2009: Pleitewelle in Deutschland - DER SPIEGEL
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2009 Pleitewelle in Deutschland

Für viele Arbeitnehmer wurde das Jahr 2009 zur Zitterpartie. Produktionsstätten von Opel bis Continental kämpften ums Überleben, kleine Firmen gingen reihenweise pleite. SPIEGEL ONLINE erinnert an die schlimmsten Krisen und Insolvenzen.
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Januar 2009: Der fränkische Porzellanhersteller Rosenthal wird von der Krise der britischen Mutter Waterford Wedgewood erfasst. Im Sommer geht Rosenthal an die italienische Sambonet Paderno-Gruppe. Ein Drittel der zuvor 1800 Stellen fällt in der Sanierung weg.

Foto: Miguel Villagran/ Getty Images
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Januar 2009: Die Speicherchip-Tochter des Infineon-Konzerns Qimonda kämpft schon lange mit dem Preisverfall und sinkenden Marktanteilen. Das Unternehmen wird zerlegt, zum Jahresende läuft in Dresden, wo einst fast 4000 Menschen arbeiteten, der Ausverkauf des Inventars.

Foto: DDP
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Qimonda-Beschäftigte vor der Dresdner Arbeitsagentur: Insgesamt gingen in diesem Jahr weit mehr als 30.000 Unternehmen pleite.

Foto: Ralf Hirschberger/ picture-alliance
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Februar 2009: Märklin muss Insolvenz . Jetzt sollen Finanzinvestoren für den Modellbahnbauer gefunden werden. Doch der Markt für die Produkte ist schwierig - entsprechend zäh gestaltet sich die Investorensuche.

Foto: A3537 Marijan Murat/ dpa
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April 2009: Deutsche und französische Mitarbeiter des Reifenherstellers Continental protestieren in Hannover gegen die geplante Schließung von Werken. Ob wenigstens ein Teil der Nutzfahrzeugreifenproduktion in Hannover erhalten bleibt, entscheidet sich im Mai anhand der dann gültigen Absatzprognosen.
Bis dahin müssen die rund 800 Mitarbeiter zittern. Die Aussichten sind deprimierend: Im besten aller Fälle muss jeder zweite gehen. Im schlimmsten Szenario wird das Werk ganz dicht gemacht.

Foto: Peter Steffen/ picture-alliance/ dpa
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Februar 2009: Der 1875 gegründete Wäsche-Spezialist Schiesser sitzt trotz einer Restrukturierung auf einem Schuldenberg und bekommt kein neues Geld. Schiesser soll 2010 verkauft werden. Unter den drei verbliebenen Kaufinteressenten ist der Modemacher Wolfgang Joop.

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April 2009: Das Ausbleiben neuer Aufträge in der Autokrise bricht dem Cabrio-Spezialisten Karmann mit gut 3400 Mitarbeitern das Rückgrat. Im November beschließt VW die Übernahme von Maschinen und Grundstücken in Osnabrück, andere Teile werden verkauft oder geschlossen.

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April 2009: Die Billigkaufhauskette Wooltworth geht mit rund 11.000 Mitarbeitern in die Insolvenz. Etwa die Hälfte der rund 300 Filialen soll fortgeführt werden. In die restlichen Standorte ziehen andere Firmen ein, unter anderem die Drogeriekette Schlecker.

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Juni 2009: Nur ein Jahr nach dem Einstieg des russischen Investors Andrej Burlakow sind die Wadan-Werften in Wismar und Rostock zahlungsunfähig. Burlakow kommt im Dezember in Moskauer U-Haft wegen Betrugsvorwürfen. Die Werften gehen an neue russische Investoren.

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Juni 2009: Arcandor ist endgültig am Ende und muss Insolvenz . Der seit Februar amtierende Chef Karl-Gerhard Eick - der auf diesem Bild zu den Mitarbeitern spricht - hatte vergeblich monatelang versucht, den heruntergewirtschafteten Konzern noch zu retten.

Foto: Martin Meissner/ AP
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Ausverkauf bei Quelle in Willingen: Auch der Versandhändler wird von der Arcandor-Insolvenz mitgerissen. Im Oktober ist klar, dass er komplett aufgeben muss. Ein Schock für die Mitarbeiter: "Ich kann nicht glauben, dass man Quelle so kaputt gemacht hat", sagt einer.

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Udo Jürgens an einem Flügel des Traditionsunternehmens Schimmel: Deutschlands größter Klavierbauer, 1885 gegründet, verlor in der Wirtschaftskrise vor allem in seinem wichtigsten Markt USA an Boden. Das Familienunternehmen mit gut 140 Beschäftigten ringt noch um seine Rettung.

Foto: Uwe Anspach/ picture-alliance/ dpa
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August 2008: Escada, eine der bekanntesten Modemarken der Welt, kann nach schlecht aufgenommenen Kollektionen und hohen Verlusten nicht mehr weitermachen. Immerhin: Ein Käufer findet sich schnell. Megha Mittal, die 33-jährige Schwiegertochter des Stahl-Milliardärs Lakshmi Mittal.

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August 2009: Hertie ist weg. Die letzten Warenhäuser mit dem Traditionsnamen machen auf Beschluss der Gläubiger nach jahrelangem Kampf dicht. Rund 2600 Menschen verlieren ihre Jobs. Die gut 50 ehemaligen Karstadt-Warenhäuser hinterlassen Lücken in den Fußgängerzonen zumeist kleinerer Städte.

Foto: A3430 Bernd Thissen/ dpa
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November 2009: Mitarbeiter von Opel protestieren in Kaiserslautern. Es ist nur eine von vielen Demonstrationen, bei denen die Kollegen ihrer Angst Luft machen. Denn der Kampf um die Rettung des Autobauers ist zu einem Nervenkrieg geworden, der nun schon länger als ein Jahr andauert.
Der Rückblick: Nach langem Hin und Her wurde zunächst verkündet, der Autozulieferer Magna kaufe das Unternehmen. Am Ende behielt General Motors die Marke dann doch. Was dies für die Mitarbeiter bedeutet, ist immer noch nicht bekannt. Klar ist nur: Es werden Tausende Stellen allein in Deutschland abgebaut.

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Immerhin: Die Opelaner konnten sich bei ihrem Rettungskampf auf die Unterstützung der Politik verlassen, dafür werden sie von vielen Mitarbeitern anderer Krisenunternehmen beneidet. Dieses Bild vom damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg entstand im März, als der CSU-Politiker in den USA mit der Spitze der Opel-Mutter General Motors mögliche Lösungen auslotete.
Guttenbergs Foto-Pose auf dem New Yorker Times Square wurde allerdings von vielen Opelanern als unpassend empfunden. Ebenso wie die Tatsache, dass Guttenberg immer wieder die Möglichkeit einer Insolvenz für Opel ins Spiel brachte.

Foto: A3397 Gero Breloer/ dpa
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