60 Jahre Formel 1 - DER SPIEGEL
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60 Jahre Formel 1 "Kann man einen Sport lieben, der seine Besten umbringt?"

Der Teamchef war Holzfäller, die Fahrer Mitte vierzig und die Autos? Rohrrahmen für Lebensmüde! Die Anfänge der Formel 1 waren chaotisch und improvisiert. Der Fotograf Rainer Schlegelmilch war mit seiner Kamera immer dabei. Bei einestages erinnert er sich an wilde Jahre mit großen Stars - und Tote mit großen Namen.
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Premiere: Am 13. Mai 1950 schlug die Geburtsstunde der Formel 1. Zwar wurden bereits vorher Grand Prix ausgetragen, doch erst seit jenem Großen Preis von Europa im englischen Silverstone wurden diese zu einer Serie zusammengefasst und dem am Ende Punktbesten der Titel Formel-1-Weltmeister verliehen. Die Premiere gewann der Italiener Nino Farina auf Alfa Romeo, nach zwei Stunden und 13 Minuten und 70 Runden sah er die Zielflagge als Erster.

Foto: Don Price/ Getty Images
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Juan Manuel Fangio: Das Bild zeigt den argentinischen Rennfahrer Juan Manuel Fangio 1949, ein Jahr vor der Gründung der Formel 1, in einem Ferrari auf der italienischen Rennstrecke Autodromo Nazionale Monza. Seit den zwanziger Jahren ist die Strecke der Austragungsort des "Grand Prix von Italien". Fangio war der überragende Fahrer in den ersten Jahren der Formel 1. Fünfmal errang er die Meisterschaft, eine Bestmarke, die erst 2003 von Michael Schumacher überboten wurde. Unübertroffen bis heute ist seine Erfolgsquote: Bei 51 Starts gewann er 24-mal.

Foto: Getty Images
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Jim Clark: Der zweimalige Weltmeister Jim Clark in seinem Lotus 49 beim Großen Preis von Südafrika am 1. Januar 1968 auf dem Kyalami Grand Prix Circuit bei Johannesburg. Clark gewann das Rennen - es war seine letzte Teilnahme bei der Formel 1. Vier Monate später starb er beim Formel-2-Rennen auf dem Hockenheimring.

Foto: AP
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Am Unglücksort: Fassungslos steht der britische Rennfahrer Graham Hill am 7. April 1968 am Wrack seines eben auf dem Hockenheimring tödlich verunglückten Kollegen Jim Clark. Nach einem Reifenplatzer war Clark von der Strecke abgekommen und in den Wald gerast. Damals gab es noch keine Leitplanken oder andere Sicherheitsvorkehrungen, die so etwas verhindert hätten.

Foto: Getty Images
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Ascari im Ferrari: Der italienische Rennfahrer Alberto Ascari in einem Zwei-Liter-Ferrari am 6. Juli 1952 in Rouen, wo er den 39. Großen Preis von Frankreich gewann. Ascari war neben Juan Manuel Fangio einer der erfolgreichsten Fahrer jener Tage, er fuhr zwei Weltmeistertitel und 13 GP-Siege ein. 1955 starb er bei einem Testunfall.

Foto: AP
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Grand Prix von Modena: Alberto Ascari (rechts), der im Ferrari am 6. Mai 1950 das erste Grand-Prix-Autorennen von Modena gewann, posiert mit seinem stärksten Konkurrenten Juan Manuel Fangio (links), der wegen eines Motorschadens aufgeben musste.

Foto: AP
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Farinas letzter Grand-Prix Sieg: Seinen letzten Grand-Prix-Sieg feierte Guiseppe "Nino" Farina am 2. August 1953 im Alter von 47 Jahren beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring. Das Foto zeigt den italienischen Rennfahrer, als er gerade mit seinem Ferrari 500 die Ziellinie erreicht. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler und Neffe des Auto-Designers Battista Farina (Pininfarina) hatte 1933 seine Rennfahrerkarriere begonnen - 1950 ging er als erster Formel-1-Weltmeister in die Geschichte ein.

Foto: AP
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Jochen Rindt: Der in Mainz geborene Rennfahrer Jochen Rindt vor dem Großen Preis von Deutschland am 2. August 1970 in Hockenheim.

Foto: dpa
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Vor dem Rennen: Der österreichische Formel-1-Pilot Jochen Rindt unterhält sich vor dem Start des Rennens am 2. August 1970 auf dem Hockenheimring noch mit dem Lotus-Rennstallgründer Colin Chapman. Rindt dominierte die Formel 1 in dieser Saison und es war sicher, dass er sich den WM-Titel sichern würde. Beim Abschlusstraining am 5. September 1970 in Monza brach jedoch sein Lotus plötzlich aus und prallte in die Streckenbegrenzung. Rindt konnte schwerverletzt aus dem Wagen geborgen werden, starb aber noch im Rettungswagen an seinen Verletzungen.

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Unfall von Rindt: Nach diesem Unfall am 4. Mai 1969 beim Großen Preis von Spanien in Barcelona musste der österreichische Rennfahrer Jochen Rindt ins Krankenhaus gebracht werden. Rindt hat in seinem Lotus-Ford dem Wagen von Graham Hill (hinten rechts), der zuvor gegen den Zaun gefahren war, nicht ausweichen können.

Foto: AP
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Jackie Stewart: Der schottische Rennfahrer Jackie Stewart in seinem Wagen auf dem Brands Hatch Circuit in den späten sechziger Jahren. Stewart, der die Weltmeisterschaft dreimal gewann, fuhr ab 1965 für BRM (British Racing Motors). Als Präsident der GPDA setzte Stewart sich als einer der ersten F-1-Piloten öffentlich für ein verschärftes Sicherheitsreglement ein. Die Fahrer sollten verpflichtet werden, feuerfeste Overalls, Sechspunkt-Sicherheitsgurte, offiziell geprüfte Helme und spezielle Thermo-Socken, -Handschuhe und -Unterwäsche zu verwenden, die sie vor Brandverletzungen schützten.

Foto: Getty Images
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Matra-Ford: Jackie Stewarts Matra-Ford in einer Kurve bei einem Formel-1-Rennen, aufgenommen im Oktober 1969.

Foto: Getty Images
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Der Schraubermeister: Jack Brabham in Silverstone (Foto von Mai 1966). Der ehemalige Kfz-Mechaniker Brabham fuhr anfangs als Pilot für die Rennställe Cooper, Maserati und Lotus und wurde zweimal Weltmeister. 1963 gründete er sein eigenes Team, mit dem er 1966 den dritten Weltmeistertitel einfuhr. Bis heute ist Jack Brabham der einzige Formel-1-Pilot, der je in einem selbstkonstruierten Wagen Formel-1-Weltmeister wurde.

Foto: Getty Images
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Tyrrell P34: Die siebziger Jahre boten mit Sicherheit den höchsten Unterhaltungswert aller Formel-1-Jahrzehnte. Nicht zuletzt, weil man als Zuschauer auch gewagte technische Experimente wie diesen sechsrädrigen Boliden in freier Wildbahn zu sehen bekam. Mit dem P34 wollte der ehemalige Holzhändler Ken Tyrrell, der als Teamchef zuletzt 1973 mit Jackie Stewart den WM-Titel geholt hatte, in den Jahren 1976 und 1977 mit aller Macht zurück in die Erfolgsspur. Der Versuch scheiterte, angeblich weil Goodyear kein Geld in die Entwicklung der kleinen Reifen stecken wollte. Schon klar.

Foto: Schlegelmilch Photography
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Lauda schwer verunglückt: Nach einem Zusammenstoß in der zweiten Runde beim Grand Prix auf dem Nürburgring am 1. August 1976 brennt der Ferrari des österreichischen Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda. Lauda trägt schwere Verbrennungen davon und wird in eine Ludwigshafener Klinik geflogen.

Foto: dpa
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Niki Lauda: Nur 42 Tage nach seinem dramatischen Unfall saß Lauda beim Großen Preis von Monza schon wieder in einem Rennwagen. Er wurde Vierter, mit blutenden Wunden lief er im Ziel ein. Das Foto zeigt Lauda zwei Jahre später in einem Brabham-Alfa Romeo. 1978 hatte er dort einen Vertrag unterschrieben.

Foto: Getty Images
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Über den Asphalt schweben: Mit vollem Tempo rast Jackie Stewart am 3. August 1969 mit seinem Ford über den Nürburgring. Auf die Sicherheit der Fahrer legten die Veranstalter zu dieser Zeit noch nicht all zuviel Wert. Noch nicht einmal Leitplanken schützen die Fahrer - ein Abflug von der Strecke in den Wald bedeutete fast immer den sicheren Tod.

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Lotus 79: Eine weitere Aerodynamik-Revolution brachte der Lotus 79. Unter den Seitenkästen verbargen sich umgedrehte Flügelprofile, die massiven Abtrieb erzeugten. Bereits mit dem Vorgänger, dem L 78, hatte Lotus mit dem sogenannten Ground Effect experimentiert, doch der Lotus 79 perfektionierte das Prinzip, mit dem sich die Rennautos wie ein Saugnapf an der Piste festsaugen konnten.

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Tödliches Geschoss: Statt den ersten WM-Titel für einen deutschen Piloten einzufahren, raste Wolfgang Graf Berghe von Trips am 10. September 1961 in sein Verderben. Nach einem gewagten Überholmanöver touchierte Trips den Lotus von Jim Clark. Der deutsche raste in seinem Ferrari die Böschung hinauf ...

Foto: Getty Images
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... direkt in die Zuschauer hinein: Der Wagen wurde zurück auf die Strecke geschleudert und überschlug sich dabei. Trips, hier auf dem Bild am Streckenrand zu sehen, wurde aus dem Fahrzeug geschleudert und war auf der Stelle tot. 14 Zuschauer starben, etliche wurden schwer verletzt.

Foto: AP
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GP von Belgien: Hier zieht der britische Fahrer John Surtees in seinem Ferrari noch sauber seine Runden, wenig später folgt das Debakel. Beim Grand Prix von Belgien in Spa-Francorchamps kommt es am 12. Juni 1966 zu einer der spektakulärsten Massenkarambolagen der Formel-1-Geschichte: Wegen eines einsetzenden Wolkenbruchs fliegt die Hälfte des Starterfelds von der Piste - auf einer Distanz von gerade mal zwei Kilometern.

Foto: Getty Images
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Lotus 49: Als erstes Formel-1-Team setze Lotus auf die Vorteile eines Spoilers. Nach nur wenigen Rennen wurde das Leitwerk deutlich abgesenkt - zu oft waren die Streben des Flügels gebrochen. Die aerodynamische Revolution war trotzdem in Gang gesetzt. Bis heute bestimmen wilde Flügelkonstruktionen das Aussehen der F-1-Boliden.

Foto: AP
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Herzschlag-Finish: Der Große Preis von Italien am 5. September 1971 in Monza gilt als einer der spannendsten Grand Prix der Formel-1-Geschichte. 25 Führungswechsel sorgten schon während des Rennens für Hochspannung, beim Zieleinlauf bekamen herzschwache Menschen ernsthafte Probleme. Nur eine Sekunde trennte den ersten vom fünften Platz, der zweitplatzierte Ronnie Peterson steckte bei einem Abstand von 70 Zentimetern förmlich im Auspuff des Siegers Peter Gethin. Hier im Bild verfolgt er jedoch erst noch den Tyrrell-Piloten François Cevert.

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Der Über-Motor: Der Cosworth-V8 ist der erfolgreichste Saugmotor der Formel-1-Geschichte. Zwischen 1967 und 1983 wurden damit 155 Siege eingefahren, in den frühen siebziger Jahren hatten bis auf Ferrari fast alle Teams den britischen Motor im Heck.

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Die Turbo-Ära: Als Renault 1977 mit seinen 1,5-Liter-Turbomotoren in die Formel 1 einstieg, lachte die Konkurrenz noch. Die Renner aus Frankreich wurden als "Teekännchen" verspottet, wegen der Rauchfahnen, die aus den anfangs reihenweise kollabierenden Triebwerken emporstiegen. Doch bald zogen fast alle Motorenhersteller nach, am Ende leisteten die zwangsbeatmeten Aggregate von Renault, Porsche, Honda, BMW, Ferrari und Alfa Romeo bis zu 1500 PS. Zu viel, befanden die F-1-Oberen und würgten die kleinen Monster 1981 per Reglement ab.

Foto: Schlegelmilch Photography
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Fotograf Rainer Schlegelmilch: Ab 1961 stand er an der Strecke, immer wieder. 30.000 Fotos hat der Fotograf Rainer W. Schlegelmilch allein von Michael Schumacher gemacht - und unzählige weitere von allen Stars der Formel-1-Geschichte. Schlegelmilch, der in Frankfurt am Main lebt, wurde zum Auge der Rennserie und zum Zeugen von Triumphen und Tragödien.

Foto: Schlegelmilch Photography
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