75 Jahre "Machtergreifung" - DER SPIEGEL
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75 Jahre "Machtergreifung" Wie Hitler die "Volksgemeinschaft" formte

Es war der Schlusspunkt zur Abschaffung der Demokratie: Am 14. Juli 1933 erhob Hitler die NSDAP zur Staatspartei, machte Zwangssterilisation zum Gesetz und bürgerte Zehntausende Oppositionelle aus. Kurz darauf verstummte plötzlich auch die wichtigste unabhängige Kraft im Land.
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Unterzeichnung des Reichskonkordats: Von links nach rechts - Prälat Ludwig Kaas, Vizekanzler Franz von Papen, Unterstaatssekretär Giuseppe Pizzardo, Staatssekretär Eugenio Pacelli (Pius XII.), Substitut Alfredo Ottaviani, Ministerialdirektor Rudof Hermann Buttmann, Substitut Giovanni Battista Montini (Paul VI.), Botschaftsrat Eugen Klee am 20. Juli 1933 im Vatikan.

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"Er kann es nicht lassen": Karikatur auf die kritische Haltung österreichischer Bischöfe gegenüber der nationalsozialistischen deutschen Politik in Anbetracht des Konkordats mit dem Vatikan am 20. Juli 1933. Zeichnung in "Kladderadatsch" Nr.3, 87.Jg. vom 14.01.1934.

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Zentrumspolitiker von Papen: Franz von Papen, deutscher Politiker und Diplomat, gehörte der Zentrumspartei an. Er wurde 1932 Reichskanzler und war von 1933 bis 1934 Vizekanzler unter Hitler. Von Papen trug maßgeblich zum Zustandekommen des Konkordats 1933 bei.

Foto: AP
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Heinrich Mann: Der deutsche Schriftsteller, Präsident der Preußischen Akademie der Künste mit Zigarette und Buch im Jahre 1929. Heinrich Mann gehörte zu denjenigen Schriftstellern, die auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nationalsozialisten am 23. August 1933 standen.

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Bücherverbrennung: Auf dem Opernplatz vor der Berliner Universität verbrennen Anhänger der Nationalsozialisten von ihnen verfemte Literatur.

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Otto Wels: Der frühere SPD-Chef (1873-1939) in einer Aufnahme von 1924. Sein Name stand auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nationalsozialisten, die am 23. August 1933 veröffentlicht wurde - zusammen mit 32 weiteren.

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Hetze gegen Juden: SA-Männer bekleben das Schaufenster eines Möbelgeschäfts in der Uhlandstraße nahe des Kurfürstendamms mit Boykott-Plakaten. Gleich nach der Machtergreifung der Nazis wurden Juden und Andersdenkende geächtet. Wer konnte, floh ins Ausland.

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Alfred Kerr: Die Werke des deutschen Schriftstellers und Theaterkritikers jüdischer Herkunft (1867-1948) wurden am 10. Mai 1933 Opfer der Bücherverbrennung durch die Nationalsozialisten. Sie seien "für das deutsche Ansehen als schädigend zu erachten", so der Vorstand des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler. Am 15. Februar 1933 war Kerr über die Schweiz nach Frankreich geflohen.

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"Die Brennessel": Antisemitische Karikatur auf Heinrich Mann. Titelseite der "Brennessel" vom 4. Januar 1933.

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Lion Feuchtwanger: Der deutsche Schriftsteller in Hollywood im Jahre 1944. Lion Feuchtwanger (1884-1958) war 1933 während einer Vortragsreise durch die USA von der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland überrascht worden und kehrte aufgrund seiner politisch gefährlichen Arbeit und wegen seiner jüdischen Abstammung nicht in seine Heimat zurück.

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"Ich übergebe der Flamme...": Anhänger der Nazis, darunter viele Studenten, tragen am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz Bücher unliebsamer Autoren zusammen, um sie symbolisch zu verbrennen. Weit mehr Bibliotheken mit verfemter Literatur wurden jedoch konfisziert und anderweitig verwertet - etwa in bestehende staatliche Bibliotheken übernommen.

Foto: Keystone/ Getty Images
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1. Mai 1933 auf dem Tempelhofer Feld: Mit Drucken wie diesem, entstanden nach einem Gemälde von Hans Haas, transportierte das NS-Regime seine totalitäre Ästhetik.

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Familienforschung zum Zwecke der Sterilisation: Die an sich harmlose und für Kinder durchaus interessante Beschäftigung mit ihren Vorfahren wurde im "Dritten Reich" nicht nur zur Judenverfolgung benutzt (s. "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums"), sondern auch, um Träger "minderwertige Erbanlagen" zu sterilisieren. Dazu wurden die Lehrer zu "systematischen Familienforschungen" im Unterricht aufgefordert. Die Kinder sollten sich über körperliche und geistige Veranlagung der Vorfahren informieren ("Erkrankungen, Blutsverwandtschaft, Nervenkranke und Trinker in der Familie"). "Bei minderwertigen Erbanlagen der Kinder bitte ich einen Bericht über mich an den Herrn Kreisarzt zu erstatten." (Schriftverkehr 6.9.1934) Bezeichnenderweise wurde diese "vertrauliche" Anweisung nicht im Schulblatt veröffentlicht, sondern kam nur über ein Schreiben des Schulamts an die Schule. Wie erfolgreich solche Anweisungen waren und in welchem Maße die Lehrer sich dafür haben einspannen lassen, bleibt unklar. Jedenfalls werden die Lehrer wiederholt auf die Bedeutung der "Familienforschung" hingewiesen. (Schriftverkehr 18.3.1935; 8.2.1937) Quelle: Archiv Gemeinde Lensahn - Schriftverkehr Schulamt Oldenburg in Holstein mit Volksschule Beschendorf

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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