Revolution in Polen Nationale Hoffnung - maßgeschreinert
Historisches Stück: Das eigens für die Verhandlungen am Runden Tisch aus Lindenholz maßgefertigte Riesenmöbel ist bis heute an seinem originalen Platz im Palais Radziwill zu besichtigen.
Der erste Runde Tisch: Am 6. Februar 1989 setzten sich in Warschau zum ersten Mal in einem Ostblockstaat Vertreter des kommunistischen Regimes und Dissidenten an einen Tisch, um auf Augenhöhe über die Zukunft ihres Landes zu verhandeln. Es war der Anfang vom Ende des Kommunismus in Europa, der innerhalb eines Jahres nicht nur in Polen, sondern auch in den übrigen Warschauer-Pakt-Staaten durch eine Kette von friedlichen Revolutionen die Macht verlor.
Versöhnte Gegner: Der erste frei gewählte polnische Senat tritt am 3. Juli 1989 in Warschau zusammen. In der ersten Reihe nebeneinander sitzen General Wojciech Jaruzelski (l.) , der 1981 das Kriegsrecht über Polen verhängt hatte, und Lech Walesa, Führer der unabhängigen Gewerkschaft Solidarität, die unter Jaruzelski verboten und unterdrückt worden war.
Schlangestehen: Lange Warteschlangen vor den Geschäften dokumentierten in den achtziger Jahren die wirtschaftliche Misere der Volksrepublik Polen. Hier hoffen Warschauer im August 1989 darauf, noch Lebensmittel ergattern zu können.
Ein großer Moment: Als Ergebnis der Verhandlungen am Runden Tisch fanden in Polen am 4. Juni 1989 halbwegs freie Wahlen statt. Während die wieder zugelassene Gewerkschaft Solidarnosc sämtliche zur Wahl stehenden Sitze gewann, erhielten die Kommunisten lediglich die laut Wahlgesetz für sie reservierten Mandate. Das Bild zeigt Solidarnosc-Führer Lech Walesa bei der Stimmabgabe.
Walesa spricht zu Arbeitern: Die 1980 gegründete Gewerkschaft Solidarnosc war zwar 1981 von dem kommunistischen Machthabern in Polen verboten worden, doch setzte sie ihre Arbeit im Untergrund fort und erlebte 1989 am Runden Tisch ein triumphales Comeback. Das Bild zeigt Solidarnosc-Anführer Lech Walesa im August 1980 vor streikenden Arbeitern der Lenin-Werft in Danzig.
Solidarität mit Solidarnosc: Bergleute in der südpolnischen Stadt Jastrzebie am 14. Februar 1989. Sie sind auf dem Weg zu einem Treffen mit Lech Walesa, um Unterstützung für ihre noch verbotene Gewerkschaft Solidarnosc zu organisieren. Eine gute Woche zuvor hatten in Warschau die Gespräche zwischen Regierung und Opposition am Runden Tisch begonnen - Höhepunkt einer Entwicklung, die die Arbeiter ein halbes Jahr zuvor mit ihren Streiks in Gang gesetz hatten.
Kriegsrecht in Polen: Um die schwindende Macht der Kommunisten in Polen zu retten, verhängte Parteichef Wojciech Jaruzelski im Dezember 1981 das Kriegsrecht über das Land und verbot die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc. 1988/89 gehörte der General dann zu den Befürwortern eines Dialogs mit der Opposition am Runden Tisch. Die Aufnahme zeigt ihn bei der Verkündung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981.
Auf Händen tragen: Am 30. August 1980 tragen Arbeiter den Streikführer Lech Walesa auf ihren Schultern zur Lenin-Werft in Danzig. Am Tag darauf unterzeichnete die Regierung eine Übereinkunft, die das Streikecht und das Recht auf unabhängige Gewerkschaften garantieren sollte. Doch schon im Jahr darauf schlug das Regime mit der Verhängung des Kriegsrechts zurück, und es sollte weitere acht Jahre dauern, bis in Polen die Freiheit siegte.
Danziger Abkommen: Polens Vize-Ministerpräsident Mieczyslaw Jagielski (l.) und der Vorsitzende des überbetrieblichen Streikkomitees, Lech Walesa (M.), am 31. August 1980 bei der Unterzeichnung des Danziger Abkommens. Die Streikwelle in Polen, Anfang Juli 1980 durch eine indirekte Erhöhung der Fleischpreise ausgelöst, wurde durch das Abkommen beendet. Es enthielt die Garantie des Streikrechts, die Zulassung einer unabhängigen Gewerkschaft, soziale Verbesserungen und die Freilassung politischer Häftlinge.