18 Jahre nach dem Mauerfall Deutschland wird volljährig
Deutschland wird volljährig: Tom, Julia und Maria wurden am 9. November 1989 geboren, an dem Tag, an dem die Mauer fiel. Bei einestages erzählen sie über ihr Leben, Deutschland und wie sie sich die Zukunft vorstellen.
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Tom als Baby: Als er geboren wurde, hatte Günther Schabowski gerade bei seiner legendären Pressekonferenz Platz genommen, nur wenige Stunden später konnten DDR-Bürger ausreisen und die Menschen tanzten auf der Straße.
Tom als Kleinkind: Aufgewachsen ist er in Berlin, als es die DDR schon nicht mehr gab, heute lebt Tom in Belgershain im Süden Leipzigs. In dem kleinen Ort mit einer Kirche, einem Bäcker und vier Zigarettenautomaten seien die Menschen herzlicher als in Berlin, sagt er.
Tom beim Rollerfahren: Nach dem Mauerfall wurde Toms Vater, der in der DDR Journalistik studiert hatte, Gebäudereiniger und die Familie lebte sich auseinander. Tom selbst möchte gern mit seiner Freundin eine eigene Familie mit zwei Kindern gründen.
Tom und der Weihnachtsmann: Am Tag des Mauerfalls und in der Zeit danach veränderte sich viel im Leben der Familie Günther: Tom wurde geboren, aber die Familie lebte sich auseinander. Noch heute erinnert sich Tom an laute Streitereien zwischen seinen Eltern. Darum, so glaubt er, sei er ein harmoniebedürftiger Kuscheltyp und will selbst mal "alles besser machen".
Tom: Seine Ausbildung zum Ergotherapeuten hat er gerade abgebrochen, von sich selbst sagt Tom, er sei faul. Seine Freundin macht gerade eine Ausbildung zur Optikerin. Für die Zukunft wünscht er sich zwei Kinder mit ihr - eine Familie - und mit 35 in den Ruhestand zu gehen.
Julia als Kleinkind: Julia wurde am 9. November 1989 in Frankfurt am Main geboren, wo sie auch aufwuchs. Das geteilte Deutschland hat sie nie erlebt, die Unterscheidung in Ossis und Wessis kennt sie nicht.
Julia am Strand: Bevor Julia eingeschult wurde, verbrachte sie viel Zeit bei ihren Großeltern, spielte im Sand und backte Kekse - eine Zeit, an die sie gern zurückdenkt. Heute, mit 18, sieht sie sich im globalen Wettbewerb.
Julias Einschulung: Bald wird Julia Abitur machen, danach will sie studieren - wie ihre Eltern. Mit einem abgeschlossenen Studium, so meint sie, habe sie bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt als nur mit einer Ausbildung. Das Wichtigste für beruflichen Erfolg ist ihrer Meinung nach jedoch Flexibilität: Man dürfe sich nicht beklagen, wenn man für den Beruf nach Peking oder New York fliegen müsse.
Julia als Teenager: Beim Stichwort "Deutschland" denkt die heute 18-Jährige zuerst an die Fußball-WM 2006: Sie freute sich über die Stimmung im Land und auch die Deutschland-Fahnen an den Häusern, bei denen ihre Eltern eher Bauchschmerzen hatten.
Julia in Paris: Noch wohnt sie in Rödelheim bei Frankfurt am Main, aber für die Zukunft träumt Julia von einem Jetset-Leben: Den Sommer möchte sie in Schweden, den Winter in Kanada verbringen, aber auf keinen Fall will sie sich nur auf einen Ort festlegen.
Maria: Die Mauer fiel, während sie geboren wurde; die DDR, in der ihre Eltern gelebt hatten, hat Maria nie kennengelernt. Marias Eltern waren anfangs noch euphorisiert von der Wende. Nach zwei Jahren verlor Marias Mutter jedoch den Job und ist bis heute arbeitslos. Die Familie lebt nur knapp über dem Existenzminimum.
Maria mit Querflöte: Die Musik hat Maria schon Orchesterreisen nach Littauen, Estland, Lettland und Bayern ermöglicht. Beruflich möchte sie sich jedoch in Richtung Fotografie orientieren - vielleicht eine Ausbildung bei einem Fotografen. Auf jeden Fall will sie in der Nähe bleiben. Nur Studieren wird sie nicht - das kann sich die Familie nicht leisten.
Maria mit ihrer Gitarre: Sie wuchs in einem wiedervereinten Deutschland auf, Ossis und Wessis kennt sie nicht, nicht einmal Stereotype fallen ihr dafür ein. Für ihre Zukunft wünscht Maria sich einen Ausbildungsplatz in der Nähe, damit sie in Grimmen in Mecklenburg-Vorpommern bleiben kann, und einmal nach Australien zu reisen.
Familie Seidel: Marie (2.v.r.) mit ihren Eltern Regina und Leonhard und ihren beiden Brüdern: Seit Jahren werkelt Familie Seidel nach Feierabend an ihrem Haus, inzwischen haben alle Kinder ein eigenes Zimmer und müssen sich keins mehr teilen.