30 Jahre Aids - DER SPIEGEL
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Aids Courage und Feigheit

Im Juni 1981 wurden in Los Angeles die ersten Aids-Fälle identifiziert. Die Frühgeschichte der Epidemie war von Vorurteilen, Hass und einem sicheren Tod geprägt. einestages über mutige Aktivisten, die das Stigma besiegten - und die vielen Stars, die an der Seuche starben.
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Protest vor der Börse: Am 20. März 1987 ließ die amerikanische Food and Drug Administration das Medikament AZT zur Behandlung von Aids zu. Damit stieg die Hoffnung auf eine wirkungsvolle Bekämpfung der Krankheit. Das Medikament war allerdings zunächst sehr teuer, so dass es sich nur Wenige leisten konnten. Die Homosexuellen-Organisation ACT UP rief deshalb im September 1989 zu einer Protestaktion auf, bei der sich Demonstranten vor das Gebäude der New Yorker Börse legten.

Foto: Tim Clary / AP
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Ein nackter Skandal: 1994 startete die Modefirma Benetton eine umstrittene Werbekampage mit verschiedenen Schock-Motiven des Fotografen Oliviero Toscani. Eines der Plakate zeigte einen nackten Hintern mit dem Stempel "H.I.V. Positive". Die Werbekampagne wurde später in mehreren Gerichtsurteilen in Deutschland verboten, wieder erlaubt und schließlich wegen Verstoßes gegen die Menschenwürde endgültig verboten.

Foto: AFP
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Brillianter Geist, schwacher Körper: Der französische Philosoph, Psychologe, Historiker und Soziologe Michel Foucault machte seine Homosexualität auch zum Thema seiner Arbeiten. Als er am 25. Juni 1984 in Paris an Aids starb, war die Krankheit noch weitgehend unbekannt.

Foto: AP
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Wissenschaftsstreit: Der französische Biologieprofessor und Virologe Luc Montagnier, rechts, war 1983 Chef der Arbeitsgruppe, die erstmals den als HI-Virus bekannten Erreger von Aids isolierte. Seinem amerikanischen Kollegen Robert Gallo gelang nahezu zeitgleich die gleiche Entdeckung. Zwischen den beiden Wissenschaftlern entspann sich daraufhin ein Streit, der auch politische Dimensionen annahm und unter anderem zum Thema eines Gipfeltreffens zwischen Ronald Reagan und Jacques Chirac wurde. Am Ende wurde dem Team Montagniers die Erstentdeckung zugesprochen. 2008 erhielt Montagnier dafür auch den Nobelpreis.

Foto: dpa
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Mit Kunst gegen Aids: Der US-amerikanische Künstler Keith Haring erhielt 1988 die Diagnose Aids und machte in der Folgezeit mit Benefiz-Aktionen auf die Krankheit aufmerksam. Am 16. Februar 1990 starb Haring an den Folgen der Immunschwäche. Die Aufnahme zeigt ihn im Oktober 1986 vor einem von ihm bemalten Abschnitt der Berliner Mauer.

Foto: AP
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Den Tod in der Hand: Der Fotograf Robert Mapplethorpe liebte die öffentliche Provokation. Er inszenierte sich selbst und seine Modelle beispielsweise in homoerotisch-pornographischen Posen und stand damit häufig in der Kritik konservativer Gruppen in den USA. Nachdem seine Aids-Erkrankung publik geworden war, wurden seine Bilder für Rekordsummen verkauft. Er starb 1989 in Boston. Das 1988 entstandene und vergleichsweise zahme Selbstportrait des US-Amerikaners zeigt ihn mit einem Gehstock mit Totenkopf-Knauf. Zum Zeitpunkt der Entstehung der Fotografie wusste Mapplethorpe bereits von seiner Erkrankung.

Foto: AP
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Verleugnet: Der Lead-Sänger der britischen Rockband Queen, Freddie Mercury, erfuhr 1987 von seiner HIV-Erkrankung und verleugnete sie in der Öffentlichkeit. Weltweit waren die Gerüchte, der Musiker sei an Aids erkrankt, immer wieder Thema in der Boulevard-Presse. Bis kurz vor seinem Tod produzierte Mercury weiter Songs und Videos. Erst am 23. November 1991 informierte er die Öffentlichkeit schriftlich über seine Krankheit - einen Tag vor seinem Tod. Die Aufnahme zeigt ihn am 13. Juli 1985 während eines Auftritts beim Live-Aid-Konzert im Londoner Wembley Stadion.

Foto:

Dave Hogan/ Getty Images

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Bis der Vorhang fiel: Der russische Balletttänzer Rudolf Nurejew, links, während einer Aufführung im April 1984 in Hamburg. Der große Star des klassischen Balletts infizierte sich wahrscheinlich schon zu Beginn der achtziger Jahre mit dem Aids-Erreger. Auch er verleugnete die Krankheit jahrelang in der Öffentlichkeit und stand noch bis kurz vor seinem Tod auf der Bühne. 1992 erlitt er auf der Bühne einen Schwächeanfall und starb einige Monate später in Frankreich.

Foto: dpa
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Kämpferwille: Der US-amerikanische Basketballspieler Magic Johnson brach auf dem Höhepunkt seiner Karriere in den achtziger Jahren sämtliche Rekorde. Im Jahr 1991 wurde bei ihm bei einer routinemäßigen Untersuchung Aids festgestellt. Daraufhin beendete er vorerst seine Karriere als Profisportler, nahm jedoch 1992 noch an den Olympischen Spielen in Barcelona teil und holte zusammen mit dem Team der USA Gold. Kurz darauf kehrte er als Spieler in die NBA zurück. Aufgrund seiner Aids-Erkrankung wurde er mit zahlreichen Vorurteilen konfrontiert. Einige Mitspieler hatten Angst vor einer Ansteckung und es kursierten Gerüchte über sein Sexualleben. Johnson engagiert sich stark in der Präventionshilfe und Aufklärung über Aids - insbesondere machte er darauf aufmerksam, dass eine Aids-Infektion nicht nur Risikogruppen wie Homosexuelle oder Drogenabhängige treffen kann. Die Aufnahme zeigt das Titelblatt der Daily News vom 8. November 1991.

Foto: Getty Images
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Patient Zero: Der kanadische Steward der Air Canada, Gaetan Dugas, galt lange als erster Patient der Aids-Epidemie in den USA. Er infizierte wahrscheinlich einige seiner Sexualpartner mit dem Erreger und starb selbst am 30. März 1984 an den Folgen der Krankheit. Der Journalist Randy Shilts thematisierte den Dugas-Fall in seinem Buch "And the Band Played On" von 1987. Ob es sich bei Dugas aber tatsächlich um den Patient Zero handelt, ist umstritten. Außerhalb der USA stammen die ältesten menschlichen Blutproben mit Antikörpern des HIV-Erregers aus den fünfziger und sechziger Jahren.

Foto: Anonymous/ AP
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Aufklärer: Der US-Amerikaner Randy Shilts war unter anderem Journalist beim San Francisco Chronicle. Er ging offen mit seiner Homosexualität um und schrieb als freier Autor dokumentarische Bücher über das Thema. Sein Buch "And the Band Played On", an dem er von 1980 bis 1985 arbeitete und das 1987 erschien, informierte über die Entstehung der Aids-Epidemie in den USA. Im Jahr 1987 erfuhr Shilts von seiner eigenen Aids-Erkrankung. Die Aufnahme zeigt ihn im selben Jahr an seinem Arbeitsplatz beim "San Francisco Chronicle".

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Panik in Paris: Schauspieler Rock Hudson hatte die Diagnose Aids wahrscheinlich im Frühjahr 1984 erhalten. Die Öffentlichkeit erfuhr von seiner Krankheit und seiner Homosexualität, als er im Pariser Hotel Ritz kollabierte und in ein Krankenhaus gebracht wurde. Dort flohen zahlreiche Patienten aus Angst vor Ansteckung. Das Krankenhaus selbst wollte ihn möglichst schnell wieder entlassen; doch sämtliche Fluggesellschaften lehnten seinen Transport ab. Er musste schließlich selbst eine Boeing 747 chartern, um in die USA gebracht zu werden. Am 2. Oktober 1985 starb er in Los Angeles. Die Aufnahme zeigt ihn in einer Szene des Films "Fremde Bettgesellen" von 1964 zusammen mit Gina Lollobrigida.

Foto: ddp images
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Beerdigung von Randy Shilts: Um den an Aids gestorbenen Journalisten Randy Shilts zu ehren, säumten während seiner Beerdigung am 22. Februar 1994 etwa 1500 Menschen die Straßen um die Glide Memorial Church in San Francisco. Anwesende Kritiker Shilts und religiöse Extremisten störten den Trauerzug und wurden daraufhin von der Menge mit Eiern beworfen.

Foto: AP
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