Anarchostaat Selbstverwaltung für Außenseiter und Unangepasste
Flammender Protest: Im Mai 2007 kam es - wie so häufig - zu Krawallen rund um Christiania. Nachdem die dänischen Behörden ein Haus in dem autonomen Mini-Staat hatten abreißen lassen, gingen aufständische Jugendliche auf die Straße, warfen mit Steinen und zündeten Barrikaden an. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Randalierer vor.
Geduckt: Das Bild der patrouillierenden Ordnungskräfte und des Christianiters Bent im Vordergrund machte Magnus Cederlund 2006. Über Jahre dokumentierte der ehemalige Sozialarbeiter...
...das Leben der Christianiter. Der schwedische Fotograf Cederlund fotografierte die Bewohner...
...in teils sehr intimen Posen, hier Ingvild 1990.
Den grå hal: In der sogenannten Grauen Halle, einem ehemaligen Reitstall, finden die größten Veranstaltungen für die Bewohner Christianias statt.
Verraucht: Der Jazzclub in Christiania öffnet jeden Mittwoch und Freitag seine Türen. Nicht nur Christianiter haben zu dem gemütlichen Pub Zugang, der Eintritt kostet allerdings 40 Kronen. Ursprünglich war die Bar ein Kindertheater, mittlerweile wird hier außer Jazz auch Elektromusik, House und alternativer HipHop gespielt.
Freie Hundeliebe: In Christiania leben rund 800 Menschen und unzählige Hunde, die in den Straßen des Mini-Staats herumstreunen und die scheinbar niemandem gehören.
Viel Grün und etwas Gerümpel: Seit Jahren schielt der Staat nach dem 36 Hektar großen Baugrund in allerbester City-Lage. Im Februar 2011 schien es so, als wäre das Ende des Hippie-Freistaats gekommen. Denn...
...der Oberste Gerichtshof sprach Dänemark das alleinige Nutzungsrecht für Christiania zu, doch...
...seit Juni können sich die Bewohner Christianias schließlich als die rechtmäßigen Eigentümer des insgesamt 36 Hektar großen Areals bezeichnen. Über einen gemeinsamen Fonds kauften sie dem Land Dänemark nicht nur Grund und Boden ab, sondern auch einen Großteil der darauf befindlichen Gebäude - für rund zehn Millionen Euro.
Der Staatsmacht zuvorgekommen: Eine Handvoll Bewohner Christianias, die jahrzehntelang offen mit Drogen in der Pusher Street gehandelt hatten, rissen im Januar 2004 eigenhändig ein paar ihrer Geschäfte ab - weil sie eine Razzia befürcheten, die eine Zwangsräumung zur Folge gehabt hätte. Dennoch...
...nahm die Polizei mehrere Dealer fest. Nach diesem Einsatz wurden Cannabis und Marihuana nicht mehr an öffentlichen Ständen in Christiania feilgeboten.
Selbstversorgung: Die Aufnahme von der lokalen Bäckerei entstand 1972 - da war die dänische Hippie-Kommune Christiania gerade mal ein Jahr jung.
Mobil ohne Automobil: Wer in Christiania schneller als zu Fuß unterwegs sein will, muss in die Pedale treten. Motorbetriebene Fahrzeuge sind in dem autonomen Mini-Staat verboten. Trotzdem besitzen einige der sogenannten Christianiter Autos - diese müssen allerdings draußen bleiben: Die Eigentümer parken ihre Pkw vor den Toren der Kommune.
Wandkunst: Dieses Graffito stellt eine Razzia nach. Wegen des offenen Haschisch-Handels kam es in den vergangenen Jahren häufiger zu Polizeieinsätzen in Christiania.
Schräg: Mit recycelten Baumaterialien und buntbemalten Fassaden zeigen die "Christianiter" viel Phantasie beim Errichten ihrer Häuser. Doch nicht alle Gebäude in Christiania sind architektonische Hingucker - hier Jens Bloch 1999 vor seiner bescheidenen Behausung, die er aus ein paar Brettern und Dachpappe zusammenzimmerte.
Kinderparadies: Viele der 68er, die sich in dem dänischen Freistaat Christiania niederließen, haben mittlerweile Kinder bekommen. Für den Nachwuchs...
...wurde ein Kindergarten eingerichtet - natürlich selbstverwaltet. Und auch...
...eine "Kinderzone" wurde geschaffen. Für die kleinen Christianiter ist die autofreie Hippie-Stadt ein Paradies.
Lebenskünstler: Heinrich (Foto von 1999) ist einer der ersten dauerhaften Bewohner von Christiania. In der autonomen Kommune werden Konflikte immer innerhalb der Gemeinschaft gelöst. Sie kann beschließen, ob ein Bewohner als Höchststrafe aus der Wohnsiedlung verbannt wird. Denn es gibt zwar keine Polizei in Christiania, sehr wohl aber einige Regeln, an die sich alle halten müssen - zum Beispiel...
...sind Waffen und Gewalt verboten, auch harte Drogen. Haschisch und Marihuana zählen für die Christianiter nicht dazu. Ganz unverblümt wird hier Rauchware aller Sorten entlang der Pusher Street gehandelt, in Tütchen oder bereits als Joint gedreht - eine Mengenbeschränkung für die Käufer gibt es nicht.
Auszeit: Rolf macht ein Nickerchen zwischen Abfall und leeren Bierflaschen. Konservative Dänen empören sich seit der Gründung der alternativen Siedlung über das "Lotterleben", dam die freiheitsliebenden Christianiter frönen - auch wenn sie, wie alle Bürger Dänemarks, Steuern und Nebenkosten für die Müllentsorgung, Wasser und Strom zahlen.
Aussteiger: 1971 haben in der alternativen Siedlung, die einmalig in Europa und eine der beliebtesten Touristenattraktionen Dänemarks ist, Gestrandete des Kapitalismus einen Platz gefunden - hier der freischaffende Künstler Lasse 1991 in seinem Atelier. Inzwischen gehen einige Christianiter außerhalb ihrer Kommune einer regulären Arbeit nach.
Modern: Der Künstler William Skotte Olsen, hier 2001 in seinem Atelier, wohnt seit der Gründung des Freitstaats in Christiania. Er machte sich über die Grenzen der Kommune hinaus als Maler und Musiker einen Namen und verdient mit seinen Werken seinen Lebensunterhalt.
Staatssymbol: Bewohnerin Bibi hat sich die knallrote Staatsflagge mit den drei Punkten, die für die drei i in "Christiania" stehen, auf die Hüfte tätowieren lassen.