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Aus der Goldgräberzeit des WWW Sex und viel, viel Geld

Drei Buchstaben, die Millionen versprachen: Zwei Amerikaner lieferten sich in den Neunzigern mit plumpen Tricks, Kopfgeldforderungen und Staranwälten ein gnadenloses Duell um die Schmuddelseite sex.com - und schufen ein Lehrstück über Gier und Gewinne aus den Kindertagen des Internets.
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Sex sells: Das Konzept der Seite war von Beginn an simpel - und garantierte dennoch Millioneneinnahmen. Sex.com zeigte kaum eigenes Pornomaterial, sondern verlinkte lediglich zu anderen Pornoseiten und -videos. Allerdings kosteten die Werbebanner bis zu 45.000 Dollar monatlich. In den Hochzeiten Ende der Neunziger verdiente der Betrüger und Seitenbetreiber Steven M. Cohen vermutlich mehr als eine halbe Million Dollar mit sex.com - pro Monat.

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Visitenkarte eines Betrügers: Mit allerlei Tricks, großer Dreistigkeit und viel krimineller Energie luchste Cohen seinem Widersacher Gary Kremen im Herbst 1995 die Domain sex.com ab. Das daraus gewonnene Vermögen versteckte er in einem Dschungel aus Briefkastenfirmen und Konten in den USA, in Mexiko, Lichtenstein oder den Britischen Jungferninseln. Selbst seine Visitenkarte wies gleich mehrere Adressen auf, unter anderem in der mexikanischen Drogenhochburg Tijuana, wo er sich schließlich jahrelang vor dem Zugriff der US-Justiz verschanzte.

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Heißbegehrt: Nach jahrelangem juristischem Streit sprach ein US-Gericht Gary Kremen im November 2000 schließlich wieder die Rechte an der Domain sex.com zu. Er sollte zudem 65 Millionen Dollar Schadenersatz von Steven Cohen erhalten, der ihm die Seite fünf Jahre zuvor mit einem Trick geraubt hatte. Bis heute hat Kremen allerdings keinen Cent von dem Geld gesehen - das mutmaßliche Millionenvermögen seines Widersachers war nicht auffindbar.

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Ende eines epischen Streits: Nach fünf Jahren auf der Flucht wurde Steven Cohen im Oktober 2005 schließlich in Mexiko festgenommen. Der Screenshot von der Internetseite des US-Journalisten Kieren McCarthy, der ein Buch über den Fall geschrieben hat, zeigt Cohen bei einer Anhörung.

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Die Spur des Geldes: Steven Cohen hatte seine Gewinne aus sex.com so unübersichtlich auf verschiedenen ausländischen Konten versteckt, dass sich die Prozesse gegen ihn in die Länge zogen - und der Verbleib seines geschätzten Millionenvermögens bis heute kaum zu rekonstruieren ist.

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Gegoogelter Sex: Der Domain-Name sex.com war deshalb so umkämpft, weil wohl kein Name so kurz, einprägsam und medienwirksam ist. Wer heute in die Suchmaschine Google "sex.com" eingibt, erhält 475 Millionen Treffer. Sex.com, deren Wert zwischenzeitlich sogar auf rund hundert Millionen Dollar geschätzt wurde, galt einst als die wertvollste Domain der Welt. 2006 wechselte sie für 14 Millionen Dollar den Besitzer - noch nie wurde so viel Geld für eine Internetadresse bezahlt.

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Lukratives Geschäft: Besonders in den neunziger Jahren ließ sich mit dem Handel von Domains Millionen verdienen - und keineswegs nur mit Sexseiten. So brachte der Verkauf business.com im Jahr 1999 umgerechnet 5,9 Millionen Euro ein.

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Geldspiel: Anfang 2010 wurde die Domain Poker.org für eine Million Dollar verkauft - ein Rekordpreis für eine .org-Adresse. Den Rekord für die teuerste Domain weltweit hält jedoch immer noch sex.com, 2006 für 14 Millionen Dollar verkauft.

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Gary Kremen: Jahrelang kämpfte der Stanford-Absolvent aus gutbürgerlichem Haus um seine Domain sex.com, die er sich im Jahr 1994 mit viel Weitsicht und Geschäftssinn gesichert hatte - und die ihm der Betrüger Steven Cohen ein Jahr später entrissen hatte. Als Kremen schließlich nach seinem juristischen Sieg ankündigte, das Konzept von sex.com zu ändern und mehr auf Texte und hochwertige Pornografie zu setzen, brach das Geschäft ein: Die Sexindustrie boykottierte nun ihre einstige Lieblingsseite.

Foto: AP
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Plump, aber erfolgreich: Dieser gefälschte Brief war das Herzstück des Betrugs, mit dem Steven Cohen sich sex.com ergaunerte - und die US-Vergabestelle für Domains narrte. Darin bestätigte scheinbar der Ex-Arbeitgeber von Gary Kremen, dem bisherigen Besitzer von sex.com, dass Kremen gefeuert sei und Cohen die Seite kostenfrei übernehmen dürfe. In Wahrheit hatte Cohen den Brief selbst verfasst. Das Manöver fiel trotz etlicher formaler Fehler und Ungereimtheiten nicht auf.

Foto: Aus: Kieren McCarthy: "Sex.com"
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Schlammschlacht der Sieger: Obwohl sich Gary Kremen nach jahrelangem Rechtsstreit wieder die Rechte an sex.com gesichert hatte, ging sein Streit um die Seite dennoch weiter. Denn einer seiner Anwälte, Charles Carreon, hatte sich eine 15-prozentige Teilhabe aus dem Gewinn der Seite sichern lassen, sollte sein Mandat einmal die Rechte an sex.com zurückerlangen.

Die beiden Männer, einst dicke Freunde, zerstritten sich nun heillos über die Art und den Umfang der Zusammenarbeit bei sex.com. Carreon wollte bei allen Entscheidungen beteiligt sein, Kremen ärgerte sich über den für ihn ungünstigen Passus und feuerte seinen ehemaligen Anwalt - der ihn daraufhin verklagte. Schließlich konnte Kremen gegen eine Zahlung von 269.000 Dollar Carreon dauerhaft aus der Teilhabe von sex.com verdrängen.

Das Foto zeigt ein Buch, das der Anwalt über sex.com schrieb.

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