20 Jahre Mauerfall Generalprobe für die Revolution
Demonstrationszug: Der Demonstrationszug von rund 800 SED-Kritikern marschiert am Nachmittag des 15. Januar 1989 vom Leipziger Alten Rathaus kommend die Peterstraße entlang. Schon nach wenigen Hundert Metern stoppten Sicherheitskräfte den Aufmarsch und verhafteten 53 Teilnehmer. Elf der Initiatoren waren bereits in den Tagen zuvor festgenommen und ihre Wohnungen durchsucht worden.
Luxemburg-Liebknecht-Manifestation 1988: Mit einer "Kampfdemonstration" ehrte die SED jedes Jahr um den 15. Januar die 1919 ermordeten kommunistischen Märtyrer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. 1988 kam es zu einem Eklat, als sich Regimekritiker mit eigenen Plakaten ("Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden") unter die Demonstranten mischten und von der DDR-Staatssicherheit verhaftet wurden. 1989 nutzen DDR-Bürgerrechtler in Leipzig den Anlass für eine ungenehmigte Gegendemonstration, wieder kam es zu Verhaftungen.
Demonstrations-Redner: Fred Kowasch, Mitglied der Leipziger Bürgerrechtsgruppe IG Leben, spricht am 15. Januar 1989 vor dem Abmarsch des Zuges zu den Demonstranten. Er forderte unter anderem die Freilassung der Initiatoren der Demonstration. Deren Festnahme zeige, "dass zurzeit grundlegende Artikel der Verfassung außer Kraft gesetzt sind". Am folgende Tag wurde auch Kowasch verhaftet.
DDR-Bürger protestieren in Leipzig: Den Demonstrations-Aufruf hatten die Initiatoren in 10.000 Exemplaren auf illegalen Druckmaschinen vervielfältigt, etwa die Hälfte davon hatten Aktivisten in der Nacht zum 12. Januar 1989 heimlich in Leipziger Briefkästen geworfen. Tatsächlich erschienen am 15. Januar geschätzte 800 Personen am Leipziger Alten Rathaus, um gegen die SED zu demonstrieren - die meisten davon waren bis dahin nicht in der überschaubaren DDR-Bürgerrechtsbewegung aktiv gewesen. Das Foto zeigt den Demonstrationszug in der Petersstraße in der Innenstadt, kurz bevor er von der Polizei aufgelöst wurde.