"Dirty Dancing" Mal richtig eine heben
Eine Nase fürs Filmgeschäft: Jennifer Grey spielt im Film Frances "Baby" Houseman. Die damals bereits 27-Jährige gibt einen willensstarken Teenager, der sich in den Mambo-Tanzlehrer in Lederjacke verguckt und über versautes Tanzen seine Sexualität, seine rebellische Seite und letztlich die Liebe entdeckt.
"Dirty Dancing" war der Höhepunkt einer Filmkarriere, die eher schleppend voranging. Davor hatte Jennifer Grey Nebenrollen in Filmen wie Francis Ford Coppolas "The Cotton Club" und "Red Dawn" gespielt. Außerdem mimte sie die nervige Schwester in "Ferris macht blau" - doch eigentlich wollte Grey lieber hübsche Mädchen spielen. In einem Interview von 1987 beschwerte sie sich über eine Filmbranche, die einfach nicht über ihre Nase hinwegsehen wollte: "Ich war zu jüdisch für 'Flashdance'. Und ich schaffte es nicht einmal, den Regisseur von 'Endless Love' zu treffen. Seine Assistentin sagte nur: 'Wir suchen ein schönes Mädchen.'"
Und so traf Grey 1990 eine Entscheidung, die ihre Karriere abrupt beenden sollte. Sie...
...ließ sich die Nase operieren. Später sagte sie darüber: "Ich ging als Star in den Operationssaal - und kam heraus als Irgendwer. Es war, als wäre ich in einem Zeugenschutzprogramm." Sogar manche ihrer Freunde erkannten sie zuerst nicht.
Nach einer Dekade, in der sie fast ausschließlich Rollen in Fernsehfilmen bekam, versuchte sie 1999 die fatale Karriereentscheidung mit Humor zu nehmen: Sie spielte sich selbst in der Comedy-Serie "It's Like, You Know
" - und ließ 26 Folgen lang Witze über ihre Nasenoperation über sich ergehen. Immerhin: Die Serie war so erfolglos, dass die letzten sieben Folgen nicht mehr im TV liefen.
"Mein Baby gehört zu mir!" Mit diesem Satz ließ Patrick Swayze als Tanzlehrer Johnny Castle in "Dirty Dancing" Millionen Frauenherzen höher schlagen.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Schauspielern in "Dirty Dancing" hatte Swayze bereits vorher Erfolge gefeiert. Etwa in "Die Outsider" und als schneidiger Südstaatenoffizier Orry Main in der TV-Serie "Fackeln im Sturm".
Doch nach "Dirty Dancing" kostete ihn...
...sein Image aus dem Film fast die Karriere. In Werken wie "Road House" und "Tiger Warsaw" wurde er immer wieder als der knopfäugige Rebell mit Lederjacke besetzt. Dann gelang ihm mit dem Geisterliebesfilm "Ghost - Nachricht von Sam" (1990) und dem Surfthriller "Gefährliche Brandung" (1991) doch noch einmal kurz, an den Erfolg von "Dirty Dancing" anzuschließen - nur um kurz darauf wieder in der Versenkung zu verschwinden. Oder erinnern Sie sich noch an Filme wie "To Wong Foo, Thanks For Everything, Julie Newmar" oder "Pecos Bill - Ein unglaubliches Abenteuer im Wilden Westen"?
2001 gelang dem Schauspieler noch einmal ein Achtungserfolg in dem grandiosen Kultfilm "Donnie Darko", in dem er einen pädophilen Motivationscoach spielt. 2009 starb Patrick Swayze an Krebs.
One-Hit-Wonder: Eleanor Bergstein war die Tochter eines jüdischen Arztes. Ihre ältere Schwester heißt Frances und als Teenager war sie eine Mambo-Queen, die mehrere Tanzwettbewerbe gewann. Kommt Ihnen bekannt vor? Das liegt vermutlich daran, dass Eleanor Bergstein ihre Jugenderlebnisse in dem Drehbuch "Dirty Dancing" verarbeitet hat.
Da in Hollywood jedoch alle Produzenten den Film hassten, wurde der Erfolg nicht gerade zum Karrieresprungbrett für die New Yorker Autorin. Insgesamt erblickten nur drei ihrer Filmideen das Licht der Kinosäle. Zuletzt schrieb sie 2004 das Skript zu "Dirty Dancing: The Musical".
Vom geliebten Papa zum Armleuchter: Als "Dirty Dancing" in die Kinos kam, galt Jerry Orbach unter Kritikern als der größte Name im Cast des Films. Der Schauspieler, der Babys strengen, aber letztlich verständnisvollen Papa Jake Houseman gab, hatte bereits seit den sechziger Jahren große Rollen am Broadway gespielt.
Nach "Dirty Dancing"...
...drehte er weiter Filme, seine größten Erfolge hatte er allerdings als Kriminalbeamter in der Serie "Law & Order" - und als die Stimme des charmanten Kerzenständers Lumière in dem Disney-Film "Die Schöne und das Biest". Jerry Orbach starb 2004 mit 69 Jahren an Prostatakrebs.
Das Bild zeigt den Schauspieler 2004 mit seiner Frau.
Schreckliches Schicksal: In "Dirty Dancing" spielte Max Cantor den jungen Karrieristen Robbie Gould, der sich bei Babys Eltern anbiedert und die Tänzerin Penny geschwängert hat.
Cantor spielte nur in zwei Kinofilmen mit - denn eigentlich wollte der Harvard-Absolvent Journalist werden. Mit seinem Job als Reporter nahm er es offenbar sehr ernst. Bei seinen Recherchen zu einer Geschichte über einen Ersatzstoff für Heroin für die New Yorker Zeitung "The Village Voice" wurde er selbst abhängig. Max Cantor starb 1991 mit 32 Jahren an einer Überdosis Heroin.
Schaupspielkarriere? Nein, danke! Johnny Castles Tanzpartnerin Penny wurde von Cynthia Rhodes gespielt. Diese tanzte in den achtziger Jahren in diversen Musikvideos und spielte in den Tanzfilmen "Staying Alive" und "Flashdance".
Doch obwohl "Dirty Dancing" so ein gigantischer Erfolg wurde, blieb es ihre vorletzte Filmrolle. Denn während sie im Film eine unstete Tänzerin gab, die nach einer Abtreibung fast stirbt, war Rhodes...
...im echten Leben weit familiärer: Sie heiratete 1989 den erfolgreichen Songschreiber Richard Marx (rechts) und wurde Hausfrau und Mutter von drei Söhnen.
Und der Oscar ging an: Kaum jemand weiß, dass "Dirty Dancing" von einem waschechten Oscar-Preisträger gedreht wurde. Aber tatsächlich: 1983 erhielt Emile Ardolino einen Academy Award für "He Makes Me Feel Like Dancin'", eine Dokumentation über den Ballettstar Jacques D'Amboise.
Ardolino war bekannt dafür, dass er, im Gegensatz zu vielen anderen in Hollywood, offen mit seiner Homosexualität umging. 1993 starb er an Aids - doch nicht ohne vorher einen weiteren Klassiker der Mainstream-Unterhaltung abzuliefern: "Sister Act" mit Whoopi Goldberg.
Flucht hinter die Kamera? Lonny Price spielte Neil Kellerman, den von allen "Dirty Dancing"-Fans gehassten Sohn des Ferienressortbesitzers. Kein Wunder, dass es für ihn bei kleineren Filmrollen blieb, dafür feierte er Erfolge...
...als Regisseur. So inszenierte er etliche erfolgreiche Theaterstücke, wie etwa eine Off-Broadway-Produktion des Tim-Burton-Films "Sweeney Todd" und drehte zuletzt einige Folgen der TV-Serie "Desperate Housewives".
Die Nervensäge: Als Baby Housemans schrille Schwester Lisa ist Jane Brucker geradezu eine Ikone des Kinos geworden. Zuvor hatte sie an der North School of Arts in derselben Klasse wie Bruce Willis Schauspiel gelernt. Dennoch blieb "Dirty Dancing" eine von wenigen Film- und Fernsehrollen. Heute ist Jane Brucker verheiratet und hat eine Tochter.
Die ewige Mama: Kelly Bishop spielte in "Dirty Dancing" Babys Mutter und...
...hatte danach ihre größten Erfolge in Mutterrollen: Etwa als Mama von Tobey Maguire in "Wonderboys" oder als Mutter des durchgeknallten New Yorker Radiomoderators Howard Stern in seinem Film "Private Parts". Ihren bekanntesten Part spielte sie allerdings im TV. In der Serie "Gilmore Girls" gibt sie Lorelai Gilmores strenge Mutter Emily. Privat hat sie keine Kinder.
Er trug zwei Wassermelonen: Seit "Dirty Dancing" ist Neal Jones bekannt als "der Watermelon-Boy". Die kleine Rolle war sein erster Auftritt in einem Film und wurde der Beginn einer Karriere als Nebendarsteller in etlichen bekannten Filmen (darunter "Im Auftrag des Teufels" mit Al Pacino und "Die Akte Jane") und Fernsehserien wie "Die Sopranos", "Sex And The City" und "Criminal Minds".
Ungleiches Paar: Die rührselige Liebesgeschichte um die aus geordneten Verhältnissen stammende Frances alias "Baby" und den Tanzlehrer Johnny mit seinem unsteten Leben wurde trotz der eher seichten erzählerischen Qualität des Films zum Kinokult.