 10.000 Einträgen aufwarten, die erste Leitung von Berlin nach Paris wurde frei geschaltet und der erste öffentliche Münzfernsprecher in der Hauptstadt aufgestellt. Die neumodischen Geräte zogen auch in immer mehr Privathaushalte ein.

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Tonabgebend: Der Deutsche Philipp Reis hatte seine Erfindung von 1861 "Telephon" getauft - den Namen hatte er aus den griechischen Wörtern "tele" ("fern") und "phone" (Ton, Sprache) zusammengesetzt. Dieser Fernsprecher, etwa von 1905, konnte sich mit zehn anderen Apparaten verbinden. Über eine Wählscheibe verfügte dieses Modell noch nicht. Mit dem Schieber unten konnte sich der Anrufer mit der Vermittlungsstelle in Verbindung setzen, wo er...

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...von einer Telefonistin weitergestellt wurde. Die Dienste der meist jungen und unverheirateten (Einstellungskriterium) "Fräuleins" wurden nicht mehr gebraucht, als 1966 alle Ortnetze in der Bundesrepublik automatisiert waren.

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Frühe Verbindung: Dieses zweipolige Membran-Telefon hatte Alexander Graham Bell 1876 konstruiert. Selbst wählen konnten die Teilnehmer zu dieser Zeit noch nicht, sondern mussten sich von einer Vermittlungsstelle verbinden lassen. Anfangs waren die Telefonisten noch ausschließlich Männer, die jedoch bald schon durch junge Frauen ersetzt wurden. Durch die höhere weibliche Stimmlage seien die Schallwellen besser verständlich und der Teilnehmer werde dadurch friedlicher gestimmt, so beispielsweise die Argumentation dafür, die Unterstaatssekretär Fischer 1894 im Reichstag vorbrachte.

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Anruf von Herrn Bell: Im Beisein einiger Schaulustiger führte Alexander Graham Bell 1892 von New York aus das erste Ferngespräch der USA. Sein Gesprächspartner an diesem Tag saß im knapp 1300 Kilometer entfernten Chicago. 13 Jahre später reichte das Telefonnetz bereits bis an die Westküste nach San Francisco.

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Handbetrieben: Wer mit Thomas Edisons "Motographen" von 1911 telefonieren wollte, musste während des Gesprächs an der kleinen Kurbel (rechts am Apparat) pausenlos drehen - sonst konnte der Anrufer nichts hören.

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Zwei Stunden zu spät: Der Lehrer Elisha Gray wollte 1876 ein Patent für ein Gerät , mit dem man Töne übertragen konnte. Da jedoch zwei Stunden zuvor bereits Alexander Graham Bell sein Patent vorgelegt hatte, wurde ihm eine Anmeldung auf dem Amt verweigert, obwohl Grays Entwurf weit fortgeschrittener und detaillierter war. Später stellte sich zudem heraus, dass Bell vermutlich Techniken aus Grays Patentantrag für seine weiterentwickelten Telefone verwendet hatte. Es entbrannte ein jahrelanger Patentstreit - Bell schmetterte schließlich insgesamt 600 Klagen ab.

Nur wenige Jahre nach dieser Niederlage erfand Gray allerdings den Teleautographen - einen Vorläufer des Faxgeräts, den er 1893 auf der Weltausstellung in Chicago vorführte.

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Multitasking: Ein sehr, sehr früher Vorgänger heutiger Headsets war das sogenannte Holdaphone, das am 27. Oktober 1927 in New York vorgestellt wurde. Der Vorteil dieses Gerätes war, dass man während des Telefonierens die Hände frei hatte und beispielsweise gleichzeitig schreiben konnte.

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Ein Kinderspiel: Gerade in den USA, wo die Menschen teilweise sehr weit voneinander entfernt wohnen, gewann das Telefon schnell an Popularität. Hier spricht gerade ein Geschwisterpaar aus San Francisco im März 1916 mit den Eltern, die sich zu diesem Zeitpunkt an der Ostküste der USA aufhalten.

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McGyver am Telefon: In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts unterrichtete Philipp Reis an der Knaben-Schule Garnier in Friedrichsdorf Sprachen und Naturwissenschaften. Um seinen Schülern das Thema "Gehörwerkzeuge" anschaulicher zu erklären schnitzte er ein Holzohr, aus dem er dann in Verbindung mit einer Stricknadel und einer Geige sein erstes Telefon baute. Diesen Prototypen führte er Laien schon 1860 in seiner Privatwohnung in Friedrichsdorf vor - ein Jahr vor der offiziellen Präsentation des Telefons vor Mitgliedern des Physikalischen Vereins in Frankfurt. Der Apparat kann noch heute im Heimatmuseum Seulberg besichtigt werden.

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Eine glückliche Familie: Am 1. September 1858 heiratete der Erfinder Philipp Reis in der Gelnhäuser Marienkirche seine Jugendfreundin Margaretha Schmidt. Am 14. Februar 1861 wurde das erste Kind, Tochter Elise Susanne, geboren. Zwei Jahre später, am 22. Januar 1863 kam dann der Sohn Charles Christian Philippe zur Welt. Philipp Reis galt als liebevoller Vater, der seinen Kindern Spielzeug bastelte und mit ihnen durch die Natur streifte, um sie ihnen näherzubringen.

Foto: Philipp-Reis-Haus
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Alte Wirkungsstätte: In diesem Haus in Friedrichsdorf, 20 Kilometer nördlich von Frankfurt, lebte der ehrgeizige Tüftler, begabte Autodidakt und Telefon-Pionier Philipp Reis. Heute befindet sich hier eine ständige Philipp-Reis-Ausstellung, die nicht nur die interessante Vita des Hessen würdigt (der nebenbei auch noch den Rollschuh erfunden hat), sondern gleichzeitig die verschiedensten Telefonmodelle bis zum iPhone vorstellt und erklärt.

Foto: Philipp-Reis-Haus
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