Irre Experimente Sex, Drogen und - naja, Gesang
Wenn Normale verrückt spielen: Gibt es "Normalsein und Irresein" - und kann man diese beiden Zustände mit absoluter Sicherheit unterscheiden? Diese Frage stellte sich der amerikanische Psychologe David Rosenhan und wagte ein wahrhaft irres Experiment, um sie zu beantworten. Er und sieben weitere geistig gesunde Probanden ließen sich zwischen 1968 und 1972 in insgesamt zwölf verschiedene psychiatrische Kliniken einweisen - alle mit den gleichen Symptomen, die Rosenhan vorher mit Bedacht gewählt hatte, weil sie keinem Krankheitsbild eindeutig zugeordnet werden konnten. Waren die Versuchsteilnehmer dann in der Anstalt, sollten sie sich ganz normal benehmen und versuchen, aus eigener Kraft wieder herauszukommen.
Doch obwohl sie keine Anzeichen einer psychischen Störung mehr zeigten, wurden den Scheinpatienten insgesamt rund 2100 Tabletten verabreicht (die sie nicht schluckten, sondern unter der Zunge verbargen). Zudem bekamen sie unterschiedlichste Präparate für genau die gleichen Symptome. Durchschnittlich dauerte es drei Wochen, bis die gesunden Patienten entlassen wurden. Rosenhan selbst verbrachte einmal sogar 52 Tage in einer Klinik. Die Diagnose zur Entlassung lautete in der Regel nicht einmal geheilt, sondern "Schizophrenie in Remission".
Bild aus dem Film "Einer flog über das Kuckucksnest" von 1975
32 unmoralische Angebote: "Möchtest du mit mir ins Bett?" Stellen sie sich vor, jemand würde auf Sie zukommen und Ihnen gerade heraus diese Frage stellen. Sie fänden das einfach nur eine Unverschämtheit? Dann sind sie vermutlich eine Frau. Zumindest wird dies von einer Studie das Psychologen Russell Clark nahegelegt.
1978 schickte dieser fünf Studentinnen und vier Studenten auf den Campus der Florida State University. Die Frauen boten 16 Männern Geschlechtsverkehr an, die Jungs sollten 16 Mädchen ansprechen. Mit verstörend eindeutigem Ergebnis: Von den angesprochenen Frauen lehnten alle empört ab, bei den Männern nahmen zwölf an - die anderen vier entschuldigten sich sogar bei den Probandinnen, dass sie verheiratet seien oder schon eine Freundin haben würden.
Der Grund für die unterschiedlichen Reaktionen lag für Russell klar auf der Hand: Die unterschiedlichen Kosten für Sex. Männer könnten eine "fast unbegrenzte Zahl von Kindern zeugen. Eine Frau kann aber nur eine begrenzte Anzahl von Kindern austragen und aufziehen."
Die Studenten in dem Versuch liefen natürlich nicht nackt über den Campus. Das Bild zeigt ein Pärchen 1973 auf dem Watkins Glen Rock Festival.
Geduldsprobe: Die Universität von Queensland in Brisbane, Australien hat einen echten Popstar. Er ist im Guinness Buch der Rekorde verzeichnet, Fernsehteams aus aller Welt flogen schon ein, um ihn zu filmen, und sogar eine Band hat sich nach ihm benannt. Sie heißt The Pitch Drop Experiment (zu Deutsch Pech-Tropf-Experiment), denn der Star der Uni ist ein mit Pech gefüllter Trichter - und gilt als das langweiligste Experiment aller Zeiten.
Seine Karriere begann bereits 1927, als Thomas Parnell eine merkwürdige Idee hatte. Der Physikprofessor füllte heißes Pech in einen unten verschlossenen Trichter. Dann wartete er drei Jahre, bis sich das Pech gesetzt hatte. 1930 dann öffnete er die Spitze des Gefäßes - und es passierte ... erstmal nichts. Erst im Dezember 1938 fiel der erste Tropfen Pech in das Reagenzglas darunter.
Das Pitch Drop Experiment veranschaulicht eine erstaunliche Eigenschaft von Pech. Zwar scheint die schwarze Substanz bei Raumtemperatur die Konsistenz von Stein zu haben, doch genau genommen ist sie flüssig - nur etwa 100 Milliarden Mal zähflüssiger als Wasser. So hat der Superstar der Universität von Queensland nur alle acht bis zwölf Jahre seinen großen Auftritt. Bisher sind insgesamt erst acht Tropfen gefallen, der letzte am 28. November 2000. Als es geschah, war allerdings noch nie jemand dabei.
Sie sahen was, was keiner sah: Ein wenig erinnert der Aufruf zu diesem Experiment an die Spam-Mails, die heute beinahe täglich den Traumjob versprechen. Der Psychologe Donald O. Hebb von der McGill University in Montreal war 1951 bereit, Studenten 20 Dollar am Tag fürs Nichtstun bezahlen - damals eine beachtliche Summe. Doch trotz des großzügigen Salärs hielt es keinen der Probanden länger als drei Tage bei dem Experiment.
Betrachtet man den Versuchsaufbau, wird klar warum. In einem schallisolierten, erleuchteten Raum mussten die Studenten auf einem Bett liegen, die Hände in Fausthandschuhen, die Arme in Röhren aus Karton, vor den Augen eine Brille, die nur undeutliche Schemen von der Umwelt durchließ. Nur für den Gang zum Essen oder zur Toilette durften sie aufstehen, die Brille aber nicht abnehmen. So wollte Hebb herausfinden, was mit einem Gehirn geschieht, das von allen Reizen abgeschnitten ist.
Auf diese Art in ihrem Körper gefangen, versuchten die Studenten, Stoff zu wiederholen oder etwa ein Referat zu strukturieren. Doch schon bald war niemand von ihnen mehr in der Lage nachzudenken. Einige begannen vor lauter Langeweile zu zählen. Tests zeigten, dass die Denkfunktionen stark beeinträchtigt waren - dann begannen die Halluzinationen. Alle sahen abrupte Farbwechsel, wirre Muster oder sogar ganze Szenen wie prähistorische Tiere im Dschungel oder auch eine Prozession von Eichhörnchen, mit geschulterten Säcken durch eine Schneelandschaft marschierten.
Bild von einem ähnlichen Experiment zu diesem Thema 1957
Tuskos Horrortrip: Kann LSD eine Psychose auslösen? Das wollten Ärzte 1962 herausfinden - indem sie einem Elefanten LSD verabreichten. Ganz doof war das nicht, denn Elefantenbullen machen Jahr für Jahr eine Art Dickhäuterpsychose durch, Musth genannt. Für einige Wochen sind sie, befeuert durch einen Testosteron-Schub, extrem aggressiv. In dieser Zeit sondern die grauen Riesen eine klebrige Flüssigkeit aus ihren Schläfendrüsen ab. Das Austreten der Flüssigkeit könnte also ein Hinweis darauf sein, dass LSD wirklich psychoseähnliche Zustände auslöst.
So ging Elefantenbulle Tusko unfreiwillig als das Lebewesen in die Geschichte ein, das die wohl höchste LSD-Dosis aller Zeiten verabreicht bekam. Per Betäubungsgewehr wurden dem Tier 297 Milligramm von dem Halluzinogen injiziert - etwa das Dreitausendfache der für Menschen verträglichen Dosis. Mit schrecklichen Folgen. Tusko begann die Kontrolle über seine Bewegungen zu verlieren, trompetete noch ein letztes Mal und brach schließlich zusammen. Am Boden wurde er von Zuckungen geschüttelt, seine Zunge verfärbte sich blau und nach eineinhalb Stunden starb Tusko. In einem Artikel, den die Wissenschaftler einige Monate später in "Science" veröffentlichten, stellten sie trocken fest: "Es scheint, dass Elefanten hochsensibel auf die Wirkung von LSD reagieren."
Das Bild von 2009 zeigt einen Elefanten aus dem Zoo von Buffalo, New York.
Wenn Computer persönlich werden: Wer viel über sein Gegenüber herausfinden will, wird mehr intime Details erfahren, wenn er auch etwas von sich selbst preisgibt. Klingt wie Küchenpsychologie, funktioniert aber - sogar im Dialog zwischen Mensch und Maschine. Das hat die Psychologin Youngme Moon von der Harvard University im Jahr 2000 in einem ebenso absurden wie erstaunlichen Experiment herausgefunden.
Ihre Probanden mussten am Computer elf persönliche Fragen beantworten. Etwa: Was war die größte Enttäuschung in Ihrem Leben? Oder: Was sind Ihre Gefühle gegenüber dem Tod? Ein Teil der Versuchsteilnehmer gaben einfach Frage für Frage in den PC ein, bei den anderen ging jeder Frage ein kurzer Text mit Informationen über den Computer voraus. Vor der Frage "Wann waren Sie das letzte Mal sexuell erregt?" zum Beispiel "verriet" der Computer folgendes über sich: "Vor einigen Wochen kam ein Benutzer hierher und brauchte diesen Computer, um ein digitales Video zu schneiden. Das hatte noch nie jemand auf diesem Computer gemacht." Und tatsächlich: Gab der PC vorher auch etwas über sich preis, waren die Antworten stets detaillierter, länger und persönlicher.
Apple-Firmengründer Steve Jobs hält einen der ersten iMacs im Arm.
Wiederbelebung per Wippe: Es muss ein gespenstischer Anblick gewesen sein. Eine Leiche war mit dem Gesicht nach unten auf einer Art Wippe festgeschnallt (Bild). Ein Mann schaukelte sie langsam und gleichmäßig auf und ab. Doch das seltsame Ritual war kein Voodoo-Zauber und diente auch nicht der Belustigung des Toten - es sollte ihn zum Leben erwecken.
Robert E. Cornish, Wissenschaftler an der Universität Berkeley, hoffte mit diesem Verfahren den Blutfluss von Verstorbenen anzuregen, und sie so quasi zurück ins Leben zu wippen. Er begann 1932 mit seiner Forschung und betrieb sie bis zu seinem Tod 1963. Immerhin, Hollywood drehte nach dem Vorbild dieses unter Kollegen als wahrhaft verrückt geltenden Wissenschaftlers 1935 den trashigen Horrorstreifen "Life Returns". Cornish aber zog sich immer mehr aus Forscherkreisen zurück und verlegte sein Labor in seine Garage. Geld verdiente er mit dem Verkauf einer von ihm erfundenen pulverförmigen Zahnpasta. Nachbarn sollen sich in dieser Zeit immer wieder beschwert haben, dass Hunde und Schafe aus dem Labor entliefen oder merkwürdige Dämpfe von Cornishs Grundstück herüberzogen und dafür sorgten, dass die Farbe von den anliegenden Häusern abblätterte.
Des Fußballrätsels Lösung: Der Heimvorteil ist ein oft bemühtes Schlagwort, wenn es darum geht, zu erklären, warum eine Fußballmannschaft ein Auswärtsspiel verloren hat. Und tatsächlich ist belegt, dass etwa ein halbes Tor pro Spiel auf das Konto dieses Phänomens geht. So richtig erklären konnte das lange Zeit niemand. Laugt die Reise zum Spielort die Fußballer aus? Sind sie verunsichert von dem fremden Stadion? Oder bekamen sie schlicht weniger Unterstützung von den Zuschauern?
Die beiden ersten Möglichkeiten wurden bald ausgeschlossen. Denn die zurückgelegte Entfernung zum Spielort stand in keinem Verhältnis zum Spielausgang. Auch die Vertrautheit mit dem Stadion wurde verworfen. Blieben die Fans. Doch wie beeinflusste der zwölfte Mann von der Tribüne aus das Spielgeschehen?
1999 machte Alan Nevill einen Versuch, der das Phänomen erklären sollte. Der Professor der Universität Wolverhampton tat dies mit einem ebenso einfachen wie genialen Versuchsaufbau. Er spielte einer Gruppe von elf Fußballspielern, Schiedsrichtern und Trainern 52 Fouls vor, stoppte die Aufzeichnung jedoch immer kurz vor der Entscheidung des Schiedsrichters und fragte die Anwesenden, wie sie entschieden hätten. 26 Fouls wurden von auswärts spielenden Mannschaften begangen, 26 von Heimmannschaften. Der Clou: sechs der Probanden bekamen die Testspiele ohne Ton zu sehen, fünf mit.
Das Ergebnis: Mit der Lärmkulisse im Hintergrund entschieden die Testschiris deutlich öfter zugunsten der Heimmannschaft. Die Reaktion des Publikums beeinflusst also die Entscheidung des Schiedsrichters. Es gibt eben doch gute Gründe dafür, zu jedem Auswärtsspiel seiner Mannschaft mitzufahren und sich die Kehle aus dem Leib zu brüllen.
Die Selbstüberschätzer: Warum machen die das? Staffel für Staffel sitzen Millionen Deutsche fassungslos vor ihren Fernsehern und sehen sich an, wie Menschen, die keinen geraden Ton rausbringen, sich bei der Castingshow "DSDS" mit ihren vermeintlichen Sangeskünsten im festen Glauben an ihr Talent vor der Fernsehnation blamieren.
1999 fanden die Psychologen David Dunning und Justin Kruger anhand einer Reihe von Tests heraus, woran das liegt. Sie ließen eine Gruppe von Studenten Arbeitsblätter zu Themen wie Grammatik, Logik oder Humor ausfüllen. Am Ende des jeweiligen Tests musste jeder Student angeben, wie gut er im Vergleich zu den anderen Teilnehmern war. Mit erstaunlichem Ergebnis: Bei allen Fragebögen glaubte das schlechteste Viertel der Probanden von sich, weit über dem Durchschnitt zu liegen - selbst dann noch, als ihnen die Testbögen der besten Teilnehmer zur Ansicht gegeben wurden.
Die Tendenz inkompetenter Menschen, sich selbst zu überschätzen, wird heute als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet.
Singender Callboy vor der Jury der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar".
Strick genommen: Wie fühlt sich der Tod durch Erhängen an? Dieser Frage widmete der rumänische Gerichtsmediziner Nicolas Minovici 1905 eine 238-seitige Arbeit - und nahm sich dafür ein gutes Dutzend Mal selbst einen Strick. Er tat dies mit einem Seil, an dem er sich über eine Rolle, die an der Decke befestigt war, eigenhändig hochzog. "Das Gesicht wurde rot", schrieb Minovici, "dann blau, die Sicht verschwommen, in den Ohren begann es zu pfeifen, und der Mut verließ uns." Anfänglich hielt es der Forscher "nie länger als fünf oder sechs Sekunden aus". Die durch die Schlinge verursachten Schmerzen jedoch hielten mitunter wochenlang an. Fotos illustrierten die Blutergüsse, die sich der Mediziner zuzog. Minovici kam zu dem Schluss, dass die meisten Erhängten nicht ersticken würden, sondern an der unterbrochenen Blutzufuhr zum Gehirn starben. Wer das alles nicht glauben wolle, schrieb der Gerichtsmediziner in seiner Arbeit, könne gerne zu ihm kommen und es selbst ausprobieren.
Das Bild zeigt eine Hinrichtung im US-Bundesstaat Kentucky im Jahr 1926.
Mädchengene für Kochtöpfe: Es ist eins der langweiligsten Klischees der Kinderwelt - Jungs spielen mit Autos, Mädchen mit Puppen. Lange Zeit wurde für dieses Verhalten ausschließlich die Sozialisation durch Eltern und Medien dafür verantwortlich gemacht. Doch die Psychologin Melissa Hines war diese Erklärung zu einfach. Sie wollte 1992 herausfinden, ob es eine genetische Disposition für verschiedene Spielzeuge gibt - in einem Versuch mit Affen. Denn diese konnten weder von Werbung noch vom Verhalten der Eltern auf ein Spielzeug eingeschworen worden sein.
So bewiesen 44 männliche und 44 weibliche Gelb-grüne Meerkatzen: Jungs spielen wirklich lieber mit Bällen und Autos, Mädchen mit Puppen und Kochtöpfen. Doch am Ende war es schwierig, diese Erkenntnis auch publik zu machen. Ein offensichtlich extrem unpopuläres Ergebnis: Zehn Jahre lang sträubten sich Wissenschaftsmagazine, offenbar aus Respekt gegenüber der Frauenbewegung, die Ergebnisse zu veröffentlichen.
"Schneiden Sie ihr den Kopf ab!" Eigentlich wollte der Doktorand Carney Landis in seinem Versuch 1924 lediglich menschliche Gesichtsausdrücke studieren. Doch dafür griff er zu krassen Methoden. Die erste Testrunde war noch harmlos: Die Probanden hörten ein wenig Jazz, lasen in der Bibel, rochen an Ammoniak. Dann wurde die Intensität der Eindrücke langsam gesteigert. Ein Feuerwerkskörper explodierte hinter einem Vorhang, pornografische Bilder wurden gezeigt, die menschlichen Versuchskaninchen mussten blind in einen Eimer fassen, auf dessen Grund sich schleimige Frösche befanden. Als die Testpersonen mit angeekeltem Gesicht die Hand zurückzogen, befahl Landis ihnen, noch tiefer hineinzugreifen. Und - Bzzzz! - bekamen sie von zwei Drähten auf dem Boden des Eimers einen heftigen Stromschlag verpasst.
Dann kam der grausame Höhepunkt des Versuchs: Der junge Wissenschaftler brachte ein Tablett mit einer weißen Ratte und drückte den Probanden ein Messer in die Hand. "Halten Sie die Ratte mit ihrer linken Hand fest", forderte er sie auf, "und schneiden sie ihr dann mit dem Messer den Kopf ab." Manche zeigten ein gequältes Lächeln, andere einen gespannt angespannten Gesichtausdruck, einige begannen zu weinen. Doch am Ende köpften tatsächlich 15 der 20 Personen das Tier. So wurde der Mimikforscher Landis, ohne es zu wissen, zum Begründer von Gehorsamkeitsforschung. Einem Wissenschaftszweig, der sich damit beschäftigt, unter welchen Umständen Menschen bereit sind, anderen Lebewesen Leid zuzufügen.
Dicke Luft in der Bakterien-Bar: Auf barhockerähnlichen Stühlen saßen die Männer in einer rund einen Kilometer langen, geraden Linie in der Wüste von Utah, zwischen ihnen Käfige mit Rhesusaffen und Meerschweinchen. Doch die Probanden und Tiere hockten mitnichten an der längsten Theke der Welt, sondern auf dem militärischen Testgelände Dugway. "Wenn ihr die Pumpen hört, atmet ganz ruhig", hatte Oberst William Tigertt den Männern eingeschärft. Das war einfacher verlangt, als getan - schließlich nahmen die Probanden in dieser Julinacht des Jahres 1955 an einem Biowaffenexperiment teil und würden gleich die Erreger des Q-Fiebers einatmen, einer Krankheit, die damals noch in etwa drei Prozent der Fälle tödlich endete.
Die Aktion war Teil der Operation Whitecoat, einer Serie von Bio- und Chemiewaffentests, die zwischen 1955 und 1973 durchgeführt wurden - unter anderem mit Erregern von Milzbrand, Bauchtyphus und Hirnhautentzündung. Manche fanden im Freien statt, andere in dem sogenannten Eight Ball (Bild) einer Apparatur, mit der die Versuchspersonen den Stoffen in telefonzellengroßen Kammern gezielt ausgesetzt werden konnten. Bei dem Q-Fieber-Versuch in der Nacht von 1955 erkrankte etwa ein Drittel der Probanden - keiner starb.
Treffen sich drei Jesusse: Es klingt wie der Anfang eines fantastischen Witzes. Was passiert, wenn drei Menschen aufeinandertreffen, die sich für Jesus halten? Der Psychologe Milton Rokeach wollte es herausfinden und führte 1959 drei Männer, die sich für Gottes Sohn hielten, in der psychiatrischen Klinik in Ypsilanti, Michigan zusammen.
Zwei Jahre lang trafen sich Rokeach und die drei Christusse fast täglich zu Sitzungen. Dabei kam es mitunter zu interessanten Situationen. Einmal schlug der eine Jesus, den anderen, weil dieser behauptete, dass Adam ein Schwarzer gewesen sei. Doch von seiner Überzeugung, Jesus zu sein, ließ sich keiner von ihnen abbringen. Jeder hatte ein eigenes Konstrukt, warum die beiden anderen falsch lagen. Einer behauptete, dass in den anderen nur Maschinen sprechen würden. Der zweite meinte, die anderen wollten sich mit ihrer Behauptung nur wichtig machen. Und der Dritte nahm die anderen nicht ernst, weil sie schließlich Patienten einer psychiatrischen Station seien. Nach zwei Jahren brach der Psychologe das Projekt ab - ohne die drei Jesusse in ihren Überzeugungen erschüttert zu haben.
Angreifer mit Fernbedienung: José M.R. Delgado hat offenbar ein Faible für Inszenierungen. 1964 stellte sich der spanische Neurowissenschaftler in einer Arena in Cordóba einem Stier. In der einen Hand hielt er ein rotes Tuch, in der anderen einen kleinen Kasten mit ein paar Knöpfen drauf. Als das Tier auf ihn losschoss, ließ Cordóba das Cape fallen - und drückte einen Knopf. Der Stier stoppte abrupt seinen Angriff. Dann drückte er einen zweiten Knopf - wie durch ein Wunder drehte der brandgefährliche Wiederkäuer ab.
Der Doktor Doolittle der Neurowissenschaft steuerte das Tier durch Chips, die er in sein Gehirn implantiert hatte - und löste damit eine lautstarke Debatte aus. Kritiker vermuteten, dass die Gehirnkontrolle auf Knopfdruck der erste Schritt zur totalen Kontrolle des Menschen sei. Delgado machte dennoch weiter mit seinen Versuchen. Per Gehirnimplantat brachte er mit einer Fernbedienung Affen zum Gähnen oder Katzen zum Angreifen. Mit durchschlagender Wirkung: Noch heute bekommt der Wissenschaftler Jahr für Jahr Briefe, in denen Menschen behaupten, er würde ihre Gedanken kontrollieren.
Giftgasanschlag im Namen der Wissenschaft: Wie rottet man alles Leben auf einer Insel aus? Man ruft den Kammerjäger. Der Schädlingsbekämpfer Stephen Tendrich staunte nicht schlecht, als im Frühling 1966 Edward O. Wilson, ein Biologe der Harvard Universität, mit genau dieser Bitte an ihn herantrat. Zugegeben, es handelte sich um vier sehr kleine Eilande. Es waren halb überflutete Sandbänke in den Sümpfen Floridas, auf denen einzelne Mangroven wuchsen.
Wilson hatte die Theorie, dass es für jede Inselgröße eine maximale Anzahl von Arten gab, die auf ihr leben können - und wollte sie hier beweisen. Dazu wurden zuerst in monatelanger Arbeit alle Arten von Insekten und Spinnen bestimmt, die dort lebten. Nur, um schließlich große Plastikzelte über die Mini-Atolle zu spannen und mit dem Nervengift Methylbromid alle Inselbewohner auszuräuchern. Über einen Zeitraum von zwei Jahren wurde danach die Zu- und Abwanderung der Arten auf der Insel beobachtet. Und tatsächlich, ab einem bestimmten Punkt änderte sich die Anzahl der Arten kaum noch. Wilsons radikales Experiment hatte seine Theorie von einem Gleichgewicht der Artenvielfalt bestätigt.
Das Bild zeigt eine Malediven-Insel.
Höhle, Höhle, Höhle: Eigentlich war die Höhle im Massiv von Marguareis an der französisch-italienischen Grenze eher eine Todesfalle. Die Kammer in einem Gletscher war nur durch einen engen Schacht zugänglich (Bild). Wer sich hier schwer verletzte oder erkrankte, würde auch mit der Hilfe von Profis nicht mehr herauskommen. Trotzdem wählte der 22-jährige Geologe Michel Siffre sie als Ort für ein radikales Isolationsexperiment.
Ohne eine Uhr wollte für zwei Monate in der Gletscherhöhle verschwinden und dort unten seinen natürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus beobachten. Am 16. Juli 1962 begab er sich mit Büchern, einem batteriebetriebenen Plattenspieler und den nötigsten Ausrüstungsgegenständen hinunter in 130 Meter Tiefe. Es begann eine quälende Zeit. Denn in der Höhle herrschte eine konstante Temperatur von null Grad bei 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Schuhe, Kleider und Schlafsack sogen sich mit eisigem Wasser voll. Schon bald hatte Siffre das Zeitgefühl verloren. Dafür hatte er unerträgliche Rückenschmerzen, wurde depressiv und dachte ernsthaft darüber nach, sein Testament zu schreiben.
Am 14. September dann kam die große Überraschung, eine Nachricht von seinen Kollegen: Das 58 Tage dauernde Experiment war schon beendet. Nach eigenen Schätzungen hatte der junge Geologe erst 33 Tage unten verbracht. Er hatte geglaubt, dass er immer nur wenige Stunden wach geblieben sei. Tatsächlich hatte er aber beinahe durchweg einen Schlaf-wach-Rhythmus von 8 Stunden Schlafen und 16 Stunden Wachen eingehalten.
Ein widerwärtiger Drink: "Es roch irgendwie abstoßend nach frischem Fleisch", erinnerte sich Barry Marshall (Bild) später. Am 10. Juli 1984 genehmigte sich der Mediziner im Labor des Freemantle Hospital in Perth, Australien, dennoch ein ekliges Getränk. Es war ein Gemisch aus etwa einer Milliarde Bakterien aus dem Magen eines 66-jährigen Patienten und ein wenig Wasser. Marshall stürzte es herunter in der Hoffnung, so richtig krank zu werden.
Genau genommen wollte der junge Arzt sich mit diesem ekligen Selbstversuch eine Magenschleimhautentzündung einfangen. So wollte er beweisen, dass diese Erkrankungen nicht nur psychische Gründe haben, sondern auch durch Bakterien ausgelöst werden können.
Es gelang. Am achten Tag erbrach Marshall etwas Schleim. In der zweiten Woche bekam er einen fauligen Mundgeruch und litt unter Kopfschmerzen. Eine Untersuchung ergab schließlich den Beweis - die Bakterien hatten eine Magenschleimhautentzündung ausgelöst. Heimlich wünschte sich der hochmotivierte Mediziner, dass sich die Entzündung zu einem Magengeschwür entwickeln würde. Über das hätte er "jahrelang publizieren können". Doch als Marshall seiner Frau von dem Selbstversuch erzählte, stellte diese ihn vor die Wahl: Er sollte entweder Antibiotika oder eine eigene Wohnung nehmen.
Der Walversenker: Bereits zwei Mal war es schief gegangen. Und zwei Mal hatte Craig Smith seinen Taucheranzug wegwerfen müssen, weil er den üblen Gestank nicht mehr loswurde. Keine Frage, das Versenken von Walkadavern ist ein hartes Geschäft. Der amerikanische Meeresbiologe versuchte es trotzdem weiter. Er wollte herausfinden, was passiert, wenn große Stücke organisches Material in die Tiefsee absinken.
Im Februar 1992 schließlich wurde ein zehn Tonnen schwerer Wal an der Küste San Franciscos angespült. Mit einem Marineboot schleppte Smith den Meeressäuger auf die offene See und belud das tote Tier mit einigen hundert Kilo Eisenschrott, bis es herabsank. Doch schon kam das nächste Problem. Denn drei Jahre lang bekam der Biologe keine finanziellen Mittel, um mit einem U-Boot auch nach dem Wal zu tauchen. Als er das Tier schließlich auf dem Meeresboden fand, waren nur noch Knochen übrig. Smith war begeistert! Seitdem hat er noch sechs weitere Wale versenkt - und herausgefunden, dass ihre Leichen ein wichtiger Nahrungslieferant für das Ökosystem der Tiefsee sind.
Gestrandeter Wal an der Küste von Patagonien
Die Kreuzigungen des Barbet: Wie starb Jesus wirklich? Die knappe Schilderung in der Bibel war dem erzkatholischen Chirurgen Pierre Barbet viel zu oberflächlich. Der Franzose wollte am Leiden Jesu wenigstens "im Geiste teilnehmen können". So begann er im Saint-Joseph-Krankenhaus in Paris 1932 zuerst amputierte Arme und Beine "mit Vierkantnägeln von acht Millimeter Stärke" auf Bretter zu nageln und mit 40 Kilogramm Gewicht zu beschweren. Schließlich nagelte er sogar ganze Leichen ans Kreuz (Bild), um zu beweisen, dass drei Nägel tatsächlich einen Menschen halten konnten. Am Ende veröffentlichte er in seinem Buch "Die Passion Jesu Christi in der Sicht eines Chirurgen" seine Vermutung, woran Jesus seiner Meinung nach gestorben ist - er erstickte, weil er durch das Aufhängen an den Händen nicht mehr ausatmen konnte.
Sterben auf LSD: Inwiefern verändert LSD die Wahrnehmung des Todes? Das fragte sich Dr. Eric Kast vom Mount Sinai Hospital Anfang der sechziger Jahre. Er wählte eine Gruppe von Menschen, die den Tod stets vor Augen hatte. Seine Probanden waren 80 Sterbenskranke, die nur noch Wochen oder Monate zu leben hatten. Ihnen verabreichte er eine tägliche Dosis von 100 Mikrogramm der halluzinogenen Droge. Mit erstaunlichen Ergebnissen: 90 Prozent gaben an, während des Experiments neue Einsichten über das Leben gewonnen zu haben. Mehr als siebzig Prozent fanden die Erfahrung angenehm, und 85 Prozent wollten das Experiment gar wiederholen. Kast notierte, dass die Testpersonen zwar weiterhin Schmerzen empfänden, sich aber weniger damit plagten. Er hatte die Patienten außerdem gebeten, ihren Zustand mit einer von drei Aussagen zu beschreiben:
1. "Ich möchte sterben, das Leben hat mir nichts mehr zu bieten."
2. "Ich möchte leben, aber es bedeutet mir nichts mehr."
3. "Das Leben ist toll, die Vorstellung vom Tod macht mir keine Angst."
Während vor den Tests die meisten Patienten Antwort 1 wählten, setzte sich im Laufe des Experiments Antwort 2 unaufhaltsam durch.