60 Jahre Grundgesetz - DER SPIEGEL
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60 Jahre Grundgesetz Happy Birthday, Bundesrepublik!

Ihre Lebensgeschichten spiegeln 60 deutsche Jahre: Jürgen Völkert-Marten und Monika Röhm wurden beide am Tag der Gründung der Bundesrepublik geboren. Doch ob RAF-Anschläge, Atomkraftdebatte oder Mauerfall - die Wendepunkte der deutschen Geschichte sahen sie völlig unterschiedlich.
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Junge Jahre: Monika Röhm, in Essen geboren, verbringt ihre ersten Jahre in Schleswig-Holstein, bis ihre Eltern nach Koblenz ziehen. Auf dem Foto ist sie drei Jahre alt - exakt wie die BRD, die 1952 um die Wiederbewaffnung stritt und sich langsam von den Kriegsfolgen erholte.

Foto: Monika Röhm
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Zwei Welten: Ein zweites, besonderes Geburtstagskind - Jürgen Völkert-Marten wuchs im Ruhrgebiet in einer klassischen, eher linken Arbeiterfamilie auf und erlebte eine ganz andere Jugendzeit als Monika Röhm in ihrem konservativen Elternhaus. Er wusste, dass sein Geburtstag gleichzeitig der Tag der Bundesrepublik-Gründung war - doch ihm war es ziemlich egal.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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Freiheit durchs Fechten: Monika Röhm bei der Fecht-WM 1971 in Ankara. Für sie war der Sport ein Schlupfloch, der Langeweile der Adenauer-Zeit und der elterlichen Strenge zu entkommen. Sieben Jahre kämpfte sie in der Nationalmannschaft, wurde mehrfach Deutsche Meisterin mit der Mannschaft und nahm bei Weltmeisterschaften und Olympia teil.

Foto: Monika Röhm
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Sport und Gedichte: Ein Zeitungsfoto zeigt Jürgen Völkert-Marten mit langer Mähne bei einer Lesung. Mit solch einer Frisur wollte ihn sein ehemaliger Arbeitgeber, die AOK, lieber nicht am Schalter sehen. Während Monika Röhm auf großen Fechtturnieren kämpfte, kämpfte er mit Sitzblockaden gegen Fahrpreiserhöhungen, organisierte Geld für Amnesty International und warb für Willy Brandt.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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Ideologische Kämpfe: Auf internationalen Wettkämpfen erlebte Monika Röhm ein Stück typisch deutsche Geschichte. Sie wurde konsequent von den Sport-Kollegen aus der DDR gemieden: "Das hatte ihnen der Staat so eingeimpft", sagt sie. Das Bild zeigt die Linkshänderin links im Bild.

Foto: Monika Röhm
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Olympia-Geiselnehmer: Ein Drama, das die Leistungssportlerin Monika Röhm als Fechterin bei den Olympischen Spielen hautnah miterlebte und das sie nachhaltig prägte: Im September 1972 drangen acht Palästinenser ins Olympische Dorf in München ein und überfielen das Apartment der israelischen Mannschaft. Sie forderten die Freilassung von inhaftierten Palästinensern. Das Foto zeigt einen der Terroristen maskiert auf dem Balkon.

Foto: AP
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Küsse und Lyrik: Es war eine Zeit, in der nichts kompliziert schien. Jürgen Völkert-Marten in den wilden Sechzigern bei vollem Einsatz. Im Hintergrund erkennt man ein Plakat, das auf eine "Beat und Lyrik"-Veranstaltung mit ihm hinwies - seit seinem 13. Lebensjahr schreibt Völkert-Marten Gedichte und hat bisher etliche Bände herausgegeben.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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Sport statt Revolte: Als andere Mädchen in ihrem Alter revoltierten, hielt sich die junge Monika zurück. "Als Leistungssportlerin musste ich diszipliniert sein", sagt sie. An dem Tag, als die BRD und sie gleichzeitig ihren 19. Geburtstag feierten, brannte sie dann aber doch einmal mit ihrem Freund nach Italien durch.

Foto: Monika Röhm
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Früh erwachsen: Schon in jungen Jahren machte sich Jürgen Völkert-Marten einen Namen als Lyriker. Mit 18 zog er von zu Hause aus, kurz danach wurde er Vater, heiratete - und blieb rebellisch. Das Foto zeigt ihn Mitte der Sechziger.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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Wilde Jahre: Die 68er prägten eine ganze Generation von Heranwachsenden in der BRD. Völkert-Marten hörte die Kinks und die Stones, die Haare wuchsen - und die Politisierung nahm zu.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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Sitzblockade: Die Bundesrepublik wuchs heran - und ihre Kinder wurden aufmüpfig. Die Sechziger und Siebziger waren die Zeit der Studentenproteste und Sitzblockaden, an denen sich auch Jürgen Völkert-Marten beteiligte. Später ging er auch gegen die Atomkraft auf die Straße - während seine Geburtstagskollegin Monika Röhm in der Atomkraft immer eine große Chance sah. Dieses Bild von 1975 zeigt Wasserwerfer der Polizei im Einsatz gegen den Widerstand von Demonstranten gegen ein geplantes Kernkraftwerk.

Foto: dpa
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Willy Brandts Kniefall: Bundeskanzler Willy Brandt kniet vor dem Mahnmal, das den Helden des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943 gewidmet ist. Die Geste markierte den Beginn des Versöhnungsprozesses zwischen Deutschland und Polen - und brannte sich in das kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik ein.

Foto: A0009/ DPA
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Lebenszeichen von Schleyer: Monika Röhm lebte als Apothekerin in Köln, als die RAF dort 1977 den Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer entführte. "Das war schrecklich, diese Methoden rechtfertigen gar nichts", sagt sie zum Deutschen Herbst. Sie konnte die harte Reaktion auf die RAF-Bedrohung verstehen - Jürgen Völkert-Marten hingegen bangte auch um die Bürgerrechte, die der Staat damals beschnitt.

Foto: AP
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Zwei Geburtstage, eine Wahl: Als Jugendliche wusste Monika Röhm gar nicht, dass sie an einem ganz besonderen Tag Geburtstag hat. Das Bild zeigt sie mit ihrem Mann am 23. Mai 2004: Da wurde die BRD 55, Röhm 55 - und Horst Köhler neuer Bundespräsident.

Foto: Monika Röhm
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Ein halbes Jahrhundert: Die Bundesrepublik wurde 50 - und am selben Tag mit ihr Jürgen Völkert-Marten, ein inzwischen regional bekannter Dichter aus dem Ruhrgebiet.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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Doppelter Runder: Das Bild zeigt sie wenige Tage vor ihrem sechzigsten Geburtstag, der auch ein runder Geburtstag der Bundesrepublik ist.

Foto: Monika Röhm
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Gedichte und Bytes: Die langen Haare hat er heute noch - Jürgen Völkert-Marten kurz vor seinem 60. Geburtstag. Die Lyrik ist nach wie vor seine Leidenschaft, hauptberuflich arbeitet er als Systemprogrammierer.

Foto: Jürgen Völkert-Marten
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"Stoppt Strauß!": Jürgen Völkert-Marten protestierte auch gegen die Kanzlerkandidatur von Franz-Josef Strauß. Mehrere Bündnisse versuchten im Bundestagswahlkampf 1980, den CSU-Politiker als Kanzler zu verhindern - letztendlich sollte Helmut Schmidt seine Koalition mit der FDP fortführen.

Signatur im Bundesarchiv: Plak 006-021-044

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Maueröffnung am Brandenburger Tor: Diese Bilder gingen am 9. November 1989 um die Welt. Die Grenzen sind gefallen, die Schlagbäume geöffnet und Berliner aus Ost und West haben die Mauer erobert. Während Monika Röhm emotional zutiefst berührt war, kam bei Jürgen Völkert-Marten "keine Partystimmung" auf.

Foto: DPA
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