90 Jahre "Nosferatu" - DER SPIEGEL
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90 Jahre "Nosferatu" Schreckgespenst mit Hasenzähnen

Ach, du lieber Schreck! 1922 startete "Nosferatu" in den Kinos und verstörte die Zuschauer zutiefst - so sehr, dass einige den Hauptdarsteller Max Schreck für einen echten Vampir hielten. Ein Erfolg wurde das Meisterwerk trotzdem nicht. Der Produzent hatte einen grausamen Fehler begangen.
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Erwacht: Mit "Nosferatu" schuf Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau 1922 einen neuen Vampirtypus. Er zeigte den Blutsauger als nachtaktive Gestalt, die sich im Sonnenlicht in Staub auflöst oder verbrennt. Diese Eigenschaften hatte das Original aus Bram Stokers "Dracula" noch nicht. In dem Roman war der Urahn aller Blutsauger am Tage lediglich etwas geschwächt.

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Tod eines Untoten: Voller Gier und Vorfreude, sich am Blut seines Opfers zu laben, vergisst Orlok die Zeit - der Morgen bricht an, und der Graf stirbt am Ende des Films den für Vampire typischen Tod. Bei Kontakt mit Sonnenlicht zerfällt er zu Asche.

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"Romantischer Preuße": Der Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau, der Kunstgeschichte studiert und eine Schauspielausbildung absolviert hatte, hieß eigentlich Plumpe. Als seine Karriere begann, nannte er sich Murnau - nach der Stadt, in der er seinen ersten Bühnenauftritt hatte.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1931 schuf der Regisseur insgesamt 22 Filme. "Nosferatu" war sein zwölftes Werk - und sein berühmtestes.

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Wismar oder Wisborg? Regisseur Murnau suchte sich als Schauplatz für seinen fiktiven Filmort Wisborg die mecklenburgische Stadt Wismar aus. Die erste Einstellung von "Nosferatu" zeigt den Marktplatz mit der Wasserkunst sowie die St. Marienkirche - hier ist der Turm hinter der Heiligen-Geist-Kirche zu sehen (Foto von 1970).

Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-J0710-0303-005

Foto: Das Bundesarchiv/Hubert Link
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Kopie des Kahlkopfs: Stephen Kings Roman "Brennen muss Salem" erschien 1979 als Film, mit Reggie Nalder in der Hauptrolle des Vampirs. Bei dessen Aussehen hatte sich Regisseur Tobe Hooper ganz klar am "Nosferatu"-Vorbild bedient.

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Remake: Auch Werner Herzogs Horrorfilm "Nosferatu - Phantom der Nacht" von 1978 lehnte sich an Murnaus "Nosferatu" an.

Diese Szene zeigt Klaus Kinski, links, als Dracula und Bruno Ganz als jungen Makler, der in die Fänge des blutsaugenden Grafen gerät.

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Mensch oder Monster? E. Elias Merhiges Horrorfilm "Shadow of the Vampire" von 2000 machte die Dreharbeiten zu der "Nosferatu"-Urfassung zum Thema. Der Regisseur lieferte in seinem Film sogar eine Antwort auf die Frage, ob Graf-Orlok-Darsteller Max Schreck wahrlich ein Vampir war: Ja, er war's.

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Im Schloss des Bösen: Immobilienmakler Hutter alias Gustav von Wangenheim, rechts, besucht den düsteren Grafen Orlok in seinem Karpaten-Schloss, um ihm ein Haus in seiner Heimatstadt Wisborg zu verkaufen. Trotz aller Vorwarnungen der Einheimischen erkennt der junge Mann zu spät, dass Orlok ein blutrünstiger Vampir ist.

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Zusammenspiel mit der Architektur: Graf Orlok zeigt seinem Gast, dem jungen Makler Hutter, sein Schloss und dessen Anlage. Manche Filmwissenschaftler behaupten, Murnau habe bewusst viele Szenen unter Torbögen gedreht. Die runden Baukörper würden mit der bedrohlich buckligen Gestalt des Nosferatu harmonisieren.

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Das Opfer: Für Ellen (Greta Schröder) kommt jede Rettung zu spät. Ihr Ehemann Hutter muss mitansehen, wie seine Frau nach einer Attacke des Vampirs Orlok in dem Armen des Arztes (Gustav Boltz) stirbt.

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Schreck-Gespenst: Schauspieler Max Schreck war mit seiner hageren Gestalt, seinen spitzen Ohren und riesigen Augen prädestiniert für die Rolle des Vampirs. Make-up und künstliche Fingernägel, Kostüme und die richtige Beleuchtung am Set machten die gruselige Erscheinung der Filmfigur schließlich perfekt.

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Pompöse Premiere: Im Marmorsaal des Zoologischen Gartens in Berlin wurde am 4. März 1922 "Nosferatu" uraufgeführt. Die "Symphonie des Grauens" spielte ein Orchester vor Ort live. Im Anschluss an die Vorführung folgte eine Ballett-Darbietung sowie ein festlicher Ball für die Gäste.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?