75 Jahre "Machtergreifung" - DER SPIEGEL
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75 Jahre "Machtergreifung" Das Haken-Kreuz mit den Wahlen

Heuchelei hoch zehn: Im November 1933 ließ Hitler die Deutschen wählen - die "Liste des Führers" siegte ohne Gegenstimme. Doch als die "Volksgenossen" neun Monate später wieder an die Urne mussten, stimmte jeder Zehnte mit Nein - in manchen Städten sogar noch deutlich mehr.
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"Der Führer ruft Dich!": Bei der Volksabstimmung über die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers am 19. August 1934 stimmten 10,1 Prozent der Deutschen mit Nein - obwohl der Druck von Seiten des NS-Regimes gegenüber der Reichstagswahl neun Monate zuvor noch einmal deutlich erhöht worden war.

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Hindenburg bei der Stimmabgabe: Reichspräsident Paul von Hindenburg gibt am 12. November 1933 im Wahllokal in der Jägerstraße in Berlin seine Stimme für die Einheitsliste der NSDAP ab.

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"Ulm steht treu zum Führer": Anlässlich der Einheitswahl propagieren Transparente in Ulm die Einheit von "Führer" und Volk. tatsächlich stimmten 92,2 Prozent der Wähler für die "Liste des Führeres", 7,8 Prozent der Stimmen wurden als ungültig gewertet. Gegenstimmen gab es laut offizieller Wahlstatistik - keine.

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Von Papen verlässt das Wahllokal: Vizekanzler Franz von Papen (M.) verläßt mit seiner Familie das Wahllokal in der Jägerstraße in Berlin. Papen gehörte usprünglich der Zentrumspartei, aus der er im Juni 1932 austrat - kurz nachdem Hindenburg ihn zum Reichskanzler ernannt hatte. Unter Hitler wurde er 1933/34 Vizekanzler und war dann bei den Reichstagswahlen vom 12. November 1933 einer der wenigen Kandidaten auf der "Liste des Führers", die nicht der NSDAP angehörten. Diese Öffnung zielte auf jene Teile des Bürgertums, die den Nationalsozialisten eher skeptisch gegenüber standen.

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Hitlergruß: Begeisterte Anhänger jubeln Adolf Hitler beim Verlassen des Berliner Siemens-Werks zu. Hitler hatte dort am Tag vor den Reichstagswahlen am 12. November 1933 die Arbeiter und Angestellten für die Abstimmung über die "Liste des Führers" zu mobilisieren versucht.

Foto: Getty Images
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Wahlergebnis einer Volksabstimmung zum Austritt aus dem Völkerbund: Ein Auszug aus den "Wagrisch-Fehmarnschen Blättern" vom 14. November 1933 zeigt das Gesamtergebnis des Kreises Oldenburg bei der Reichstagswahl und der gleichzeitig durchgeführten Volksabstimmung über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund am 12. November 1933. Aufgrund des Parteienverbots gab es bei diesen Abstimmungen nur eine von der NSDAP kontrollierte Einheitsliste.

Foto: Uwe Stock/Archiv Gemeinde Lensahn
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Hitlers Kabinett: Eine kolorierte Aufnahme der ersten Ministerriege der nationalsozialistisch geführten Reichsregierung vom 30. Januar 1933. Ganz rechts der Verleger und DNVP-Vorsitzende Alfred Hugenberg, den Adolf Hitler am selben Tag zum Minister für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ernährung ernannt hatte. Bereits im Juni desselben Jahres trat Hugenberg von allen Partei- und Ministerämtern zurück, blieb jedoch bis 1945 als "Gast" der NSDAP Reichstagsmitglied. Auch er durfte bei den manipulierten Wahlen vom 12. November 1933 als eines der wenigen Nichtparteimitglieder auf der "Liste des Führers" kandidieren.

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Stimmzettel 1933: Am 5. März 1933 fand die letzte Parlamentswahl mit mehreren Parteien statt. Zur sogenannten Reichstagswahl am 12. November stand dann nur noch die "Liste des Führers" mit treuen Nationalsozialisten zur Abstimmung.

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Hindenburg und Hitler: Für die massive Propagandakampagne zur der Reichstagswahl am 12. November 1933 wurde auch Reichspräsident Paul von Hinderburg eingespannt. Die Aufnahme zeigt von Hindenburg am 1. Mai 1933 mit Adolf Hitler auf dem Weg zur NS-Maifeier im Berliner Lustgarten.

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Wilhelm Frick: Der Reichsinnenminister gewährte den Wahlleitern für die Auszählung der Stimmen der Reichstagswahl vom 12. November 1933 per vertraulichem Rundschreiben "fast unbeschränkten Ermessensspielraum für die Gültigkeitserklärung von Stimmzetteln". In zahlreichen Fällen füllten so die Wahlleiter gleich selbst die Stimmzettel aus. Die Aufnahme zeigt Frick 1936 bei einer Rundfunkansprache in Berlin.

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Nazis mit "Blutfahne": Am 9. November 1933, dem zehnten Jahrestag des Putschversuchs, ehren die Nationalsozialisten die 1923 getöteten Nationalsozialisten mit einem Marsch durch München. An der Spitze des Zuges trägt Julius Streicher, Herausgeber des Nazi-Hetzblattes "Der Stürmer", die "Blutfahne". Dahinter, mittig in der zweiten Reihe, Adolf Hitler. Drei Tage später zogen Spielmannszüge von SA und Hitlerjugend wieder durch die Straßen, um die "Volksgenossen" an die Urnen für die Reichstagswahl zu rufen. Dort stand allerdings nur noch eine NS-Einheitsliste zur Abstimmung.

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Goebbels und Göring: Die gesamte Führungsriege der NSDAP trat im Vorfeld der Reichstagswahl vom 12. November 1933 bei Kundgebungen auf, um die "Volksgenosssen" auf die Wahlen einzuschwören. Die Aufnahme zeigt Propagandaminister Joseph Goebbels (l) im Gespräch mit dem preußische Innenminister Hermann Göring beim "Reichsparteitag des Sieges", der vom 30. August bis zum 3. September 1933 in Nürnberg stattfand.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Bayerische Staatsbibliothek / Heinrich Hoffmann
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Propaganda mit den Größen des alten Systems: Auf dem Wahlplakat der NSDAP zur Reichstagswahl am 5. März heißt es: "In grösster Not wählte auch Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler, wählt auch ihr Liste 1."

Signatur im Bundesarchiv: Plak 002-042-156

Foto: Das Bundesarchiv/P. v. Wurmb
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Gruß ans Volk: Der "Führer" und sein Stellvertreter Göring winken am Abend der Machtübernahme der Menge zu.

Eingereicht von einestages-Leser Karl Schillinger.

Foto: Karl Schillinger
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?