30 Jahre "Pac-Man" - DER SPIEGEL
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"Pac-Man" Der gefräßige Geisterjäger

Der Urvater aller Videospielhelden feiert Geburtstag: Vor 30 Jahren tauchte ein gefräßiger gelber Kreis namens "Pac-Man" auf - und stürzte die Welt ins Gelbfieber. Seither hatte er zahllose Auftritte in Spielen, Songs und Filmen - und sogar fast ein uneheliches Kind. Von Danny Kringiel
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Frau Pacmann: 1981 erschien der "Pac-Man"-Nachfolger "Ms. Pac-Man". Und wurde das einzige Spiel, das jemals "Pac-Mans" Rekord von 100.000 innerhalb eines Jahres in den USA verkauften Spielautomaten übertrumpfte. Und das, obwohl das Spiel fast identisch mit dem Original war.

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Das Eckige muss ins Runde: Die Regeln von "Pac-Man" waren eigentlich einfach - der Spieler musste alle 240 eckigen Pillen im Level verschlingen, um zum nächsten Level weiterzukommen, und wurde dabei von vier Geistern verfolgt. Fraß Pac-Man eine der vier sogenannten "power pellets" in den Ecken des Labyrinths, liefen die Gespenster eine Weile blau an, und Pac-Man konnte auch sie verspeisen.

Foto: AP
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Eishockey im Labyrinth: Als "Pac-Man" am 22. Mai 1980 in Japan veröffentlicht wurde, hieß er noch gar nicht "Pac-Man", sondern "Puck-Man" - wegen seiner Form, die an eine Eishockeyscheibe erinnert.

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Treffpunkt Spielhalle: Neben den Videospielen erfüllten die Arcades vor allem auch eine wichtige soziale Funktion - vor allem junge Menschen trafen sich hier täglich mit Freunden, um gegeneinander zu spielen und die eigenen Bestleistungen in den Highscore-Listen der Spielautomaten zu vergleichen.

Foto: AP
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Die wecken den Pac-Man in dir: Anfang der Achtziger kannte der Merchandise-Wahn um "Pac-Man" keine Grenzen. Besonders beliebt waren Nahrungsmittel mit dem Konterfei des gelben Vielfraßes. Neben "Pac-Man"-Dosennudeln, "Pac-Man"-Limonade und "Pac-Man"-Multivitaminsaft gab es sogar "Pac-Man"-Frühstücksflocken. Mit kleinen "Pac-Man"-Marshmallows.

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Bittere Pille: 1982 erschien eine "Pac-Man"-Umsetzung für die damals beliebteste Spielkonsole, das Atari Video Computer System 2600. Das Spiel verkaufte sich sieben Millionen Mal - was vor allem deshalb beachtlich war, weil überhaupt nur zwölf Millionen Menschen eine solche Atari VCS-Konsole besaßen. Dennoch brachte das Spiel den Herstellern herbe Umsatzeinbußen ein - sie waren voller Optimismus davon ausgegangen, wirklich jeder der zwölf Millionen Besitzer würde das Spiel kaufen - und blieben am Ende auf fünf Millionen überschüssigen Spielmodulen sitzen.

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Der ungeliebte kleine Bruder: Obwohl sich die "Pac-Man"-Version für Ataris VCS 2600-Spielkonsole 1982 mehr als sieben Millionen Mal verkaufte, waren viele Kunden äußerst unzufrieden mit dem Titel. Zu klobig und flackernd war ihnen die Grafik, zu piepsig wirkten die Soundeffekte. Mehrere Spielmagazine kürten das Spiel gar zur "schlechtesten Spielautomatenumsetzung aller Zeiten".

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Held mit Biss: Immer wieder erzählte Toru Iwatani, der Erfinder von "Pac-Man", in Interviews, die Idee zu seiner Figur sei ihm gekommen, als er ein dreieckiges Stück von einer Pizza hochgenommen und die Form auf seinem Teller betrachtet habe. 1986 räumte er dann ein, die Geschichte sei eigentlich nur "halbwahr".

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Pac-Man als Goldesel: Masaya Nakamura, der Gründer der Spielautomatenfirma Namco, glaubte nicht daran, dass "Puck-Man" erfolgreich sein würde, als dessen Erfinder Toru Iwatani ihm das Spiel Anfang 1980 vorstellte. Doch das Spiel und die dazugehörigen Merchandise-Artikel sollten sich für die Firma als wahre Goldgrube erweisen. Iwatani selbst erhielt allerdings nur einen einmaligen 3500-Dollar-Bonus - keine Gehaltserhöhung oder Beförderung.

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Pac-Politiker: Am 25. Oktober 1982 schaffte es "Pac-Man" sogar auf das Cover des "Time Magazine". Allerdings ging es in dem dazugehörigen Artikel gar nicht um das Videospiel, sondern um "political action committees" (PACs), Bürgerinitiativen, die vor den Wahlen Geld für ihre Wunschkandidaten sammeln.

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Verrückt nach Pac-Man: Bis heute kursiert das Gerücht, Pac-Man sei in den Achtzigern vom "Time Magazine" zum Mann des Jahres gewählt worden. Ursprung dieser Legende ist wohl dieses Cover der Zeitschrift "Mad" aus dem September 1982, das dem Layout des "Time Magazine" nachempfunden ist.

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Gelbe Nacht, heilige Nacht: Der US-Fernsehsender ABC strahlte von 1982 bis 1984 sogar eine eigene "Pac-Man"-Zeichentrickserie aus. Weihnachten 1982 wurde die Sondersendung "Christmas Comes to Pac-Land" ausgestrahlt, in der Pac-Man, Ms. Pac-Man und ihr Pac-Kind dem abgestürzten Weihnachtsmann halfen, trotz ständiger Angriffe der bösen Gespenster aus dem Spiel noch rechtzeitig alle Weihnachtsgeschenke zu verteilen.

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Aus Puck wird Pac: Bevor das japanische "Puck-Man"-Spiel (rechts) im Oktober 1980 in den USA auf den Markt kam, wurde sein Name in "Pac-Man" (links) geändert - die Hersteller befürchteten, amerikanische Jugendliche könnten aus dem P ein F machen. Auch die Dekoration des japanischen Originals wurde vereinfacht - um Kosten zu sparen.

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Spielhimmel: In den achtziger Jahren ist nahezu jeder Teenager vom "Pac Man"-Fieber betroffen. Die Spielhallen waren überfüllt - wie diese Videospiel-Arcade in Los Angeles (Foto von 1982), in der jeder Automat besetzt ist.

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Doktorspiel: Der sensationelle Erfolg von "Pac-Man" veränderte das Design von Videospielen komplett. Waren vorher vor allem Weltraum-Ballerspiele à la "Space Invaders" beliebt, überfluteten nun plötzlich Labyrinth-Spiele den Markt. Auf diesem Foto aus dem Jahr 1982 stellt Dr. Elton Stubblefield aus Houston seine medizinische "Pac-Man"-Variante "Killer T-Cell" vor, in der der Spieler durch ein Labyrinth irrt und alle Krebszellen darin verschlingen muss. Der Verkaufserlös wurde in die Krebsforschung gesteckt.

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Nichts als Ärger mit dem Balg: 1982 veröffentlichte die Firma Bally-Midway, die "Pac-Man" in den USA vertrieb, das kombinierte Flipper- und Videospiel "Baby Pac-Man" - ohne dafür das Einverständnis der Firma Namco einzuholen, die "Pac-Man" entwickelt hatte. Der Streitfall führte zum Ende der Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Firmen.

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Aufstieg bis zum Absturz: Im Jahr 1999 gelang es dem Grillsaucenfabrikanten Billy Mitchell (hier vor einem "Donkey-Kong"-Automaten) als erstem Menschen, "Pac-Man" durchzuspielen - obwohl das Spiel eigentlich unendlich weitergehen sollte. Nach fünfeinhalb Stunden Spielzeit erreichte Mitchell im 256. Level mit 3.333.360 Punkten den sogenannten Split Screen - aufgrund eines Programmierfehlers verwandelt sich hier die rechte Hälfte des Spielfeldes in ein Symbolgewirr, das das Weiterspielen unmöglich macht.

Foto: Getty Images
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Gelbfieber: 1982 veröffentlichten die völlig unbekannten Musiker Jerry Buckner und Gary Garcia ihren Song "Pac-Man Fever", der eigentlich als Scherz gemeint war. Sie trafen damit so genau den Nerv der Zeit, dass das Lied ihnen nicht nur zu ihrem ersten Plattenvertrag verhalf, sondern auch bis auf Platz neun der US-Charts aufstieg.

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Runde Sache: 2004 überlegte sich der französische Künstler "Le Gentil Garçon", wie es wohl aussehen könnte, wenn Paläontologen eines Tages die Überreste von Pac-Man ausgraben würden. Und schuf diese Skulptur mit dem Titel "Pac-Man (advanced) - Le Gentil Garçon - 2004". Das Foto wurde von Le Gentil Garçon zur Verfügung gestellt.

Foto: Le Gentil Garçon
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Plüschmonster im Kinderparadies: 1983 eröffnete der Six Flags Freizeitpark in Texas ein eigenes "Pac-Man Land". Unter dem klangvollen Namen verbarg sich allerdings nur eine Kletterlandschaft für Kinder, in der Parkangestellte mit unheimlichen Pac-Man- und Ms. Pac-Man-Kostümen umherliefen - so wie auf dieser Postkarte.

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Computerspiel ohne Computer: 1982 veröffentlichte die Firma MB ein "Pac-Man"-Brettspiel. Die Zahlenverhältnisse hatten sich hier allerdings zuungunsten der Gespenster gewandelt - bis zu vier Pac-Männer standen hier nur zwei Geistern gegenüber.

Foto: Ian Crowfeather
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Pac-Mann im Mond: Im März 2010 entdeckten Wissenschaftler auf dem Saturnmond Mimas eine seltsame Temperaturverteilung. Auf Wärmebildaufnahmen sah der Himmelskörper wie ein riesiger Pac-Man aus, der einen Mondkrater verschlingt.

Foto: NASA/JPL
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Weihnachtsdrama im Hause Pac-Man: Der "Pac-Man"-Wahn trieb teilweise absurde Blüten. 1983 erschien die Kinder-Hörspiel-Platte "The Pac-Man Christmas Story". Darin erleben die Hörer, wie Pac-Kind am Weihnachtsabend entsetzt feststellt, dass es für seine Eltern, Pac-Man und Ms. Pac-Man, kein Weihnachtsgeschenk gekauft hat - und wie es sich anschließend die ganze Nacht im Keller einschließt, um einen Pokal mit der Aufschrift "beste Mami & Papi der Welt" zu schweißen.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?