40 Jahre French-Open-Poster - DER SPIEGEL
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French-Open-Poster So kunstvoll wie eine Federer-Rückhand

Seit 1980 werden die French Open jedes Jahr mit einem Poster beworben. Die Kunstwerke haben längst Kultstatus – und spiegeln manchmal schön das Drama auf dem Platz. Eine Rückschau in Bildern.
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Der Hintergrund so tiefblau wie der Pariser Sommerhimmel, im Herzen ein leidenschaftlich roter Tennisball: Den Auftakt der French-Open-Poster machte 1980 der italienische Maler Valerio Adami. Pop-Art trifft hier auf sozialistischen Realismus, nur dass die Hand hier nicht entschlossen zum Hammer sondern zum Racquet greift. Ein Versuch, das links-intellektuelle Pariser Publikum zu einer Sportveranstaltung zu locken?

Foto: Valerio Adami/ Galerie Lelong/ FFT 1980
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Den Titel in Roland Garros holte in diesem Jahr jedenfalls der schwedische Tennis-Existenzialist Björn Borg. Bei den Damen siegte das All-American Girl Chris Evert Lloyd.

Foto: GABRIEL DUVAL/ AFP
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Mit dem Vorjahressieger wurde das Folgeturnier 1981 beworben: Björn Borgs ironisch abstrahierter Haarschopf, von dessen charakteristischem Stirnband gezähmt. Das Werk des Spaniers Eduardo Arroyo erinnert nicht von ungefähr an ein Plakat zu einem Wes-Anderson-Film. Der Regisseur und Meister der Retro-Requisiten verpasste seiner Figur Richie "The Baumer" Tenenbaum den Borg-Look. Zum Kultobjekt wurde das Arroyo-Poster allerdings durch eine andere Achtziger-Hommage: Im Liebesfilm "Call Me By Your Name" hängt es im Jugendzimmer des bourgeoisen Helden - und seither auch in Kreuzberger Altbauwohnungen.

Foto: Eduardo Arroyo/ Galerie Lelong/ FFT 1981
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Borg konnte seinen Titel verteidigen. Im Damenfinale bezwang die Tschechoslowakin Hana Mandlíková die Deutsche Sylvia Hanika - Namen aus einem anderen Jahrtausend. Den Esprit jener Zeit hat die wundervolle Tennisdoku "The French"  eingefangen, die den Stars bis unter die Dusche folgte.

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Als hätte Gilles Aillaud eine Vision gehabt: Der französische Grafiker und Bühnenbildner stilisierte 1984 die Tennisarena zum Hexenkessel, in dessen fiebrig-rotem Sand die Athleten vor Tausenden Schaulustigen um den Sieg ringen.

Foto: Gilles Aillaud/ Galerie Lelong/ FFT 1984
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Und so kam es: Im Finale lieferten sich der US-Amerikaner John McEnroe und der Tschechoslowake Ivan Lendl eine hitzige Schlacht, ein Hauch Kalter Krieg auf dem Court Central, nach einem epischen Fünfsatzmatch nahm Lendl den Pokal in Empfang.

Foto: Joel Robine/ Dominique Faget/ AFP
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Neonfarben, Computerschrift - die French Open, das soll Jacques Monorys Entwurf von 1985 wohl sagen, sind in der Zukunft angekommen. Man merkt, dass der Franzose auch Filmemacher war: Die grellen Farben erzeugen Dichte und Spannung wie in einem Science-Fiction-Thriller, der Spieler muss sich mächtig strecken, um in einem psychotischen Komplott zu bestehen.

Foto: Jacques Monory/ Galerie Lelong/ FFT 1985
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Kühlen Kopf im Psychospiel Tennis behält der Schwede Mats Wilander, bei den Damen siegt erneut Chris Evert-Lloyd. Einen Monat später beginnt im deutschen Tennis eine neue Zeitrechnung: Boris Becker, ein 17-jähriger Rotschopf aus Leimen, triumphiert in Wimbledon.

Foto: Phillipe Bouchon/ AFP
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Ein Poster, wie es die Praxisflure tennisbegeisterter Orthopäden schmückte: Bei Joan Miró wird Tennis 1991 zu Dada - wie passend in Zeiten von "Bumm-Bumm-Boris". Nachdem der katalanische Maler das Plakat für die Fußball-WM 1982 in Spanien gestaltet hatte, versprach er den Parisern eines für ihr Tennisturnier - wozu er vor seinem Tod 1983 nicht mehr kam. Die Nachlassverwalter suchten zum zehnjährigen Jubiläum der Posterserie dieses Bild aus, weil sie die Dynamik und Farbkombinationen an ein Tennisspiel erinnerten. Nun ja.

Foto: Joan Miró/ Galerie Lelong/ FFT 1991
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Auch auf dem Court Central brachen in diesem Jahr alle Dämme, zumindest optisch: Im Herrenfinale traf ein Mann mit Baseballmütze auf einen Tennisfilou in schrillen Radlerhosen - Jim Courier bezwang Andre Agassi in fünf Sätzen. Bei den Damen unterlag die Katalanin Arantxa Sánchez Vicario der jungen Monica Seles aus Jugoslawien. Miró hätte geweint.

Foto: Jean-Loup Gautreau/ AFP
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Der argentinische Karikaturist Antonio Segui und wie er 1999 die French Open sah: Das Publikum ein großnasiger Männerbund, der argwöhnisch das monotone Links-Rechts der Ballwechsel verfolgte.

Foto: Antonio Segui/ Galerie Lelong/ FFT 1999
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Andre Agassi, mittlerweile mönchisch geschoren und in praktischer Funktionskleidung aktiv, holte seinen ersten und einzigen Titel in Paris. Im Endspiel ließ er dem melancholischen Ukrainer Andrij Medwedjew keine Chance. Drama dagegen bei den Damen: Steffi Graf kämpfte die Schweizerin Martina Hingis in einem dramatischen Finale nieder und holte den letzten Grand-Slam-Sieg ihrer langen Karriere.

Foto: Jacques Demarthon/ AFP
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Die strengen Geometrien des Tennisplatzes, die Symmetrie der weißen Linien, das fing die New Yorker Künstlerin Kate Shepherd 2007 ein.

Foto: Kate Shepherd-galerie/ Lelong-FF
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Auf dem Platz zog derweil Rafael Nadal seine Kreise - ein genialischer Maler auf roter Leinwand, verrückt auf seine ganz eigene Weise (ein Tennis-Pollock). Im Finale bezwang der Spanier im zweiten Jahr in Folge den Schweizer Roger Federer, sein dritter von bislang elf French-Open-Titeln.

Foto: A2800 epa Maya Vidon/ dpa
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Neo-Pop-Künstler Hervé Di Rosa ließ es 2012 krachen: Aufgeblasene Münder à la Jeff Koons, ein Tennisball fliegt frech grinsend durchs Bild, von Teilen des Publikums nur aus den Augenwinkeln beäugt. Versteckte Kritik an der Eventisierung des Traditionsturniers, an Moët-Claqueuren und Modenschau?

Foto: Hervé Di Rosa/ Galerie Lelong/ FFT 2012
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Der Sandplatzkönig ließ sich von dem Trubel nicht blenden: Rafael Nadal triumphierte gegen Novak Djokovic. Bei den Damen stöhnte sich die Russin Marija Scharapowa zu ihrem ersten Erfolg bei den French Open. Comme c'est vulgaire!

Foto: Yoan Valat/ picture alliance / dpa
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Ein sinisterer Schatten auf blutroter Asche, am Tatort weiße Kreidelinien, die Grenzen zwischen Täter und Opfer sind fließend: Der Brasilianer Vik Muniz zeichnet 2017 das Tennismatch als Psychothriller. Und sind die Spieler nicht auch schizophrene Opfer ihrer selbst, zerrissen zwischen Triumph und Desaster, wie es beim britischen Dichter Rudyard Kipling heißt?

Foto: Vik Muniz/ Galerie Lelong & Co/ FFT 2017
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Der notorische Rafael Nadal machte in diesem Jahr kurzen Prozess: 6:2, 6:3, 6:1 im Finale gegen den Schweizer Stan Wawrinka. Bei den Damen siegte überraschend die Lettin Jelena Ostapenko. Schon eher thrillertauglich.

Foto: CHRISTIAN HARTMANN/ REUTERS
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Das abstrakte Werk des Mallorquiners Jose Maria Sicilia ist wie eine Rückhand von Roger Federer: Präzise Technik verschmilzt mit kunstvoller Poesie. Überhaupt zeigen sich die French Open 2019 von ihrer verspielten Seite: Die neu gestaltete Anlage erinnert an einen Lustgarten aus Prousts Zeiten, Seifenblasenkünstler mit Canotehüten wandeln über die Flure, ein neues Stadion ist in eine Orangerie eingebettet. Wird so viel Kunst Maestro Federer noch einmal zum Sieg inspirieren? Man darf gespannt sein.

Foto: José Maria Sicilia/ Galerie Lelong & Co-FFT 2019
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