20 Jahre Mauerfall - DER SPIEGEL
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20 Jahre Mauerfall "Stell dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin"

Kein Bock mehr auf "Zettelfalten": Am 7. Mai 1989 machten DDR-Bürgerrechtler mobil gegen den Wahlbetrug der SED. Auf Demos gegen die Wahlfarce reagierten die Genossen mit Verhaftungen. Auch Thomas Gerlach landete im Knast - und beobachtete dort die ersten Auflösungserscheinungen des Regimes.
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Beflaggung vor der Wahl: An einer Schule in der Georg-Schwarz-Straße in Leipzig hängen kurz vor den letzten DDR-Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 Flaggen aus den Fenstern, um für diesen "Höhepunkt der sozialistischen Demokratie" zu werben.

Foto: Thomas Gerlach
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Ort des Geschehens: Das Karree Harkortstraße/Beethovenstraße/Petersteinweg in Leipzig, fotografiert vom Ende der Harkortstraße. Hinter dem Eckfenster über dem Wartburg befand sich das Zimmer 111, in dem Thomas Gerlach nach seienr Vergaftung am 7. Mai 1989 festgehalten wurde. Rechts daneben, in dem großen dunkelgrauen Haus, war der Eingang zum Untersuchungsgefängnis.

Foto: Thomas Gerlach
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Klassenzimmer als Knast: Der Abschluss des Karrees am Leipziger Peterssteinweg. Im dritten Obergeschoss links war die Handelsschule Leipzig untergebracht, in der Thomas Gerlach und seine Mitgefangenen nach ihrer Verhaftung am 7. Mai 1989 für die Nacht untergebracht wurden.

Foto: Thomas Gerlach
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Leipzig im Mai 1989: Das lädierte Haus auf dem Foto liegt gegenüber der Schule in der Georg-Schwarz-Straße in Leipzig. Im Parterre, hinter dem großen Fenster rechts von der holzgelben Tür inmitten der schwarzen Einrahmung, wohnte Thomas Gerlach, als er am 7. Mai 1989 verhaftet wurde.

Foto: Thomas Gerlach
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Aufruf zur Wahl: Ein Plakat in Leipzig ruft zur Wahl am 7. Mai 1989 auf. Anzukreuzen und auszuwählen gab es allerdings nichts. Die DDR-Bürger sollten nur durch Einwerfen des Stimmzettels in die Urne ihre Zustimmung zu Einheitsliste der die "Nationalen Front" geben. Das Wahlergebnis stand bereits vorher fest - 99 Prozent Ja-Stimmen, plusminus einiger Promille.

Foto: Thomas Gerlach
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Zettelfalten: Wahlberechtigte werfen am 7. Mai 1989 ihre Stimmzettel in die Urne. Der Volksmund in der DDR nannte dieses Ritual auch "Zettelfalten", da da Ergebnis bereits vorher fest stand. Hier wählen in der DDR lebende Ausländer aus Vietnam, Kuba und Mozambique - in letzter Sekunde hatte die SED für die Maiwahlen 1989 noch das Ausländerwahlrecht eingeführt.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1989-0507-020

Foto: Das Bundesarchiv/Wolfgang Thieme
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"Fürsorge und Geborgenheit": Auch um die Stimmen der Rentner warb die "Nationale Front", deren Kandidaten allesamt von der SED abgenickt worden waren. Tatsächlich ging es gerade alten Menschen in der DDR zunehmend schlechter - durch die Wahl konnten sie daran nichts ändern.

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DDR-Wahlwerbung: Fröhlich lächelt eine junge Frau vom Wahlplakat der "Nationalen Front". Auf deren Einheitsliste kandidierten neben der SED auch Blockparteien, Gewerkschaften und andere "gesellschaftliche Organisationen" - die SED allerdings sorgte über Doppelmitgliedschaften immer dafür, dass sie die absolute Mehrheit hatte.

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Abstimmung mit den Füßen: Am Wahltag am 7. Mai 1989 hatte Erich Honecker noch von der Wand der Wahllokale auf die DDR-Bürger herabgelächelt. Nur Monate später stürzte der SED-Generalsekretär - auch über die Fälschung der Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989, bei der Bürgerrechtler der SED erstmal systematischen betrug nachgewiesen hatten. Die Aufnahme entstand nach der Stürmung der Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg im Januar 1990.

Foto: Jockel Fink / AP
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Protest gegen Wahlbetrug: Einen Monat nach der Wahlfarce vom 7. Mai 1989 demonstrierten 300 DDR-Bürgerrechtler am 7. Juni 1989 in Ost-Berlin gegen die Fälschung der Kommunalwahl. Obwohl es zu Polizeigewalt und Verhaftungen kam, fand fortan immer am 7. jedes Monats eine Demonstration statt, die an den Wahlbetrug erinnerte - am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, wurde daraus eine Großdemonstration um den Palast der Republik, in dem Erich Honecker und sein Ehrengast Michail Gorbatschow eigentlich das Jubiläum feiern wollten.

Foto: AP
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Stimmabgabe: Das "offene Bekenntnis zum Sozialismus" war ganz wörtlich gemeint. Die Benutzung von Wahlkabinen war in der DDR zwar nicht verboten - wer sie aufsuchte, wurde allerdings von der Stasi registriert.

Foto: AP
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Wahlaufruf 1989: "Wählt die Kandidaten der Nationalen Front" - dieses Schild schmückt anlässlich der DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 das Schaufenster einer Apotheke irgendwo in der DDR. Der Nachweis von Wahlfälschungen bei der Kommunalwahl durch Bürgerrechtler war einer der Auslöser für die friedliche Revolution von 1989/90 im SED-Staat.

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DDR-Kommunalwahlen 1990: Vor einem Wahllokal im Ost-Berliner Bezirk Pankow stehen am 6. Mai 1990 DDR-Bürger an, um ihre Stimme abzugeben. Wahlkontrollen von DDR-Bürgerrechtsgruppen bewiesen, dass die SED die Ergebnisse der Wahl ein Jahr zuvor systematisch gefälscht hatte - was auch viele regimetreue DDR-Bürger empörte und zu Protesten auf die Straßen trieb. Mit dieser Wahl wurden nun endlich demokratisch legitimierte Strukturen in den Gemeinden der DDR geschaffen. Bereits knapp zwei Monate zuvor, am 18. März 1990, hatten die DDR-Bürger bei den ersten freien Wahlen seit Bestehen der DDR ein demokratisches Parlament bestimmt.

Foto: dpa
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