20 Jahre Wende Als Polen umgepolt wurde
Ein großer Moment: Als Ergebnis der Verhandlungen am Runden Tisch fanden in Polen am 4. Juni 1989 halbwegs freie Wahlen statt. Während die wieder zugelassene Gewerkschaft Solidarnosc sämtliche zur Wahl stehenden Sitze gewann, erhielten die Kommunisten lediglich die laut Wahlgesetz für sie reservierten Mandate. Das Bild zeigt Solidarnosc-Führer Lech Walesa bei der Stimmabgabe.
Der erste Runde Tisch: Am 6. Februar 1989 hatten sich in Warschau zum ersten Mal in einem Ostblockstaat Vertreter des kommunistischen Regimes und Dissidenten an einen Tisch zusammengesetzt, um auf Augenhöhe über die Zukunft ihres Landes zu verhandeln. Es war der Anfang vom Ende des Kommunismus in Europa, der innerhalb eines Jahres nicht nur in Polen, sondern auch in den übrigen Warschauer-Pakt-Staaten durch eine Kette von friedlichen Revolutionen die Macht verlor.
Solidarität mit Solidarnosc: Bergleute in der südpolnischen Stadt Jastrzebie am 14. Februar 1989. Sie sind auf dem Weg zu einem Treffen mit Lech Walesa, um Unterstützung für ihre noch verbotene Gewerkschaft Solidarnosc zu organisieren. Eine gute Woche zuvor hatten in Warschau die Gespräche zwischen Regierung und Opposition am Runden Tisch begonnen - Höhepunkt einer Entwicklung, die die Arbeiter ein halbes Jahr zuvor mit ihren Streiks in Gang gesetz hatten.
Danziger Abkommen: Vize-Ministerpräsident Mieczyslaw Jagielski (l.) und der Vorsitzende des überbetrieblichen Streikkomitees, Lech Walesa (M.), am 31. August 1980 bei der Unterzeichnung des Danziger Abkommens. Die Streikwelle in Polen, die am 1. Juli durch eine indirekte Erhöhung der Fleischpreise begann, wurde am 31. August durch die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen dem Streikkomitee in Stettin und der dort verhandelnden Regierungskommission beendet. Es enthält die Garantie des Streikrechts, die Gründung einer unabhängigen Gewerkschaft, soziale Verbesserungen und die Freilassung politischer Häftlinge.
Versöhnte Gegner: Der erste frei gewählte polnische Senat tritt am 3. Juli 1989 in Warschau zusammen. In der ersten Reihe nebeneinander sitzen General Wojciech Jaruzelski (l.) , der 1981 das Kriegsrecht über Polen verhängt hatte, und Lech Walesa, Führer der unabhängigen Gewerkschaft Solidarität, die unter Jaruzelski verboten und unterdrückt worden war.
Handschlag für den Wahlkampf: Solidarnosc-Anführer Lech Walesa verabschiedet sich nach einem Treffen von Adam Michnik am 30. März 1989. Der Dissident gab die neue "Gazeta Wyborcza" ("Wahlzeitung") heraus, in der der Slogan "Keine Freiheit ohne Solidarnosc" propagiert wurde.
Niederlage für die Kommunisten: Der bisherige polnische Premierminister Mieczyslaw Rakowski bei einem Interview am 29. Juli 1989. Er und seine Partei hatten bei den ersten freien Wahlen in Polen am 4. Juni 1989 ein Debakel erlebt. Sämtliche Vertreter des Establishments, die auf einer Landesliste kandidiert hatten - darunter auch Rakowski - waren durchgefallen.
Das neue Parlament: Obwohl Lech Walesa kein Mitglied des neuen frei gewählten polnischen Parlaments war, nahm er am 4. Juli 1989 an der Eröffnungssitzung teil. Neben ihm sitzt Bronislaw Geremek, einer der Verhandlungsführer der Opposition.
Im Amt: Das neue polnische Parlement wählte schließlich im Herbst 1989 Tadeusz Mazowiecki, einen der Verhandlungsführer der Opposition zum Premierminister. Im März 1990 befand er sich bereits zu Besuch in Washington beim damaligen US-Präsidenten George H. Bush.
Geteilte Macht: Nicht alle Ministerposten gingen nach der Wahl im Juni 1989 an Mitglieder der Opposition. So behielt etwa General Czeslaw Kiszczak (hinter Lech Walesa) die Führung des polnischen Innenministeriums.