75 Jahre "Machtergreifung" Als der 1. Mai braun wurde
1. Mai 1933 auf dem Tempelhofer Feld: Mit Drucken wie diesem, entstanden nach einem Gemälde von Hans Haas, transportierte das NS-Regime seine totalitäre Ästhetik.
Hitler, Göring und Goebbels am 1. Mai 1933: Mit zusammengekniffenen Augen und scheinbar skeptisch mustert der "Führer" Adolf Hitler (l.) die Mai-Kundgebung auf dem Tempelhofer Feld in Berlin, während sein Propagandaminister Jospeh Goebbels (M.) mit Hermann Göring (2.v.l.) spricht.
Jubelnde Hitler-Jugend: HJ-Mitglieder zeigen bei der ersten von den neuen Machthabern organisierten Mai-feierlichkeiten zum traditionellen "Tag der Arbeit" den Hitler-Gruß.
SA beim Essenfassen: SA an einer Feldküche auf dem Tempelhofer Feld in Berlin am 1. Mai 1933. Über eine Million Menschen ließen die neuen Machthaber am traditionellen "Tag der Arbeit" hier antreten.
Zeppelin über Berlin: Zum 1. Mai 1933, dem ertsten nationalsozialistischen "Tag der Arbeit" gab es in Berlin eine Flugschau über dem Tempelhofer Feld, auf das zehnttausende Arbeiter beordert worden waren. An der Schau beteiligte sich neben einer Fliegerstaffel auch das Luftschiff "Graf Zeppelin" (hier in einer Aufnahme von 11933), ein "Wahrzeichen deutscher Arbeit", so die NS-Organisatoren.
Propaganda mit den Größen des alten Systems: Auf dem Wahlplakat der NSDAP zur Reichstagswahl am 5. März heißt es: "In grösster Not wählte auch Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler, wählt auch ihr Liste 1." Am 1. Mai führte Hitler dem greisen Reichspräsidenten bei der Mai-Feier im Berliner Lustgarten vor, wie sich die deutsche Jugend für das "neue" Deutschland Hitlers begeisterte.
Signatur im Bundesarchiv: Plak 002-042-156
Hindenburg und Hitler: Bei der NS-Maifeier im Berliner Lustgarten ließ Hitler den greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg die Hauptrede halten, der neue Kanzler wollte dem 85-Jährigen so die Begeisterung der Jugend für den neuen deutschen Staat vor Augen führen. Hier fahren Hitler und Hindenburg im offenene Wagen zur Kundgebung.
Zerschlagung der freien Gewerkschaften : SA-Leute besetzen am 2. Mai 1933 das Gewerkschaftshaus am Engelufer 14/15 (heute Engeldamm) in Berlin.
Theodor Adrian von Renteln: Der Wirtschaftswissenschaftler Theodor Adrian von Renteln wurde am 3. Mai 1933 zum neuen Vorsitzenden des "Reichsverbandes der Deutschen Industrie" gewählt. Renteln war zugleich auch Führer des "NS-Kampfbundes des Gewerblichen Mittelstandes" und Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages. In der neu geschaffenen Einheitsgewerkschaft "Deutsche Arbeitsfront" (DAF) übernahm er die Position eines Stabsleiters. Dieses Beispiel zeigt, wie eng die verschiedenen Wirtschaftsorganisationen im NS-Staat miteinander verflochten waren. Von 1941 bis 1945 war Renteln dann "Generalkommissar" im besetzen Litauen und damit der hauptverantwortliche Zivilbeamte für die Ermordung der Juden Litauens.
Otto Wels: Der damalige SPD-Chef Otto Wels (1873-1939) warnte den eher auf Anpassung an die Nationalsozialisten setzenden Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB), Theodor Leipart mit den Worten: "Lass doch lieber das Hakenkreuz mit Gewalt auf die Dächer setzen, ehe Du freiwillig die schwarz-weiß-rote Fahne hisst." Leipart aber wollte die Gewerkschaften "in den Dienst des neuen Staates stellen".
Werbeplakat für die Reichsautobahnen: Bunt leuchtete die Welt des kreuzungsfreien Kraftfahrzeugverkehrs von solchen Propagandaplakaten der Nazis. Für die Erbauer der Verkehrsadern sah diese Welt sehe viel trister aus - sie mussten die Trassen unter äußerst schlechten Bedingungen bauen.
Erster Spatenstich: Adolf Hitler beim Spatenstich für die angeblich erste Reichsautobahn. Zwischen Köln und Bonn war allerdings bereits ein halbes Jahr zuvor die erste Autobahn eingeweiht worden, noch vor dem Machtantritt der Nazis im Januar 1933. Hitler ließ sie kurzer Hand zur Landstraße herunterstufen, um den Propagandaerfolg für sich zu verbuchen. Rechts hinter Hitler steht Adolf Hühnlein, Führer des "Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps" (NSKK).
Steine klopfen: Arbeiter kurz vor der Fertigstellung eines neuen Abschnitts der Reichsautobahn, 1936. Für das Bauprogramm schufen die Nazis einen gewaltigen "Niedriglohnsektor" - die Arbeiter wurden letztlich gezwungen, dort zu arbeiten. Viele wurden dadurch in die Verelendung getrieben, denn die Arbeitslöhne für den Autobahnbau lagen weit unter den Sozialhilfesätzen. Wer sich weigerte, wanderte schnell ins KZ.
Reichsautobahn in Thüringen: Am 1. Mai 1933 verkündete Hitler ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm. Der noch heute populärste Teil dieser Maßnahme war der Bau der Reichsautobahnen. Dabei wird häufig übersehen, dass dafür ein gewaltiger "Niedriglohnsektor" geschaffen wurde.
"Judenboykott" vor dem KaDeWe 1933: NS-Anhänger demonstrieren am 1. April 1933 im Rahmen des von der NSDAP organisierten Boykotts "jüdischer Geschäfte vor dem geschlossenen "Kaufhaus des Westens" (KadeWe) an der Berliner Tauentzienstraße.
"Ich übergebe der Flamme...": Anhänger der Nazis, darunter viele Studenten, tragen am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz Bücher unliebsamer Autoren zusammen, um sie zu symbolisch zu verbrennen.
Bücherverbrennung: Auf dem Opernplatz vor der Berliner Universität verbrennen Anhänger der Nationalsozialisten, darunter viele Studenten, am 10. Mai 1933 von ihnen verfemte Literatur.