75 Jahre "Machtergreifung" Die Kunst der Anpassung
Heinrich George: Der Schauspieler macht während einer NS-Veranstaltung artig den Hitlergruß. Es gab kaum überzeugte Nationalsozialisten, die zugleich Künstler von Rang waren. Umso mehr fiel ins Gewicht, dass so viele hervorragende Künstler sich dem NS-Regime zur Verfügung stellten - wie auch George.
Ernst Barlach: Der deutscher Bildhauer, Graphiker und Dichter 1937 in seinem Atelier. Barlach musste unter den Nationalsozialisten, nachdem Erlass des Reichskulturkammergesetzes gleich in zwei Kammern Mitglied werden. Als Schriftsteller war der Autor des "Blauen Boll" Mitglied der Reichsschrifttumskammer, für den Grafiker und Bildhauer war die Reichskammer der bildenden Künste zuständig.
Richard Strauss: Der Komponist und Dirigent genießt in Begleitung von Elisabeth Rethberg in einem vermeintlich unbeobachteten Moment die Uraufführung der Oper "Die ägyptische Helena" am 6. Juni 1928 in Dresden. Nach der "Machtergreifung" der Nationalsozialisten stellte Strauss sich und seine Kunst dem Regime zur Verfügung - aus "Opportunismus",wie er selbt in einem Brief an einen jüdischen Freund bekannte. Die Gestapo fing den Brief ab und zwang Strauss zum Rücktritt als Präsident der Reichsmusikkammer und zu einer Ergebenheitsadresse an Hitler.
Hitler mit Mitarbeitern: Die in der Weimarer Republik praktizierte Staatsferne in der Kulturpolitik lehnten die Nazis ab - sie wollten Theater und Orchester nicht nur subventionieren, sie wollten auch bestimmen, was gespielt wurde. Von links nach rechts: Otto Dietrich, Hans-Heinrich Lammers, Joseph Goebbels, Wilhelm Frick, Adolf Hitler, Hanns Kerrl, Alfred Rosenberg.
"Kulturbund Deutscher Juden": Auf einem Flugblatt vom August 1933 wird zum Eintritt in den "Kulturbund Deutscher Juden" geworben. Zur Verdrängung der jüdischen Minderheit aus der deutschen Gesellschaft, die dem Holocaust vorausging, gehörte auch die "Entjudung des deutschen Kulturlebens". Im Mai 1936 wurde der sogenannte Ariernachweis zur obligatorischen Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer. Juden blieb allenfalls die Möglichkeit, im Rahmen des im Juli 1933 gegründeten Kulturbunds Deutscher Juden aktiv zu werden.
"Nur für jüdisches Publikum": Ein Konzert in der Synagoge Oranienburger Straße in Berlin unter der Leitung des Dirigenten Julius Prüver, veranstaltet noch 1939 vom "Kulturbund Deutscher Juden". Der Kulturbund bildete ein kleines kulturelles Ghetto, insbesondere in Berlin, wo fast ein Drittel der deutschen Juden lebte. Täglich gab es Theateraufführungen, Konzerte, Filmvorführungen, Vorträge und anderes mehr. Aber all das spielte sich hinter verschlossenen Türen ab. Nichtjuden war die Anwesenheit untersagt. Werke von Autoren und Komponisten, die als "deutsch" galten, durften nicht aufgeführt werden.
Am Rande des Geschehens: Ein Gespräch zwischen dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler (l.) und dem Schauspieler und damaligen Intendanten des Staatlichen Schauspielhauses Gustav Gründgens während einer Musikveranstaltung in Bayreuth 1936. Beide Künstler hatten sich von den Nationalsozialisten zu Aushängeschildern des Kulturlebens im "Dritten Reich" machen lassen.
Führertagung: Joseph Goebbels (r.), der "Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda", im Gespräch mit Hitlers Chefideologen Alfred Rosenberg und NSDAP-Schatzmeister Franz Xaver Schwarz während der "Führertagung" der Reichs- und Gauleiter im Juni 1933 in Berlin.