9 1/2 Wochen - DER SPIEGEL
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Film "9 1/2 Wochen" "Brich sie!", verlangte der Regisseur

Tagsüber brave Galeristin, nachts Fessel-Fetischistin: Vor 30 Jahren lebte Kim Basinger mit Mickey Rourke im Kino Sadomaso-Fantasien aus. "9 1/2 Wochen" machte beide zu Sexsymbolen - und war vor allem für Basinger eine Qual.
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Berühmter Striptease: Eine der bekanntesten Szenen aus "9 1/2 Wochen" ist der Tanz von Elizabeth zum Gesang von Joe Cocker. Der Song "You Can Leave Your Hat On" wurde ursprünglich von Randy Newman komponiert. Cocker ließ ein Musikvideo drehen, in dem auch Ausschnitte aus Basingers Strip-Szene zu sehen waren. "9 1/2 Wochen" fiel an den US-Kinokassen zunächst durch, war in Europa jedoch ein großer Erfolg - Achtzigerjahre-Yuppie-Erotik mit Peitschenknallen und Fesselgedöns.

Foto: ddp images
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Geheimnisvoller Verführer: Damit sich die Schauspieler Kim Basinger und Mickey Rourke nicht anfreunden konnten, verbot Regisseur Adrian Lyne beiden, sich außerhalb des Sets zu sehen. Basinger sollte Angst vor Rourke haben, so wie im Film auch Elizabeth eine gewisse Furcht in Johns Gegenwart empfindet. Lynes Rechnung ging auf: Die Schauspielerin war permanent auf der Hut vor den impulsiven Ausbrüchen ihres Filmpartners.

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Perfektionist und Drangsalierer: Vor "9 1/2 Wochen" hatte Adrian Lyne den erfolgreichen Musikfilm "Flashdance" ins Kino gebracht. Der Werbefilmer legte viel Wert auf besonders ästhetische, gut kadrierte Bilder, auf Licht und Schatten. Um die perfekte Einstellung zu bekommen, ließ er Szenen über Stunden wiederholen. Nachdem Mickey Rourke deshalb in einer Szene, in der er ein Kleid kaufen sollte, für längere Zeit im Dunst einer Nebelmaschine stehen musste, fiel er wegen einer Bronchienerkrankung mehrere Tage lang aus. Später sagte Rourke über Lyne: "Er ist das kleinkarierteste Arschloch, das ich je erlebt habe."

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Weibliche Erotik: "Neuneinhalb Wochen" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Elizabeth McNeill. Erst Jahre später kam heraus, dass sich hinter dem Pseudonym eine New Yorker Journalistin verbarg. In ihren Memoiren verarbeitete die Feministin ihre sadomasochistischen Erlebnisse mit einem Börsenmakler. Das Buch war vor allem bei Leserinnen sehr beliebt. So wie im Roman konzentriert sich auch der Film auf Elizabeths Perspektive: Alles, was man über den mysteriösen John erfährt, lernt man durch sie kennen. Der Film zeigt das sexuelle Erwachen einer Frau –und ihre Loslösung von einem sie dominierenden Mann.

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Wohnung der Macht: Anders als Elizabeth lebt John direkt in Downtown Manhattan, sein Apartment bietet einen Blick auf die Skyline New Yorks. Regisseur Lyne ließ die Wohnung des Börsenmaklers so ausstatten, dass es Macht und Wohlstand ausstrahlen sollte. Stylish, modern, mit mehreren Fernsehern versehen. Die meiste Zeit verbringt das Paar jedoch in Johns Schlafzimmer, in dem auch die berühmte Strip-Szene beginnt.

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Entspannung bei der Arbeit: Produzent und Drehbuchautor Zalman King wollte mit "9 1/2 Wochen" die Geschichte einer Frau erzählen, die ihre wilde erotische Seite entdeckt. So masturbiert Elizabeth unter anderem in der Galerie, während sie sich Diaaufnahmen von Kunstgegenständen anschaut. Wie bei so vielen Szenen arbeitete auch hier Regisseur Adrian Lyne vor allem mit Gegenlicht und Schatten, mit Nahaufnahmen von Staub und Schweiß, um Elizabeths Enthemmung besonders ästhetisch auf die Leinwand zu bringen.

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Sexidole der Achtziger: So schlecht der Film an den US-Kassen lief, so erfolgreich war er vor allem beim europäischen Publikum. Basinger und Rourke wurden zu Sexgöttern ihrer Generation erklärt. Vor allem Rourke spielte in den nächsten Jahren immer wieder freizügige Rollen: In "Angel Heart" hatte er mehrere explizite Sexszenen mit der jungen Lisa Bonet, die damals in der beliebten "Bill Cosby Show" mitspielte. In "Wilde Orchidee" kam er seiner Partnerin Carré Otis besonders nahe: Das Paar heiratete kurze Zeit später.

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Comedy-Queen: Vor "Neuneinhalb Wochen" hatte Kim Basinger als Model gearbeitet und war als Bond-Girl an der Seite von Sean Connery aufgetreten. Die Rolle der Elizabeth brachte ihr viele neue Angebote. Doch statt die Sexbomben-Karriere anzutreten, spezialisierte sie sich in den Folgejahren aufs komödiantische Fach. Sie spielte in "Meine Stiefmutter ist ein Alien" neben Dan Aykroyd und in "Blind Date" als Partnerin von Bruce Willis. Ihren Oscar bekam sie 1997 dann wieder für eine ernste, eher freizügige Rolle: Im Film Noir "L.A. Confidential" spielte sie ein Callgirl, das einem Polizistentrio dabei hilft, eine Mordserie aufzudecken.

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Fesselspiele: "Darf ich dir die Augen verbinden?" Schon beim ersten Mal, als Elizabeth John mit in ihre Wohnung nimmt, stellt er ihr eher ungewöhnliche Fragen. Die Sexspiele nehmen mit der Zeit immer demütigendere Züge an: Elizabeth muss auf allen Vieren kriechen und Geldscheine einsammeln. Oder sie soll zuschauen, wie ihr Partner sich mit einer Prostituierten vergnügt. Zum Schluss setzt die Galeristin diesem Spiel ein Ende - und lässt John mit gebrochenem Herzen zurück.

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Fortsetzung in Paris: Im Laufe der Zeit entwickelte sich "9 1/2 Wochen" zu einem Kultfilm. 1997 kam die Fortsetzung "9 1/2 Wochen in Paris" - erneut mit Mickey Rourke. Darin reist er als John Gray seiner großen Liebe Elizabeth nach Frankreich nach - nur um zu erfahren, dass sie gestorben ist. Doch in der Stadt der Liebe findet er schnell ein paar Schultern zum Trösten.

Foto: imago/United Archives
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Neue Gespielin: Da Kim Basinger in der Fortsetzung nicht mehr mitspielen wollte, wurde ihre Figur Elizabeth kurzerhand für tot erklärt. An der Seite von Mickey Rourke stand nun Angie Everhart als Elizabeths Freundin Veronique. Und auch sie verfiel den Sadomasospielen von John Gray.

Foto: imago/United Archives
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Intim am Set: Für die vielen Sexszenen zwischen Elizabeth und John ließ Regisseur Adrian Lyne die Crew auf die wesentlichen Mitglieder schrumpfen. Nur der Kameramann, der Tonassistent und er selbst sollten zugegen sein. So wollte er eine besonders intime Stimmung erwecken. Dem Studio MGM waren viele Szenen jedoch zu gewagt. Daher musste Lyne viel gedrehtes Material wieder rausschneiden.

Foto: imago/ZUMA Press
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Spätes Wiedersehen: 2008 spielten Kim Basinger und Mickey Rourke wieder in einem Film zusammen. Da sie in "The Informers" allerdings keine gemeinsame Szene hatten, kam es erst bei der Filmpremiere am roten Teppich zu einem Wiedersehen. Rourke, der zwischenzeitlich als Profiboxer gearbeitet und mehrere plastische Operationen hinter sich hatte, war kaum wiederzuerkennen an der Seite seiner früheren Filmpartnerin.

Foto: © Fred Prouser / Reuters
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Nach dem Ende: Die Beziehung zwischen Elizabeth und John dauerte neuneinhalb Wochen, daher auch der Filmtitel. Im ursprünglichen Drehbuch trennte sich die Galeristin erst von ihrem Partner, als er sie zwang, Pillen zu schlucken –- in der Überzeugung, sie würde sich dadurch das Leben nehmen. Doch die Szene kam bei Testvorführungen sehr schlecht an: Das Publikum hasste nicht nur John, sondern auch Elizabeth, die sich so erniedrigen lassen hat. Regisseur Lyne entschied sich deshalb für ein anderes Ende und ließ Elizabeth nach einer Panikattacke zur Überzeugung kommen, dass sie ihre Affäre beenden muss.

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Vorbild Brando: Mickey Rourke war nicht der einzige Absolvent des New Yorker Actor's Studio, der mit einem Erotikfilm für Furore sorgte. Schon 1972 spielte Rourkes großes Idol Marlon Brando an der Seite von Maria Schneider in "Der letzte Tango in Paris": die Geschichte eines älteren US-Amerikaners, der sich in Paris mit einer jungen Französin zu Gesprächen und Sex trifft. Rourke hoffte, dass er mit seiner Darstellung in "Neuneinhalb Wochen" ebenso viel Lob erhalten würde wie Brando damals. Umso mehr ärgerte er sich, als MGM den Film stark einkürzte und viele Sexszenen wieder herausnahm.

Foto: Neue Visionen/ddp images
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