20 Jahre Währungsunion - DER SPIEGEL
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Währungsunion Popstar D-Mark

Hupkonzerte, Autokorsos, Feuerwerke: Die DDR-Bürger feierten 1990 die Einführung der D-Mark wie den Gewinn der Fußball-WM. Auf Währungspartys hauten sie die letzten Alumünzen auf den Kopf und stürmten dann die Bankfilialen. Doch der erwartete Kaufrausch blieb aus - und das alte Ostgeld lebte weiter.
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Run auf die neue Währung: In der Nacht zum 1. Juli 1990, dem Tag der Einführung der D-Mark in der DDR, stürmen Tausende Ostdeutsche eine Filiale der Deutschen Bank am Alexanderplatz in Berlin. Es war die einzige Bank, die bereits um Punkt Mitternacht das neue Geld ausgab. Zahlreiche Menschen fielen in Ohnmacht oder wurden im Gedränge verletzt, Scheiben der Bankfiliale gingen zu Bruch.

Foto: RAINER KLOSTERMEIER/ AP
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Der Schnellste: Hans-Joachim Corsalli bekam als erster DDR-Bürger in Ost-Berlin die neue West-Währung ausgezahlt. Freudestrahlend hält der Kohlefahrer die soeben erworbenen Scheine in der Hand - sein Bild ging in die Geschichtsbücher ein. Als Belohnung für seine Schnelligkeit erhielt er von der Deutschen Bank am Alexanderplatz einen Fresskorb mit Champagner sowie ein Sparbuch über 100 Mark.

Foto: dpa
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Hohe Erwartungen: "Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, gehen wir zu ihr", hatten die DDR-Bürger einst auf Demonstrationen skandiert. Mit dem neuen Geld, so hofften viele, würde auch bald der Wohlstand in einziehen. Doch obwohl die Umstellung großzügig erschien, weil sie den Wert der Ostmark dramatisch aufwertete, gingen nicht alle Träume in Erfüllung: Die Preise für Lebensmittel waren nun deutlich teurer, Löhne konnten nicht gezahlt werden und viele Ost-Betriebe waren nicht konkurrenzfähig.

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D-Mark für DDR-Bürger: Zwei DDR-Bürger zeigen am Tag der deutsch-deutschen Währungsunion begeistert ihre D-Mark-Scheine. In der Nacht zuvor hatte viele Ostdeutsche in die neue Ära hineingefeiert.

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Fete für die D-Mark: Dieser Mann, DJ auf einer der Währungspartys in Leipzig, freut sich sichtlich über die Einführung der D-Mark. Überall im Land feierten die Menschen in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1990 die Ankunft des ersehnten Westgeldes, Symbol für Wohlstand und Luxus.

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Hartnäckige Ostmark: Nach der Währungsumstellung wurden 620 Millionen wertloser DDR-Geldscheine in einem nicht mehr benutzten Stollen bei Halberstadt gelagert - eigentlich sollte sie dort verrotten. Doch die alte Ostmark war hartnäckiger als gedacht und fand zudem Liebhaber. Nach Einbrüchen in den Stollen kursierten die Scheine unter Sammlern. Für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), dem Rechtsnachfolger der DDR-Staatsbank, war das ärgerlich. Denn sie hatte in mehreren Auktionen 6,5 Millionen DDR-Mark versteigern lassen - deren Wert nahm nun ab. Im Jahr 2002 entschloss sich die KfW daher, das Geld in einer Müllverbrennungsanlage zu entsorgen.

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Geldverbrennung: Insgesamt wurden 30.000 Säcke voller Scheine, alter Sparbücher und Reiseschecks aus dem Stollen bei Halberstadt abtransportiert - insgesamt ein gewicht von mehr als 300 Tonnen. In der Müllverbrennungsanlage am Braunkohlewerk Buschhaus wurden die Scheine im Jahr 2002 mit Hausmüll vermischt und bei 1200 Grad verbrannt. Das Münzgeld war schon Jahre zuvor eingeschmolzen worden.

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Deutsch-deutsche Währungsunion: Der Finanzminister der DDR, Walter Romberg (zweiter von links) und der bundesdeutsche CSU-Finanzminister Theo Waigel (zweiter von rechts) geben im Internationalen Medienzentrum im Ministerratsgebäude in Ost-Berlin am 1. Juli 1990 eine Pressekonferenz zur Währungsunion ab. In der Mitte sitzt Angela Merkel, damals stellvertretende Regierungssprecherin der DDR. Am 18. Mai 1990 wurde der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik und der DDR feierlich unterzeichnet, sechs Wochen später trat er in Kraft.

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Altpapier: Diese junge Dame hat ihren Strohhut mit plötzlich völlig wertlosen DDR-Banknoten geschmückt. Von einem auf den anderen Tag war die D-Mark in Ostdeutschland das alleinige Zahlungsmittel.

Foto: dpa
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Währungsunion: Die Verkäuferin eines Fischgeschäftes in Wismar, das bisher "Bückware" anbot, verkaufte 1990 ihre Fischbrötchen wenige Tage nach Einführung der D-Mark öffentlich. Erhofftes Käuferklientel: Besucher aus dem Westen.

Foto: Siegfried Wittenburg
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Ende eines Tabus: In der ersten Woche nach der Währungsunion am 1. Juli 1990 besuchten zahlreiche, vorwiegend männliche Einwohner von Cottbus den ersten Sex-Shop in der Bahnhofstraße 66. Da käufliche Erotik im Arbeiter- und Bauernstaat jahrzehntelang als dekadenter Auswuchs des Kapitalismus gegeißelt und verboten worden war, stieg nun die Nachfrage rasant an.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1990-0712-006

Foto: Das Bundesarchiv/Rainer Weisflog
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Aufwertung der Ostmark: Während andere noch vor der Bank auf die Ausgabe des neuen Geldes warten, kann sich dieser Ost-Berliner schon freuen, sein erstes Bündel Geldscheine in den Händen zu halten. Je nach Alter konnten die Ostbürger bis zu 6.000 Mark im Verhältnis 1:1 tauschen, der Rest wurde 2:1 umgestellt.

Foto: AP
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Zahltag: Am 1. Juli 1990, wenige Sekunden nach Mitternacht, öffnete die Filiale der Deutschen Bank auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin. Die Auszahlung zur Geisterstunde war als PR-Gag gedacht, denn so gab es das Westgeld bei der Deutsche Bank schon Stunden früher als bei anderen Bankfilialen, die am 1. Juli zu gewöhnlichen Zeiten ihre Schalter öffneten.

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D-Mark-Day: Der erste Tag der im Staatsvertrag vereinbarten Währungsumstellung begann mit einem enormen Ansturm auf das begehrte neue Geld. Wie hier vor der Sparkasse in Wanzleben, Sachsen-Anhalt, standen am 1. Juli 1990 Millionen von DDR-Bürgern im ganzen Land Schlange vor den ausnahmsweise am Sonntag geöffneten Banken.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?